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HOCD Homosexual Obsessive Compulsive Disorder

HOCD – Homosexual Obsessive Compulsive Disorder

Homosexuelle Zwangsgedanken

HOCD Homosexual Obsessive Compulsive Disorder: In den USA ist HOCD längst als psychische Erkrankung bekannt, während sich die Sexualtherapie in Deutschland bislang nur wenig mit dem Thema beschäftigt hat. Beispielsweise hat das Center for Treatment of Anxiety and Mood Disorders in Florida zu dem Thema eine Reihe interessanter Informationen auf der eigenen Website zusammengestellt.

HOCD- Was bedeutet das?

HOCD Homosexual Obsessive Compulsive Disorder ist eine spezielle Form der Zwangsstörung. Es gelten die gleichen Diagnosekriterien wie für Zwangsstörungen allgemein (nach ICD-10):

  • Die Zwangsgedanken werden als eigene Gedanken erlebt.
  • Der/die Betroffene leistet gegen die Gedanken inneren Widerstand.
  • Der Zwangsgedanke wird als unangenehm empfunden und nicht als lustvoll.
  • Die Zwangssymptome wiederholen sich immer wieder und beschäftigen den/die Betroffene mindestens 2 Wochen lang an den meisten Tagen.

Das Besondere an HOCD Homosexual Obsessive Compulsive Disorder ist, dass der Inhalt der Zwangsgedanken sich auf die Frage konzentriert: Bin ich homosexuell oder nicht? Dazu kommen möglicherweise weitere zwanghafte Verhaltensweisen, z.B. Selbsttests mit Betrachten von Gay- bzw. lesbischer Pornografie, um zu prüfen, ob Menschen eigenen Geschlechts eine/n vielleicht sexuell erregen.

Im deutschen Sprachraum gibt es dazu bislang nur sehr wenig Veröffentlichungen- und kaum Therapeuten, die sich mit dem Störungsbild „Homosexuelle Zwangsgedanken“ geschäftigen. Eine Ursache dafür liegt sicherlich daran, dass sexualtherapeutische Fragestellungen in den meisten psychotherapeutischen Ausbildungen entweder gar nicht oder nur sehr am Rande vorkommen.

Der Unterschied zwischen Homosexualität
und homosexuellen Zwangsgedanken

Homosexuelle Zwangsgedanken sind etwas völlig anderes als Homosexualität. Homosexualität ist eine als lustvoll erlebte Form menschlicher Sexualität zwischen Menschen gleichen Geschlechts- homosexuelle Zwangsgedanken sind die psychische Störung eines einzelnen betroffenen Menschen, der an diesen Gedanken leidet.

Typisch für homosexuelle Zwangsgedanken sind folgende Symptome (die nicht notwendigerweise alle gleichzeitig vorliegen müssen):

  • Oft kennen Betroffene auch andere Formen der Zwangsstörung, z.B. die Sorge, an einer schweren Krankheit zu leiden, oder Angst davor zu haben, sich selbst oder anderen Menschen ohne es zu wollen etwas anzutun.
  • Unwillentliches, aber sehr intensives Nachdenken über die eigene sexuelle Identität
  • Ständiger Wunsch, sich selbst zu versichern, man sei sexuell „normal“
  • Angst davor, Menschen gleichen Geschlechts zu nahe zu kommen, aus dem Gefühl heraus, das könnte eigene Homosexualität fördern
  • Angst davor, andere könnten einen aufgrund bestimmter Anzeichen für schwul/lesbisch halten
  • Homosexuelle Fantasien beängstigen die Betroffenen und bereiten keine Lust
  • Die erotische Anziehung fehlt in Bezug auf das eigene Geschlecht
  • Selbstkorrektur von Verhaltensweisen, die aus eigener Sicht homosexuell wirken könnten: Z.B. steht ein Mann vom Stuhl auf uns setzt sich nochmal, aus Angst, das erste Hinsetzen hätte irgendwie feminin wirken können
  • Angst, die Begegnung mit einem homosexuellen Menschen könnte eigene Homosexualität wachrütteln


Typisch für tatsächliche Homosexualität sind folgende Anzeichen:

  • Homosexuelle Fantasien machen den Menschen, die sie haben, Spaß und werden als lustvoll erlebt (auch dann, wenn die eigene Homosexualität anderen gegenüber versteckt wird oder sich Betroffene wegen ihrer Homosexualität schämen)
  • Homosexuelle Menschen bevorzugen gleichgeschlechtliche Sexualpartner (eigentlich eine Binsenweisheit- aber das ist definitiv das Kriterium!)

Mehr dazu in der Fallgeschichte „Bin ich schwul oder nicht?“  

HOCD- Mögliche Ursachen

Homosexuelle Zwangsgedanken können die gleichen Ursachen haben wie andere Zwangsstörungen auch. Voraussetzung, an HOCD zu erkranken, ist eine gewisse Vulnerabilität (Anfälligkeit), die genetisch begründet sein kann oder auch durch eine andere psychische Erkrankung (z.B. Depression) ausgelöst wird.

