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Probleme in der Partnerschaft

Sex und Schwangerschaft

Sex und Schwangerschaft

Radiointerview Sex und Schwangerschaft

 
Interview mit Dr. Michael Petery
in der Sendung Let´s talk about Sex bei Radio 89.0 RTL

Sex und Schwangerschaft
Ist Sex in der Schwangerschaft gefährlich?

Sex in der Schwangerschaft ist für fast alle Paare völlig unbedenklich, besonders, wenn der Sex mehr zärtlich und weniger heftig ausgelebt wird. Trotzdem ist es sinnvoll, darüber mit dem Frauenarzt oder der Frauenärztin zu reden, einfach, um sicherzugehen, ob es individuell nicht doch irgendwelche besondere Vorsicht einzuhalten gilt.

Es ist völlig normal, wenn sich das sexuelle Miteinander während der Schwangerschaft verändert. Besonders während der ersten drei Monate und noch einmal am Schluss in den letzten Wochen vor der Geburt kann es sein, dass die Frau deutlich weniger Lust auf Sex hat als sonst. Das liegt an den hormonellen Umstellungen, die während der Schwangerschaft im Körper der Frau vor sich gehen. Das sollte ein verständnisvoller Partner als vorübergehende Ausnahmezeit einfach akzeptieren.

Die ganze Zeit der Schwangerschaft hindurch auf Sex zu verzichten, wäre aus sexualtherapeutischer Sicht ein Fehler. Das könnte tatsächlich für die Partnerschaft zu einer Belastungsprobe werden, die so definitiv nicht nötig ist. Es ist vernünftig, sich hier gegebenenfalls im Rahmen einer Sexualtherapie Hilfe zu holen.

Sex und Schwangerschaft
Was ist psychisch anders in dieser Zeit für Mann und Frau?

Der wichtigste psychische Aspekt ist, wie Mann und Frau zu der Schwangerschaft stehen. Wenn das Kind von beiden gewünscht ist, kann die Schwangerschaft eine Erfahrung sein, welche die beiden unglaublich aneinander schweißt und die beiden sehr eng miteinander verbindet.

Schwangerschaft ist eine psychische Umbruchszeit, in der beide Partner mit der körperlichen Veränderung der Frau durch die Schwangerschaft umzugehen lernen müssen- und sich zugleich auf ihre künftige Rolle als Vater und Mutter vorbereiten.

Wichtig ist hier das Gefühl, dass sich die beiden komplett aufeinander verlassen können – und aus der Anfangsphase der Verliebtheit nun definitiv eine Phase der Liebe wird, in der Sex zwar immer noch wichtig, aber nicht das Wichtigste allein ist.

Schwieriger sieht es aus, wenn Mann oder Frau das Kind nicht wünschen. Dann sind psychische Schwierigkeiten und Partnerschaftsprobleme fast schon fest vorprogrammiert und ohne therapeutische Hilfe durch das Paar selber kaum zu lösen.

Sex und Schwangerschaft
Sex mit Kind im Nebenzimmer?

Für ein Paar mit einem neugeborenen Kind ist es oft nicht einfach, ausreichend Momente für gemeinsamen Sex zu finden. Dabei ist und bleibt gemeinsamer Sex für die Partnerschaft sehr, sehr wichtig. Hier ist etwas organisatorische Planung erforderlich. Bei aller privaten und beruflichen Belastung sollten auch junge Eltern mindestens einmal pro Woche drei Stunden Zeit am Stück miteinander alleine haben- sei es durch die Hilfe von Oma und Opa oder durch einen professionellen Babysitter. Hier zu sparen ist aus meiner therapeutischen Erfahrung ein großer Fehler.

Wie funktioniert der Sex nach der Geburt?

Natürlich können die beiden zusätzlich auch dann Sex haben, wenn das Kind ruhig im Nebenzimmer schläft- aber bereits das ist nicht dasselbe, wie echte Zeit nur für das Paar alleine.

Auf Sex in Gegenwart des Kindes sollte besser verzichtet werden- auch wenn das nicht notwendigerweise zu einer traumatischen Erfahrung für das Kind werden muss. Aber es ist klar, dass auch sehr kleine Kinder sehr viel mehr mitbekommen –und das gilt auch in Bezug auf Sex-, als die meisten Erwachsenen das für möglich halten.

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Wenn Sie dazu Fragen haben, können Sie sich gern an mich wenden.

Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

PS: Lesen Sie auch den Beitrag: Schön genug für Sex auch nach der Schwangerschaft?

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Peinlicher Sex

Peinlicher Sex

Radiointerview Peinlicher Sex

Hier der Radiomitschnitt.

 

Interview mit Dr. Michael Petery
in der Sendung Let´s talk about Sex bei Radio 89.0 RTL

Peinlicher Sex-Warum haben wir Angst,
etwas falsch zu machen?

Für die meisten Menschen ist Sex ein besonders wichtiger Moment in einer Partnerschaft, die ihnen insgesamt sehr viel bedeutet. Die Angst, beim Sex zu versagen, hängt also mit der Befürchtung zusammen, den Partner oder die Partnerin möglicherweise zu verlieren, wenn er oder sie mit dem Sex nicht hinreichend zufrieden sind.

Das Problem mit den Normen

Das Hauptproblem dabei ist, dass häufig das eigene Ideal vom „richtig guten Sex“ wenig passend ist- weder für einen selbst noch für die Partnerin oder den Partner.

In unserer Gesellschaft gibt es einen ziemlich strikten Kanon vom Normsex. Nach den Vorgaben des Normsex wechseln die Partner nach relativ kurzem Vorspiel zum Koitus. Dann hat der Mann nach etwa 10 min zu kommen (aber auch nicht früher, denn das wäre eine Ejakulatio praecox). Und die Frau soll ihren Orgasmus möglichst gleichzeitig oder zumindest unmittelbar zuvor oder danach erleben, ansonsten gilt sie als frigide.

Dieses Ideal vom Normsex löst deswegen besonders viel Stress aus, weil es die Partner unter großen Druck setzt. Für viele Menschen gilt der gemeinsame Sex nur dann als gelungen, wenn alles glatt nach solchen Vorgaben läuft. Und manche Männer und Frauen haben das Gefühl, auch wenn sie den Partner ansonsten sehr mögen, etwas verpasst zu haben, wenn ihr Partner bzw. ihre Partnerin den Normsex nicht hinbekommt.

Dieses sexuelle Ideal ist aber nach sexualmedizinischen Erkenntnissen für die Mehrheit der Menschen rein körperlich nicht machbar. Viele Frauen können rein physiologisch im Koitus keinen Orgasmus bekommen. Außerdem benötigen Männer und Frauen in der Regel unterschiedlich viel Zeit für das Vorspiel, bis sie zum Orgasmus kommen können (bei Frauen dauert es oft länger als bei Männern). Dafür können Frauen aber durchaus mehrere Orgasmen hintereinander bekommen- und empfinden es als enttäuschend, wenn der Mann nach seinem Orgasmus das sexuelle Spiel sofort abbricht.

All das sind Gründe, warum das Normsex-Ideal bei vielen Menschen zu sexuellen Frustrationserlebnissen geführt hat. Und wer schon ein oder mehrere Male beim Sex frustriert worden ist oder wer von seinem Partner verlassen wurde, „weil der Sex nicht gestimmt hat“, der wird in seiner Angst bestärkt, auch beim nächsten Mal wieder „irgendetwas“ falsch zu machen- ohne zu wissen, was er bzw. sie eigentlich besser machen könnte.

Peinlicher Sex-
Was sind wirkliche Pannen im Bett?