Auffallend oft habe ich in meiner Praxis Patienten und Patientinnen erlebt, die kurz vor Ausbruch der homosexuellen Zwangsgedanken Drogen (insbesondere Cannabis) oder Alkohol (in gesundheitsgefährdender Weise) konsumiert haben.

Homosexuelle Zwangsgedanken scheinen häufig ein Ausdruck für andere psychische Probleme zu sein, die dahinter liegen und häufig dem bzw. der Betroffenen bewusst gar nicht klar sind.

Das kann etwa eine depressive Erkrankung sein, weger der sich der bzw. die Betroffene schlecht fühlt, die aber als solche nicht recht benennbar ist. Da ist es in gewisser Hinsicht leichter zu denken: „Ich fühle mich schlecht, weil ich unsicher bin, ob ich nicht homosexuell oder lesbisch sei könnte.“ Die fortwährende Beschäftigung mit dieser Frage verschlimmert zwar in der Regel das eigene Unwohlsein- aber immerhin gibt es jetzt einen scheinbaren Grund dafür: Es ist die Ungewissheit, möglicherweise homosexuell/lesbisch zu sein, die einen sich selber schlecht fühlen lässt.

Andere mögliche Gründe sind berufliche oder private Fehlschläge (z.B. das Verlassenwerden durch die eigene Freund/Freundin). Im letztgenannten Beispiel kann es für Betroffene zunächst eine (scheinbare) Erleichterung sein, sich in die Frage möglicher eigener Homosexualität hineinzuversenken, statt über die beendete Beziehung zu trauern und mögliche Ursachen zu ergründen.

HOCD- Traumatische Erfahrungen
als alternative Ursache

Ebenfalls häufig sind mir in meiner Praxis Menschen begegnet, die in ihrer Kindheit homosexuellen Übergriffen ausgesetzt waren. Dabei waren die „Täter“ in der Regel ältere Jugendliche, die vermutlich selbst Opfer sexueller Misshandlung gewesen sind und diese Übergriffe selbst an Jüngere weitergeben. Mögliche Übergriffe können sein: Zwang zum gemeinsamen Ansehen von Pornografie, Zwang zur Entblößung, Zwang zu sexuellen Handlungen.

Wenn solche Übergriffe in einer Zeit stattfinden, in der ein Kind noch keine Möglichkeit hat, Sexualität als solche zu begreifen und zu verstehen, kann es dazu kommen, dass sich im Gehirn keine klare Erinnerung an solche Vorfälle abspeichert (sogenanntes „cold memory“), sondern sich vielmehr ein ganzer Cocktail an Erinnerungsfetzen einprägt, die sich später gegenseitig triggern können (sogenanntes „hot memory“).

So kann es beispielweise eine „Erinnerungswolke“ geben, in der sich die folgenden Vorstellungen miteinander verbinden:

  • Ich tue etwas Verbotenes.
  • Ich tue etwas Aufregendes.
  • Das tut mir weh.
  • Das bereitet mir irgendwie Lust.
  • Ich habe es nicht gewollt.
  • Aber der andere hat gesagt: Du hast es doch auch gewollt.
  • Ich darf darüber nicht sprechen.
  • Irgendwie war der/die andere doch mein Freund/meine Freundin.
  • So richtig ist da gar nichts gewesen.

Später im Leben kann dann irgendein erinnertes Detail ein solches Erlebnis wieder wachrufen („triggern“) und die ganze emotionale Unsicherheit, die damals erlebt wurde, wieder in die Gegenwart ziehen, insbesondere die Frage:

Hab ich damals nicht doch das homosexuelle Erlebnis als angenehm empfunden? Habe ich es nicht schon damals irgendwie auch selber gewollt und genossen?

 

HOCD Homosexual Obsessive Compulsive
Disorder: Therapeutische Möglichkeiten

Für die Therapie von HOCD Homosexual Obsessive Compulsive Disorder scheint mir eine gründliche Diagnostik die entscheidende Voraussetzung, insbesondere die Abklärung, ob es sich tatsächlich um eine Form der Zwangsstörung handelt oder um eine Traumafolgestörung.

Ferner muss ausgeschlossen sein, dass nicht doch eine Form der Homosexualität vorliegt, die sich der Betroffene aus gesellschaftlichen Gründen (z.B. durch ein rigides ethisches Regelwerk) nicht eingestehen möchte.

Nach der Diagnosestellung bieten sich folgende Therapieverfahren an:

Verhaltenstherapeutische Sofortmaßnahmen

Unser Hirn schafft bevorzugte neuronale Verbindungen für Gedanken, die besonders häufig gedacht werden. D.h.: Wenn ich häufig über mögliche eigene Homosexualität nachdenke, schlägt mir mein Hirn laufend vor, über dieses Thema wieder und wieder nachzudenken- ähnlich wie der Computer mit seiner Liste zuletzt aufgerufener Dateien.