Mit etwas Googeln kann man seitenlange Berichte finden, was alles peinlicher Sex sein kann: das reicht über Mundgeruch bis zum Zusammenbrechen des Bettgestells bis hin zur Gaumensperre nach Oralverkehr…

Aus der Sicht der Sexualtherapie ist das alles eigentlich eher harmlos. Die größte Panne im Bett geschieht nach meiner therapeutischen Erfahrung, wenn ein Partner oder beide beim Sex ein bestimmtes, genormtes Programm durchspielen wollen. Dann ist das Scheitern praktisch vorprogrammiert.

Noch schlimmer ist es, wenn nur einer der Partner ein solches Programm durchziehen will. Vor ein paar Jahren ist mir einmal ein junger Mann begegnet, der seine gesamte Sexualerziehung Filmen aus dem Internet verdankte. Und der war völlig überrascht, als seine erste Freundin mit dem von ihm angeregten sexuellen Komplettprogramm mit Lutschen, Vaginal- und Analverkehr und abschließender Ejakulation ins Gesicht überhaupt nichts anfangen konnte.

Eine richtig schlimme Panne im Bett ist es also, die Bedürfnisse des Partners nicht behutsam und allmählich kennenlernen zu wollen oder gar rundherum missachten. Es gilt die Regel: Niemand kann von sich aus und von vornherein wissen, was für den Partner oder die Partnerin gerade die richtige Form von Sex ist.

Alle Menschen sind unterschiedlich- und je nach Tagesform haben wir alle zudem auch noch zusätzlich unterschiedliche Bedürfnisse. Mal kann es vielleicht tatsächlich das volle Sex-Programm sein- mal aber auch nur ein behutsames Streicheln und gemeinsames Kuscheln.

Außerdem kann es sein, dass an einem Abend im Bett nur er oder nur sie Lust auf einen Orgasmus hat. Und wirklich gut ist eine Beziehung erst dann, wenn beide Partner um ihre unterschiedlichen Bedürfnisse wissen und Möglichkeiten gefunden haben, dass ggf. auch mal nur einer von beiden zum Orgasmus kommt und der bzw. die andere trotzdem mit Verständnis und Spaß dabei ist.

Peinlicher Sex-
Wie kann ich peinliche Situationen vermeiden?

Bestimmte Missgeschicke, wie z.B. das zusammenbrechende Bett, sind Zufälle, die sich sicherlich kaum vermeiden lassen.

Bei allen anderen Situationen gibt es ein wunderbares Zaubermittel: Miteinander reden.

Damit finde ich nicht nur die jeweiligen sexuellen Wünsche des Partners bzw. der Partnerin heraus (und kann ihn oder sie mit diesem Wissen sexuell noch besser verwöhnen). Sondern ich kann auch selbst meine Wünsche zum Ausdruck bringe, wie für mich der Sex aussieht, den ich mir aktuell gerade wünsche.

Und wenn ich empathisch und vorsichtig bin, dann kann ich sogar besonders peinliche Themen ganz offen ansprechen. Wie zum Beispiel einen Partner oder eine Partnerin mit schlechtem Mundgeruch davon zu überzeugen, dass er oder sie noch viel sexyer wären, wenn sie vorher die Zähne bürsten.

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Zuletzt aktualisiert am 18.09.2017.

Wie streitet man richtig?

Wie streitet man richtig?

Wie streitet man richtig?
Hier der Radiomitschnitt.
 

Interview mit Dr. Michael Petery
in der Sendung Let´s talk about Sex bei Radio 89.0 RTL

Wie streitet man richtig?

Streit ist in der Partnerschaft etwas Gutes. Das ist die wichtigste Botschaft aus Sichtweise der Sexualtherapie gleich am Anfang. Eine Partnerschaft, in der immer alles nur harmonisch ist, gibt es nicht.

Wenn sich die Partner niemals streiten, dann haben die beiden mit großer Sicherheit Angst vor Streit und kehren gemeinsam alle Schwierigkeiten unter den Teppich. Das kann eine ganz Zeit lang gut gehen, tut der Partnerschaft aber mit Sicherheit nicht gut.

Wahrscheinlich ist es sogar so, dass der Partner, der sein Problem mit dem anderen gegenüber nicht aussprechen kann, eine Art innere Tiefkühltruhe anlegt, in der die gesammelten Probleme scheinbar endgültig eingefroren werden. Heftig wird es, wenn irgendwann nach Jahren kein Platz mehr in der Tiefkühltruhe ist und es doch zum ersten richtigen Streit kommt.

Dann passiert es oft, dass der geduldige Tiefkühltruhenhalter plötzlich die Mikrowelle anwirft und dem anderen Partner mit einem Schlag alle Probleme brühwarm serviert, die sich über Jahre aufgestaut haben. Und von einem solchen plötzlichen Riesenmenü an Problemen ist die Beziehung, in der bis dahin nie gestritten wurde, komplett überfordert.

Der richtige Zeitpunkt für einen Streit

Über aktuelle Probleme sollte zeitnah gestritten werden- und zwar so lange, bis beide Partner eine Lösung gefunden haben, die beide gleichermaßen überzeugt. Solange dieser Punkt nicht erreicht ist, sollte weitergestritten werden- und auf keinen Fall der Gang zur Tiefkühltruhe erfolgen, egal ob es die gemeinsame Tiefkühltruhe ist oder ob die Truhe nur einem von beiden gehört…

Wie streitet man richtig?
Gibt es Regeln oder no gos?

Gutes Streiten braucht tatsächlich Regeln. Hier mal gleich die drei wichtigsten:

1. Regel: Beleidigungen haben bei einem richtigen Streit nichts zu suchen. Wer den anderen beleidigt, verhindert, dass weitergestritten werden kann. Denn was kann man da noch erwidern, wenn der oder die andere einen für einen Blödmann erklärt hat…

2. Regel: Verallgemeinerte Vorwürfe bringen nichts. Ein Satz wie „Du machst ja nie was im Haushalt!“ ruft nur Widerstand hervor. Denn irgendwann hat ja sicher jeder der Partner mal etwas im Haushalt gemacht. Besser ist da schon: „ Du weißt, dass ich möchte, dass du für den Müll zuständig bist. Und gestern hast du den Müllsack nicht runtergetragen.“ Dann können die Partner darüber streiten, ob diese Müllregel einvernehmlich gilt oder nicht.

3. Regel: Erst dann selber weiterreden, wenn der andere weiß, dass man ihn verstanden hat. Das ist ganz wichtig: denn nichts macht einen Menschen, der bereits ärgerlich ist, noch ärgerlicher als das Gefühl, das man ihm nicht zuhört. Da hilft ein einfacher, simpler Trick: Bevor ich selbst meinen Standpunkt dem anderen darlege, fasse ich mit eigenen Worten kurz zusammen, was der andere gerade gesagt hat, und frage dann: „Habe ich richtig verstanden, dass du das so meinst?“ Und erst wenn der andere Ja sagt, dann kann ich mit meinen eigenen Argumenten anfangen und meinerseits davon ausgehen, dass der andere hörbereit ist.

Ist Versöhnungssex der richtige Weg?
Oder verdrängt man da was?

Grundsätzlich ist Sex eine tolle Sache, um Anspannungen abzubauen. Das gilt natürlich auch für Spannungen in der Partnerschaft.

Allerdings löst auch der beste Sex nicht automatisch sämtliche Probleme in der Partnerschaft. Wer es als bestes Mittel zur Streitlösung ansieht, den anderen ins Bett zu ziehen, um ihm zu zeigen, wie unglaublich gut der gemeinsame Sex ist, der schafft langfristig nur neue Probleme.

Denn ernstgenommen fühlt sich der Partner durch solchen Ablenkungssex langfristig bestimmt nicht. Die Probleme sind also, wie oben geschildert, nur in die Tiefkühltruhe gewandert. Und da liegen sie dann, scheinbar vergessen- und kommen irgendwann doch alle gemeinsam brühwarm auf den Tisch.