Solche gedanklichen Fixierungen werden erlernt- und können folglich auch wieder verlernt werden. Dabei hift es allerdings nicht, zu denken: Ich will jetzt keine homosexuellen Zwangsgedanken denken! Denn mit genau diesem Gedanken bin ich schon wieder mitten drin in der gedanklichen Verstrickung. Unser Gehirn kennt keine negativen Vorstellungen (etwas NICHT zu denken). Wenn ich Sie auffordere: „Stellen Sie sich KEINEN rosa Elefanten vor!“, dann können Sie nicht anders, als an einen rosa Elefanten zu denken.

Deshalb geht es bei verhaltenstherapeutischen Verfahren bei HOCD Homosexual Obsessive Compulsive Disorder darum, Techniken zu erlernen, das eigene Denken mit anderen Gedanken zu erfüllen, die weniger schädlich bzw. sogar förderlich für das Selbstbefinden sind.

Ursachenforschung

Homosexuelle Zwangsgedanken entstehen nicht einfach so, sondern haben eine psychische Ursache. Diese Ursache ist den meisten Betroffenen zu Therapiebeginn selber nicht recht klar. Oft dienen Zwangsgedanken dazu, Betroffene davon abzuhalten, andere, noch unangenehmere Themen anzugehen und aufzuarbeiten.

Eine genaue Analyse der Auslösefaktoren kann helfen, das Entstehen von HOCD Homosexual Obsessive Compulsive Disorder zu verstehen. Und dieses Wissen kann für Betroffene ein erster Schritt sein, sich um die Bearbeitung der auslösenden Umstände zu kümmern. Im Rahmen einer solchen Aufarbeitung entfällt dann nach und nach die Notwendigkeit, diese Zwangsgedanken denken zu müssen.

Therapeutische Methoden zur Ursachenforschung können biografische Gespräche sein, aber auch tiefenpsychologische und psychoanalytische Verfahren wie z.B. die Analyse von Träumen.

Traumatherapie bei Missbrauchserlebnissen

Bei sexuellen Missbrauchserlebnissen (und das muss keineswegs eine physische Vergewaltigung sein- es reicht jede ungewollte Konfrontation mit Sexualität durch Übergriffigkeit eines anderen Menschen!) kann es, wie schon oben beschrieben, zu einer Traumatisierung kommen.

Hirnphysiologisch ist damit gemeint, dass ein solches Erlebnis als „Gefühlswolke“ (hot memory) in der Amygdala gespeichert ist und jederzeit durch bestimmte Auslöser getriggert werden kann, so dass die Gegenwart komplett von dieser Gefühlswolke geprägt ist.

Therapeutisches Ziel ist es, die andere Form menschlicher Erinnerungsfähigkeit (das sogenannte cold memory im Hippocampus) anzuregen und daran zu arbeiten, das traumatische Erlebnis in die Zeitlinie der eigenen Biografie einzubinden. Je mehr diese bewusste Form der Erinnerung gestärkt wird, desto geringer wird die Gefahr, dass aktuelle Trigger die Gefühlswolke des traumatischen Erlebnisses wieder hervorholen.

Mehr zum Thema im Artikel: „Wenn sexuelle Phantasien zur Qual werden…“

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Wenn Sie dazu weitere Fragen haben, freue ich mich über Ihre Nachricht.

Persönliche Frasgen können Sie mir auch im Rahmen meiner Online-Seminare zur Sexualtherapie stellen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. hum. biol. Michael Petery

Bin ich homosexuell -
oder nicht?
Lesbisch-
Lust auf die beste Freundin
Entdeckung der Homosexualität als verheirateter Mann


Coming-Out: Sagen, dass ich homosexuell bin
Bin ich bisexuell? Freundin will Gegenbeweis

Homosexuelle Zwangsgedanken- wie werde ich sie los?
HOCD- Homosexuelle Zwangsgedanken
HOCD Homosexual Obsessive Compulsive Disorder

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Zwangsstörung und Zwangsgedanken

Sexuelle Zwangsgedanken – wie wird man sie los?

Sexuelle Zwangsgedanken-

Wenn Fantasien zur Qual werden

Menschen denken häufig an Sex: nach einer Studie der Ohio State University aus dem Jahr 2011 denken Männer tagsüber durchschnittlich etwa alle 30 min einmal an Sex, Frauen ungefähr alle 60 min (was übrigens ungefähr der Häufigkeit entspricht, mit der wir an Essen und Trinken denken).

Sexuelle Zwangsgedanken
erkennen und richtig einordnen

Die meisten Menschen empfinden sexuelle Gedanken als angenehm. Und aus Sicht der Sexualtherapie ist ein solches regelmäßiges Denken an Sex bzw. Essen sogar ein Zeichen psychischer Gesundheit und Selbst-Achtsamkeit. Gesund ist ein Mensch, der auf seine Bedürfnisse achtet- fehlende Selbst-Achtsamkeit macht krank.

Wo liegt also die Grenze zwischen gesunden Gedanken an Sex und sexuellen Zwangsgedanken? Die Häufigkeit, mit der ein Mensch an Sex denkt, ist für sich allein KEIN Kriterium dafür, dass sexuelle Zwangsgedanken vorliegen.