Wenn man allerdings richtig und ausgiebig gestritten hat und beide Partner übereinstimmen, dass es jetzt wieder gut ist und alle anstehenden Probleme für beide befriedigend besprochen sind- dann kann ein gemeinsamer Versöhnungssex richtig Spaß machen und sogar der Anfang für ein ganz neues Miteinander in der Beziehung sein.————

Buchtipp:

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Sex und Liebe-
gehört beides
notwendig zueinander?

„Sex und Liebe sind nicht dasselbe.“

(Virginia Johnson im Bewerbungsgespräch bei Dr. William Masters)

Sex und Liebe

Die Fernsehserie Masters of Sex
aus sexualtherapeutischer Sicht.
Staffel 1.1. Pilot

Masters of Sex. Staffel 1.1: Pilot

Sex und Liebe

 

1956: Der Gynäkologe Dr. William Masters (Michael Sheen), geehrt für seine Forschungen auf dem Gebiet Geburtshilfe, beginnt seine ersten Forschungen zum Thema Orgasmus an der Washington University in St. Louis/ Missouri. Bei einer Prostituierten im Wandschrank versteckt, misst er die Dauer der Erregungsphasen der Klienten mit einer Stoppuhr.

Privat leiden er und seine Frau Libby (Caitlin FitzGerald) unter Kinderlosigkeit- seine Frau beginnt jeden Beischlaf mit einem Gebet um Schwangerschaft. Obwohl Dr. Masters weiß, dass sein eigener Spermienmangel die Ursache ist, beginnt er, seine Frau im Krankenhaus zu behandeln.

Zur Vorbereitung einer neuen Studie zum Paarsex gewinnt er Virginia Johnson (Lizzy Caplan), früher Nachtclubsängerin, als Sekretärin. Diese erlkärt ihm im Vorstellungsgespräch, dass Sex und Liebe nicht dasselbe sind und dass Frauen Orgasmen vortäuschen, damit der Mann kommt und sie mit dem weitermachen können, was sie eigentlich wollen.

Virginia, die schon zweimal verheiratet war und 2 Kinder hat, freundet sich mit dem Assistenzarzt Dr. Ethan Haas (Nicolas d´Agosto) an, und zeigt ihm, was orale Befriedigung bei Mann und Frau bedeutet. Ethan verliebt sich und kann nicht verstehen, dass Virginia mit ihm zwar aus Spaß Sex gehabt hat, ihn aber dennoch nicht als neuen Lebenspartner wünscht. Bei einer Auseinandersetzung schlägt Ethan Virginia ins Gesicht und beschimpft sie als Hure.

Oberarzt Langham (Teddy Sears)stellt sich als Freiwilliger für die Paarstudie zur Verfügung, die unter Duldung von Universitätspräsident Scully beginnt. Dr. Masters schlägt seiner Assistentin vor, dass sie beide gemeinsam ebenfalls an der Paarsexstudie teilnehmen sollten.

Die sexualtherapeutische Sicht

Weit aufregender als die Messung der verkabelten Testpersonen erscheint in dieser Pilotfolge aus Sicht der Sexualtherapie die Lebensweise von Virginia Johnson, die sich ihre Liebhaber nach eigenem Bedürfnis zum Sex aussucht, ohne einen festen Lebenspartner zu wünschen.

Sex und Liebe sind für sie zwei getrennte Bereiche, die nicht notwendig zusammengehören- eine heftige Provokation im Amerika der prüden 50er Jahre.

Sex und Liebe- auch heute noch ein Thema

Dass es Sex auch ohne Liebe und Bindung gibt, ist offenkundig. Sex funktioniert auch ohne Zuneigung, was für den männlichen Part ganz offensichtlich ist- im Film am Beispiel der Prostituierten aufgezeigt, die reichlich Sex liefert, ansonsten von den Männern ziemlich rüde behandelt wird und selbst emotional völlig unbeteiligt bleibt.

Im Bewerbungsgespräch bei Dr. Masters vermutet Virginia Johnson, dass die Mehrheit der Frauen beim Sex kaum etwas empfinden würde- und schließlich den eigenen Orgasmus vortäuscht, um sich danach endlich wieder anderen Interessen widmen zu können. Sie selbst lebt hier ein völlig anderes Lebenskonzept, wenn sie sich als Frau männliche Sexpartner sucht, um den Spaß am Sex zu genießen- und diese Männer als Freunde ansieht, nicht aber als Partner in einer Liebesbeziehung.

Was als Konzept für die Männerwelt selbstverständlich ist (Sex ohne Liebe), wird zum Skandal, sobald eine Frau dasselbe auslebt. Es ist bezeichnend, dass der enttäuschte Liebhaber Ethan Virginia als Hure beschimpft, als sie seine Liebeserklärung nicht erwidert. Und das, wo sie als Frau doch das genaue Gegenteil einer Hure ist: sie lässt männlichen Sex nicht empfindungslos über sich hingehen, sondern sucht sich Männer aus, mit denen sie Spaß am Sex haben will.

Ethans Schimpfwort von der Hure ist also im Grunde eine Projektion: er selbst fühlt sich von Virginia wie eine Hure behandelt. Virginia wünscht den Sex mit ihm als gutaussehenden Mann- aber sie will ihn nicht wahrnehmen als den liebesbedürftigen Menschen, der er vor allem ist.

Sex und Liebe- das Kränkungspotential
unterschiedlicher Vorstellungen

Aus meiner eigenen paartherapeutischen Erfahrung kann ich bestätigen: Unterschiedliche Vorstellungen über die Zusammengehörigkeit oder Nichtzusammengehörigkeit von Sex und Liebe können zu tiefsten gegenseitigen Kränkungen führen.

Es kommt gar nicht so selten vor, dass Menschen zunächst von der Vorstellung ausgehen, sehr klar zwischen einer „reinen Sexbeziehung“ und „wirklicher Liebe“ trennen zu können. Was solchermaßen als „reine Sexbeziehung“ beginnt, kann aber schon bald für einen der Partner zur Liebesbeziehung werden- und wenn das einseitig ist, kommt es schon bald zu Problemen. Etwa dadurch, dass der liebende Part glaubt, besondere Rechte auf den anderen zu haben, z.B. die sexuelle Exklusivität oder den Vorrang gegenüber anderen Interessen des Partners. im schlimmsten Fall hilft sogar die offen ausgesprochene Trennung nicht- und der bzw. die Liebende belästigt als Stalker die oder den früheren Partner auf Jahre hin mit immer neuen Liebesbekundungen.

Problematisch ist also der Fall, wenn einer der Partner in einer „reinen Sexbeziehung“ plötzlich Gefühle entwickelt.

Und mindestens ebenso problematisch ist es, wenn ein Liebender (so wie im Film Dr. Ethan Haas) feststellen muss, dass der Partner eigentlich nur den Spaß am Sex haben wollte und mehr nicht. In diesem Fall begreift der Liebende -auch wenn nie etwas anderes vereinbart gewesen ist- den gemeinsamen Sex ohne anschließenden Beginn einer Beziehung als ungeheure Zurückweisung und tiefste persönliche Demütigung.

Sex als Risikofaktor für menschliches Leid

Sex ist eine der intensivsten Erfahrungen, die zwei Menschen gemeinsam erleben können. Menschen kommen sich bei intensivem Sex emotional so nahe wie nirgendwo sonst. Aus diesem Grunde geschieht es gar nicht so selten, dass auch in einer Beziehung, die zunächst als reines Sexabenteuer geplant war, Gefühle der Liebe entstehen. Wer guten Sex mit einem anderen Menschen hat- der will davon schon bald noch deutlich mehr haben und wünscht sich schließlich, diesen Menschen mit niemand anderem teilen zu müssen.