Was genau sind eigentlich
sexuelle Zwangsgedanken?

Nach der ICD-10, dem Krankheitenkatalog der Weltgesundheitsorganisation, müssen folgende Bedingungen vorliegen, damit es sich bei solchen Gedanken tatsächlich um ZWANGS-Gedanken handelt:

  • Die Gedanken werden als zur eigenen Person gehörig erlebt.
  • Die Gedanken sind nicht angenehm.
  • Die Gedanken wiederholen sich fortwährend und dauern zeitlich mindestens 2 Wochen an (bis hin zu Jahren).
  • Versuche, dieses Denkkarussell zu durchbrechen, sind meist erfolglos.

Zwangsstörungen sind für die Betroffenen eine große Belastung. Ca. 2-3 Prozent der Bevölkerung sind in ihrem Leben von Zwangsstörungen betroffen.

Die Erkrankung beginnt oft schon in der Pubertät. Verschlimmerungen können schubweise durch besondere Lebensumstände ausgelöst werden, z.B. Schwangerschaft, Arbeitslosigkeit.

Die Ursache der Erkrankung liegt nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen meist sowohl an einer Störung des Hirnstoffwechsels (also einer rein körperliche Ursache, die mit Medikamenten behandelt werden kann) als auch in eingeübten Gedankenmustern, die eine psychotherapeutische Behandlung erfordern. Die Lebensqualität kann bei manchen Menschen so sehr darunter leiden, dass Suizidrisiko besteht.

Deshalb ist eine Zwangsstörung als Krankheit immer sehr ernst zu nehmen. Eine ärztliche oder therapeutische Behandlung ist unbedingt angebracht.

Was sind keine sexuelle Zwangsgedanken?

Keine sexuellen Zwangsgedanken sind gemäß obiger Definition der Weltgesundheitsorganisation:

  • Angenehme erotische Fantasien
    Auch wer sehr oft an Sex denkt, hat deswegen noch lange keine sexuellen Zwangsgedanken. Denn Häufigkeit allein ist kein Kriterium für Zwangsgedanken. Damit ein sexueller Gedanken ein Zwangsgedanke ist, muss hinzukommen, dass dieser Gedanke als unangenehm erlebt wird. Im Extremfall sind demnach sogar sexuelle Gewaltfantasien dann keine Zwangsgedanken, wenn sie dem Denkenden Lust bereiten und ihn nicht selber bedrücken.
  • Vorübergehende unangenehme sexuelle Gedanken
    Unangenehme sexuelle Gedanken können aus eigenen Erlebnissen, aber auch aus einem Film oder einem Buch herrühren und einen durchaus einige Tage lang beschäftigen. Solange sich solche Gedanken aber nicht festsetzen und nicht mehr als zwei Wochen lang das Denken beschäftigen, handelt es sich nicht um Zwangsgedanken.
  • Leicht beängstigende sexuelle Fantasien, die Lust bereiten
    Auch leicht beängstigende sexuelle Fantasien (wie z.B. Fantasien von Gewalt, Fetisch oder Homosexualität) sind keine sexuellen Zwangsgedanken, wenn sie letztlich dazu dienen, die sexuelle Lust zu erhöhen. Ein Zwangsgedanke liegt nur dann vor, wenn der Gedanke in keiner Weise als angenehm empfunden wird (und auch nicht zur erotischen Selbststimulation dient).
  • Häufiger Pornokonsum
    Auch mehrmals täglicher Pornokonsum oder der Wunsch nach solchem hat mit dem Thema sexuelle Zwangsgedanken nichts zu tun, solange das betroffene Individuum darunter nicht leidet. Zu prüfen wäre nur, ob es sich um Pornosucht handeln könnte- was aber etwas anderes ist als Zwangsgedanken.

Beispiele für sexuelle Zwangsgedanken

Der Inhalt sexueller Zwangsgedanken kann individuell sehr unterschiedliche sein. In diesem Blog habe ich einige typische Fallbeispiele gesammelt:

1. Homosexuelle Zwangsgedanken (vgl. Fallbeispiel)
Homosexuelle Zwangsgedanken liegen vor, wenn ein heterosexuell veranlagter Mensch regelmäßig und zwanghaft von dem Gedanken gequält wird, ob er denn möglicherweise homosexuell sein könnte.

Kennzeichen dafür, dass es sich tatsächlich um Zwangsgedanken handelt, ist, dass diese Gedanken als unangenehm und unangebracht empfunden werden und keinerlei sexuelle Lust bereiten. Zu solchen homosexuellen Zwangsgedanken kann auch die Zwangshandlung hinzukommen, sich regelmäßig als „Selbsttest“ Schwulenpornos anzusehen- obleich das Ansehen keinerlei Lust erzeugt und möglicherweise sogar Ekelgefühle hervorruft.

Aber Vorsicht vor einem zu schnellen Urteil:
Wenn das Ansehen der Schwulenpornos zwar keine Lust erzeugt, aber auch nicht als unangenehm empfunden wird, ist es auch möglich, dass der Betroffene schlicht nur unsicher in seiner eigenen sexuellen Rollenfestlegung ist. Die ausbleibende Erregung bei Schwulenpornos hätte dann die Ursache in der Angst, sich selbst die eigene Homosxualität oder Bisexualität einzugestehen.

Umgekehrt kann es aber auch bei Menschen mit sexuellen Zwangsgedanken durchaus zu leichten körperlichen Erregungsvorgängen kommen. (Allein, dass ich an ein sexuelles Thema denke, kann mich erregen, obwohl ich für genau dieses Thema gar keine sexuelle Präferenz habe.) Durch die englischsprachige Fachliteratur hat sich inzwischen auch im Deutschen der Begriff „groinal response“ hierfür eingebürgert.

2. Ständige Eifersucht (vgl. Fallbeispiel)

Ständige Eifersucht wegen möglicher sexueller Fehltritte des Partners (ohne dass dafür irgendwelche tatsächliche Anhaltspunkte vorliegen), ist eine häufige Form sexueller Zwangsgedanken. Das kann soweit gehen, dass zwanghaft immer wieder ganze Szenarien über die fantasierte Untreue des Partners bzw. der Partnerin durchgedacht werden müssen.

Hier handelt es sich eindeutig um sexuelle Zwangsgedanken, wenn
1. diese Gedanken tatsächlich nur unangenehm sind (und nicht eine doch irgendwie verquere, aber lustbringende Fantasie)
2. das Wissen da ist, dass diese Vorstellungen keinen Anlass in der Wirklichkeit haben (ansonsten wäre das eine Wahnvorstellung).

Was könnten unangenehme wiederkehrende
sexuelle Gedanken noch sein?

  • Angstbesetzte sexuelle Gedanken
    Viele sexuell erregende Fantasien sind angstbesetzt: dazu gehören insbesondere sexuelle Gewaltfantasien (z.B. eigenes Vergewaltigtwerden), aber auch homoerotische Fantasien bei Menschen, die sich selbst eigentlich als heterosexuell sehen wollen. Diese Fantasien sind durchaus angstbesetzt, haben aber letztlich einen eigentümlichen sexuellen Reiz.

     

    In solchen Fällen lohnt sich eine therapeutische Abklärung, inwieweit sich diese Fantasien auch ohne Angst als Quelle sexueller Lust oder zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit positiv nutzen lassen. Speziell bei schweren aktiven sexuellen Gewaltfantasien ist eine therapeutische Abklärung nötig, inwieweit hier die Gefahr besteht, dass der Betroffene zum tatsächlichen Täter wird und seine Fantasien irgendwann auch in der Realität ausleben muss.

  • Flashbacks und Intrusionen
    Unangenehme sexuelle Gedanken können Erinnerungssplitter von sexuellem Missbrauch und sexueller Misshandlung in der Kindheit oder nach einer Vergewaltigung sein. Oft entwickeln Opfer erst lange nach dem traumatisierenden Ereignis Symptome, die körperlicher Natur sein können (Zittern, Schweißausbruch etc.), aber auch als belastende Gedanken auftreten können: Erinnerungsfragmente, Alpträume, bedrohliche Fantasien…

     

    In solchen Fällen ist unbedingt der Weg zu einem kompetenten Therapueten erforderlich, der abklärt, ob eine PTBS (posttraumatische Belastungsstörung) nach Missbrauch vorliegt. Vgl. dazu den ausführlichen Beitrag: Missbrauch und Trauma.

  • Nebensymptom einer Depression
    Grübelzwang und negative Gedanken sind oft Anzeichen für das vorliegen einer depressiven Erkrankung. Da eine spontane Heilung ohne ärztliche und/oder therapuetische Hilfe bei Depressionen eher unwahrscheinlich ist, lohnt sich bei sexuellen Zwangsgedanken auf jeden Fall der Weg zum Arzt oder Therapeuten- allein um das Risiko des Vorliegens einer unerkannten Depression auszuschließen bzw. bei einer Depressions-Diagnose die entsprechenden therapeutischen Möglichkeiten zu nutzen und sicherzustellen, dass sich die Symptome nicht immer weiter verschlechtern.

Sexuelle Zwangsgedanken:
Möglichkeiten der Therapie

Zwangsgedanken müssen nicht sein! Und schon gar nicht im Bereich der Sexualität, die so konstituierend für unser gesamtes menschliches Wohlbefinden ist.

Zwangsgedanken sind zwar für die Betroffenen kaum alleine und ohne Hilfe auflösbar- es gibt aber mittlerweile eine ganze reihe gut erforschter therapeutischer Verfahren (überwiegend aus dem Bereich der Verhaltenstherapie), mit denen sich Zwangsgedanken schon in relativ weniger Sitzungen gut in den Griff bekommen lassen.