Aus dieser Logik heraus ist sexuelle Freizügigkeit aus therapeutischer Sicht höchst problematisch. Die Vereinbarung einer „offenen Beziehung“ (vgl. dazu auch diese Fallgeschichte), in der beide Partner dem jeweils anderen weitere Sexkontakte zugestehen, ist aus meiner therapeutischen Erfahrung regelmäßig zum Scheitern verurteilt. Entweder deswegen, weil sich einer der Partner tatsächlich beim Sex mit einer oder einer Dritten verliebt- oder weil einer der beiden Partner zumindest glaubt, das könnte so sein und dann aller vereinbarten Offenheit zum Trotz massiv unter seiner Eifersucht leidet.

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Klischees über Frauen-
Interview mit Dr. Michael Petery

Klischees über Frauen

Klischees über Frauen

Radiointerview Klischees über Frauen
Hier der Radiomitschnitt.
(wird nachgetragen)

Interview mit Dr. Michael Petery
in der Sendung Let´s talk about Sex bei Radio 89.0 RTL

Klischees über Frauen: die psychoogischen Hintergründe

Beispiele für Klischees über Frauen sind: Sie können zwischen Sex und Liebe nicht trennen, interpretieren überall etwas hinein…

Klischees über Frauen:
Wie entstehen solche Klischees?

Klischees über Frauen:
Nr.1: Frauen wollen nach dem Sex kuscheln, Männer nicht – warum?

Zuerst vorab als die Vorbemerkung: Alle Menschen sind unterschiedlich, Männer genauso wie Frauen.

Das heißt: Natürlich kann es auch Männer geben, die nach dem Sex kuscheln wollen und Frauen, die das nicht mögen. Und beides ist vollkommen normal.

Allerdings stimmt, dass bei Männern und Frauen die Erregungskurve beim Sex unterschiedlich verläuft- was auf den ersten Blick als Hindernis für gleichberechtigte Sexualität ercheint.. Bei Männern setzt nach dem Orgasmus schon nach wenigen Sekunden die sogenannte Refraktärphase ein, also die Phase des Rückgangs der sexuellen Erregung. In dieser Phase ist der Mann eine Zeit lang zu sexueller Erregung nicht fähig. Manchen Männern wird es dann sogar zu viel, weiter im Bett liegenzubleiben und mit der Partnerin zu kuscheln.

Frauen dagegen haben körperlich die Möglichkeit zu mehreren Orgasmen hintereinander. Sie können eine viel längere Zeit sexuell erregt bleiben. Es kommt bei mir bei Paartherapien immer wieder vor, dass Frauen enttäuscht davon berichten, dass ihre Männer sehr schnell mit dem Sex fertig sind, während sie eigentlich noch weitermachen könnten.

Mein Tipp ist, sich gemeinsam insgesamt viel mehr Zeit zu lassen- und als Mann ruhig einmal nachzufragen, ob die Frau nicht doch noch einen weiteren Orgasmus haben will. Das muss dann gar nicht unbedingt im Koitus sein- das kann dann auch durch Selbstbefriedigung der Frau passieren. Denn auch nebeneinander Sex zu haben ist eine Form des gemeinsamen Sex!

Klischees über Frauen:
Nr.2: Frauen können Sex und Liebe meist nicht trennen – warum?

Auch das ist eine sehr pauschale Zuschreibung. Natürlich gibt es Männer, für die Sex ohne Liebe nicht vorstellbar ist und es gibt Frauen, die beides trennen und hin und wieder einfach bloß Sex haben wollen.

Trotzdem gibt es Unterschiede zwischen Mann und Frau, die möglicherweise durch die Entwicklungsgeschichte des Menschen erklärbar sind. Amerikanische Forscher wie Irwin Silverman haben darauf hingewiesen, dass die unterschiedlichen Aufgabenbereiche in der Urhorde eine unterschiedliche Organisation des Gehirns bei Männern und bei Frauen begünstigt haben. Männer sind demnach mehr die „Jäger“, die auf schnelle Beute aus sind, Frauen eher „Sammlerinnen“, welche die Vorräte sorgfältig verwalten.

Demnach scheint die reine Lust am Sex ohne Liebe genetisch vor allem ein Interesse von Männern zu sein, die ihren Samen möglichst breit unter viele Frauen verteilen möchten.(Was modern auch heißen kann, sich virtuell mit zahlreichen Porno-Film-Frauen zu befriedigen.)