Das gilt auch für Zwangsgedanken auf sexuellem Gebiet. Es ist daher sinnvoll, sich nicht unnötig lange mit solchen Gedanken herumzuquälen, sondern sich kompetente therapeutische Hilfe zu holen.

Vgl. auch den Artikel:

HOCD (Homosexuelle Zwangsgedanken)

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Wenn Sie dazu weitere Fragen haben, freue ich mich über Ihre Nachricht.

Mit freundlichen Grüßen

© M.Petery.
Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

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Sexuelle Probleme und psychische Störungen

Sexuelle Probleme und psychische Störungen

Der Sex und die Psyche: Sexuelle Probleme und psychische Störungen

Viele sexuelle Probleme sind Folge von psychischen Erkrankungen. Sexualität ist ein zentrales Element im Wesen des Menschen- von daher ist nicht besonders erstaunlich, dass sich psychische Störungen und Erkrankungen oft zuerst als ein sexuelles Problem bemerkbar machen.

Nicht jedes sexuelle Problem
ist Folge einer psychischen Erkrankung

Das soll natürlich nicht heißen, dass jedes sexuelle Problem automatisch Folge einer psychischen Störung ist. Genauso häufig gibt es auch andere Ursachen wie zum Beispiel die Erziehung in der Herkunftsfamilie. Hier können Probleme entstehen, wenn die eigene Sexualität und das von sich selbst erwartete Rollenbild nicht zusammenpassen: so kommen immer wieder Männer zu mir in die Praxis, die Homosexualität irgendwo verwerflich oder schmutzig finden- und das, obwohl sie selber homosexuell sind.

Auch sexuelle Probleme in einer Partnerschaft liegen in der Regel nicht an psychischen Störungen von einem oder beiden Partnern, sondern daran, das in den wechselseitigen Erwartungen und Bedürfnissen unterschiedliche Vorstellungen vorliegen, die den beiden Partnern oft nicht bewusst sind und erst im Verlauf einer Paartherapie deutlich werden.

Sexuelle Probleme und psychische Störungen: die häufigsten Krankheitsbilder

Es ist also Vorsicht geboten, bei vorliegenden sexuellen Problemen sofort auf eine psychische Erkrankung zu schließen. Umgekehrt macht die Sache mehr Sinn: Viele psychische Erkrankungen haben Folgen, die sich auch auf sexuellem Gebiet auswirken.

Depression

Die Hauptanzeichen einer depressiven Erkrankung sind Antriebslosigkeit, Interesseverlust und depressive Symptomatik. Zu den häufigen Nebensymptomen zählt bei Männern und Frauen aber auch die Abschwächung oder der völlige Verlust der Libido.

Das kann sich bei Männern Potenzschwäche oder Erektionsstörung bemerkbar machen, bei Frauen als Vaginismus (Scheidentrockenheit) oder Unfähigkeit zum Orgasmus (Frigidität). Eine Depression kann aber auch dazu führen, wahllos Sex zu haben, ohne ihn überhaupt gewollt zu haben.

Suchtkrankheiten:
Drogen, Nikotin und Alkohol

Eine Suchterkrankung hat erhebliche Folgen für die eigene Sexualität und kann sexuelle Probleme und psychische Störungen verursachen. Viele Drogen führen zu einer Steigerung des Sexualtriebs und einer gestörten Impulskontrolle.

Unter Drogeneinfluss kommt es häufiger zu ungeschütztem und daher auch gesundheitlich gefährlichem Sex oder zu Wahllosigkeit in Bezug auf die Sexualpartner/innen.

Diese Wahllosigkeit kann sich bei Männern so weit entwickeln, dass sich die sexuelle Leidenschaft gleichermaßen auf beide Geschlechter richtet- und das, obwohl die Betroffenen ohne Drogeneinwirkung eindeutig heterosexuell veranlagt sind.

Ebenfalls nach Cannabis-Konsum treten nach meinen eigenen Erfahrungen mit Patienten vor allem bei jüngeren Männern häufiger homosexuelle Zwangsgedanken auf, bei denen sich die Betroffenen permanent hinterfragen, ob sie nicht homosexuell sein könnten. Diese Zwangsgedanken werden als extrem unangenehm erlebt (ganz im Gegensatz zu homosexuellen Tagträumen bei Männern, die tatsächlich homosexuell veranlagt sind).

Typische Folgen von jahrelanger Nikotin-Sucht sind neben dem allgemein bekannten gesteigerten Risiko für Krebserkrankungen vor allem der Verlust der Libido mit der Folge von Erektionsschwierigkeiten und Impotenz bei Männern bzw. Verlust der Orgasmusfähigkeit bei Frauen (Frigidität).

Eine Alkoholkrankheit kann je nach Krankheitsstadium sowohl zu einer Steigerung des sexuellen Verlangens führen (das oft bei gleichzeitiger Unfähigkeit zu Erektion oder Orgasmus) oder, vor allem in fortgeschrittenem Stadium, zum teilweisen oder völligen Verlust der Libido. Im Rahmen einer Partnerschaft führt die Alkoholkrankheit zu unbegründeten Gewaltausbrüchen gegenüber dem Partner, die häufig zu Trennung und sozialer Isolation führen. Weitere Infos unter Kenn Dein Limit.

Sexuelle Probleme und psychische Störungen
bei Trauma und Missbrauch

Traumatische Erfahrungen auf sexuellem Gebiet (Erlebnisse von Missbrauch und/oder Vergewaltigung in Kindheit und/oder Erwachsenenalter) können zu psychischen Erkrankungen führen. Eine häufige Folge ist eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), deren Symptome oft erst Jahre nach dem traumatischen Erlebnis deutlich werden. Typisches Kennzeichen sind Erinnerungslücken in Bezug auf das Trauma bei gleichzeitiger ständiger Präsenz des Erlebnisses. Diese Spannung kann zu dissoziativen Zuständen führen, also dem Auseinanderfallen von Elementen der Wahrnehmung, des Bewusstseins, des Gedächtnisses, der Identität und der Motorik.

Auf sexuellem Gebiet kann ein Trauma zu Vermeidungsverhalten führen (Vermeidung von Situationen, die zu Sex führen könnten, bis hin zu vollständiger sozialer Isolation) oder zu vollständigem Verlust von Libido und Orgasmusfähigkeit.

Zwangsstörungen:
Zwangsgedanken und Zwangshandlungen

Zwangsgedanken kommen auf sexuellem Gebiet sehr häufig vor.

Das können katastrophisierende Gedanken sein wie zum Beispiel, dass der geliebte Partner bzw. die geliebte Partnerin einen schon bald verlassen wird- ohne dass es dafür in der Wirklichkeit irgendwelche tatsächlichen Hinweise gibt. Das kann auch umgekehrt die quälende Angst sein, man selber könnte plötzlich nichts mehr für seine/n Partner/in empfinden- und das, obwohl im Augenblick in der Partnerschaft alles in Ordnung ist.

Möglich sind auch andere quälende Gedanken, wie etwa die ständige bildhafte Vorstellung, wie der Sex des eigenen Partners bzw. der eigenen Partnerin mit vorherigen Exfreundinnen bzw. Exfreunden ausgesehen haben könnte.

Bei (heterosexuellen) Männern findet sich außerdem sehr häufig der Zwangsgedanke, „eigentlich“ homosexuell und damit unfähig zur Partnerschaft mit einer Frau zu sein.

Ein Beispiel für eine sexuelle Zwangshandlung wäre der permanente Drang, sich pornografische Videos ansehen zu müssen, auch wenn keine sexuelle Erregung besteht und dieser Drang als unangenehm empfunden wird..

Angststörungen

Auch Angst ist ein häufiges Thema in der Sexualtherapie. Zu beachten ist, dass Menschen mit Angststörungen selbst häufig die Angst gar nicht als das Hauptsymptom erkennen und vor allem körperliche Symptome erleben wie z.B. Schwindelgefühle, Herzrasen, Magenschmerzen etc.

Eine Angststörung bzw. phobische Störung liegt immer dann vor, wenn

  • die Angst der Situation nicht angemessen ist
  • die Angst länger deutlich anhält als die angsterregende Situation andauert
  • die besondere Form der Angst nicht erklärbar und beeinflussbar ist
  • die Angst zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität führt
  • die Angst zu Einschränkungen im Kontakt mit anderen Menschen führt.

Auf sexuellem Gebiet gibt es vor allem die Versagensangst, die im Extremfall dazu führt, dass Betroffene sexuelle Begegnungen grundsätzlich vermeiden. Dazu kommen spezielle Formen der Angst wie etwa Gymnophobie, also die Angst, selber nackt zu sein oder andere Menschen nackt zu erleben.

Sexuelle Probleme und psychische Störungen
bei einer Borderline-Störung

Hauptmerkmal der Borderline-Störung ist eine kaum auszuhaltende innere Anspannung, die sich häufig in selbstschädigendem Verhalten Erleichterung verschafft.

Das können Selbstverletzungen sein (z.B. durch Ritzen), aber auch Hochrisikoverhalten wie Gebrauch von Suchtmitteln, riskantes Autofahren oder eine wenig kontrollierte Sexualität mit wechselnden Partner/innen. (Wobei in letzterem Fall dieses Verhalten gerade bei jungen Frauen auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, sexuell ausgenutzt zu werden.)

Das ist insofern besonders problematisch, da Menschen mit einer Borderline-Störung oft bereits in der Kindheit sexuellen Übergriffen ausgesetzt waren, und sich somit traumatische Erfahrungen der Vergangenheit immer weiter fortsetzen. Vgl. dazu auch das Fallbeispiel Sexuelle Gewaltfantasien bei Frauen.

Menschen mit Borderline-Störung haben häufig eine große Sehnsucht nach einer engen und dauerhaften Beziehung. Da sie in ihrer Kindheit oft nicht erfahren konnten, was die Geborgenheit in einer Familie bedeutet (inkl. aller Aufs und Abs, die im Alltag dazugehören), haben Menschen mit Borderline-Störung oft unrealistische Erwartungen an eine Beziehung. Das zeigt sich in vielen Fällen durch
die Neigung, andere Menschen entweder stark zu idealisieren oder abzuwerten.