Bei Frauen ist Sex entwicklungsgeschichtlich dagegen immer auch mit Schwangerschaft und Kinderkriegen verbunden. So gesehen, ist es für Frauen wichtig, Sexualpartner zu finden, die nicht nur ihren Trieb abarbeiten wollen, sondern bereit sind, liebevoll für die Beziehung und auch den möglichen Nachwuchs einzustehen.

Heute haben sich Frauen durch moderne Verhütungsmittel aus dieser Zwangslage weitgehend befreit und können Sex auch pur und ohne Fortpflanzungsabsicht genießen. Trotzdem bleibt an dieser stammesgeschichtlichen Ausrichtung der Geschlechterrollen immer noch etwas dran.

In einer Partnerschaft ist es in jedem Fall eine etwas merkwürdige Idee, Sex und Liebe voneinander trennen zu wollen… Meiner Meinung nach gehört es zu einer funktionierenden Partnerschaft unbedingt hinzu, dass beide Partner nicht nur durch Sex, sondern auch durch Liebe miteinander verbunden sind und dass beide je nach ihren eigenen Bedürfnissen dazu auch noch sexuell die Befriedigung finden, die sie jeweils brauchen.

Trennung von Sex und Liebe wäre also eher ein Thema für One-Night-Stands als für die Partnerschaft.

Klischees über Frauen:
Nr.3: Warum interpretieren Frauen gern „in alles etwas rein“?

Das ist schon ein ziemlich heftiger Satz. Ich selbst kenne ihn vor allem von Männern in der Paartherapie, wenn sie ihrer Partnerin einfach nicht zuhören wollen.

Dann ist das die argumentative Superkeule: „Ihr Frauen interpretiert ja gern in alles etwas hinein.“ Und weil das nun einmal generell so ist, brauche ich als Mann mich auf keine weitere Diskussion mehr einzulassen.

Das Argument funktioniert natürlich auch mit umgekehrter Geschlechterverteilung. Auch die Frau kann zu ihrem Partner sagen: „Du interpretierst da in alles immer etwas rein.“

Und schon ist ein ernsthaftes Gespräch auf Augenhöhe nicht mehr möglich. Der oder die andere wird danach kaum noch Lust haben, Punkte in der Partnerschaft anzusprechen, die ihm gerade eben noch sehr wichtig waren.

Das Beispiel zeigt, wie gefährlich solche allgemeinen Zuschreibungen im Bereich der Psychologie sein können. Also: Vorsicht mit Sätzen an meinen Partner, die so ähnlich klingen wie: „Das ist doch bei allen Männern bzw. Frauen immer so!“

Viel besser, als das Gespräch mit einem solchen Dampfhammer abzubrechen, ist es, kurz innezuhalten und darüber nachzudenken, warum dem anderen das so wichtig ist, was er mir da sagen will. Und dann kann ich immer noch mit ihr oder ihm darüber weiterdiskutieren, ob der andere mit seinen Vermutungen recht hat oder nicht.

Und sollte ein solches Gespräch nicht möglich sein- dann wäre wohl definitiv der Zeitpunkt gekommen. um im Rahmen einer Paartherapie mit Schwerpunkt Sexualtherapie wieder an einem neuen Miteinander zu arbeiten.

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Klischees über Frauen

PS:
Vgl. auch das Interview Klischees über Männer

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Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

Gerne berate ich Sie bei allen Themen der Sexualtherapie:

  • sexuelle Probleme aller Art
  • Angst (Versagensangst, sexuelle Ängste…), Depression
  • Beziehungsprobleme, Partnerschaftsprobleme
  • Homosexualität und Coming-Out
  • BDSM und Fetisch
  • Erektionsprobleme: Erektionsstörung, vorzeitiger Samenerguss
  • Impotenz, Frigidität, Orgasmusprobleme
  • Partnersuche
  • Paartherapie, Eheberatung
  • und vieles mehr.

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