Das kann in einer Beziehung dazu führen, dass die Vorzüge des Partners bzw. der Partnerin zunächst völlig überhöht positiv gesehen werden mit der Folge einer um so tieferen Enttäuschung, wenn der Partner bzw. die Partnerin diese hohen Erwartungen später nicht auf Dauer erfüllen kann.

Von daher erklärt sich, dass Beziehungen, auch wenn sie mit großen Erwartungen begonnen wurden, oft nicht sehr lange anhalten- es sei denn, der Partner bzw. die Partnerin bringen sehr viel Verständnis für die Erkrankung auf und schaffen es, die Partnerschaft auf einem mittleren Level zischen Idealisierung und Entwertung zu stabilisieren.

Neben einer speziellen Therapie mit dem Ziel des Spannungsabbaus (und ggf. auch der Traumaverarbeitung) für den Borderline-Patienten bzw. die Borderline Patientin, kann also auch eine paartherapeutische Begleitung sinnvoll sein.

Sexuelle Probleme und psychische Störungen
bei Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen sind gemäß der ICD-10, dem Krankheitenkatalog der Weltgesundheitsorganisation, „tief verwurzelte, anhaltende Verhaltensmuster, die sich in starren Reaktionen auf unterschiedliche persönliche und soziale Lebenslagen zeigen.“

In der Regel verspüren Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung selbst nur geringen Leidensdruck- ihre Umwelt oder ihre Partnerinnen oder Partner dafür umso mehr. Rein statisch ist jede fünfte Partnerschaft betroffen.

Vgl. dazu den ausführlichen Beitrag über Perönlichkeitsstörungen in der Partnerschaft.

Weitere Störungsbilder

Hierzu gehören z.B. Störungen im Bereich des Autismusspektrums.
Auch wenn Autisten Schwierigkeiten haben, Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen, haben sie trotzdem sexuelle Bedürfnisse, die in der Regel durch Masturbation befriedigt werden.

Hier kommt es auf eine behutsame Sexualerziehung an, welche den Betroffenen nichts aufdrängt (und keinesfalls sexuell ausbeutet!), gleichzeitig aber auch vor Situationen schützt, die ihnen schaden (Masturbation in der Öffentlichkeit, Verletzungen durch Einsatz ungeeigneter Gegenstände bei der Masturbation).
Vgl. dazu den Aufsatz zu Sexualität und Autismus von Karin Dreisigacker.

Beim Asperger-Syndrom verspüren Betroffene oft den lebhaften Wunsch nach Partnerschaft und Sexualität. Eine große Schwierigkeit bereitet allerdings das Kennenlernen eines geeigneten Partners bzw. einer geeigneten Partnerin, die Verständnis für die Eigenheiten von Menschen mit Asperger-Syndrom hat (Spezialinteressen, Reizüberforderung bei sozialen Anlässen etc.). Um diese Schwierigkeit zu überwinden, kann eine einfühlsame Therapie sehr hilfreich sein, die darauf abzieht, soziale Skills einzuüben und zu trainieren.

ADHS im Erwachsenenalter kann sich im Bereich Sexualität auf sehr unterschiedliche Art und Weise auswirken. Während Frauen mit ADHS oft erst relativ spät mit Ende 20 ihre Freude an der Sexualität entdecken, haben junge Männer mit ADHS oft ein stark gesteigertes sexuelles Interesse („Hypersexualität„).

Beiden Geschlechtern gemeinsam ist bei ADHS oft eine überdurchschnittliche Experimentierfreude beim Sex und eine große Akzeptanz auch von Partnern, die nicht dem gängigen Idealbild entsprechen. Impulsivität und rasche Stimmungsumschwünge können in der Partnerschaft Beziehungsprobleme bereiten. In solchen Fällen kann eine Paartherapie dazu beitragen, das gegenseitige Verständnis für die jeweiligen Eigenheiten des anderen Partners zu fördern.

Sexuelle Probleme und psychische Störungen: eine Aufgabe für den Spezialisten

Ob eine psychische Erkrankung (Mit-)Ursache für sexuelle Probleme ist oder nicht, ist oft auch für den Spezialisten nicht auf den ersten Blick erkennbar. Deswegen sind spezielle Untersuchungen nötig, um genaue Klarheit zu gewinnen und auf dieser Grundlage das geeignete Therapieverfahren zu wählen (z.B. Verhaltenstherapie oder Gesprächstherapie).

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© M.Petery
Wenn Sie möchten, können Sie sich mit weiteren Fragen gern an mich wenden.

Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

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Zu schüchtern für eine Beziehung?

Zu schüchtern zum Küssen- lässt sie mich deswegen fallen? 

Ich bin 22 Jahre und hatte noch nie eine Freundin. Mein Problem ist, dass ich generell Schwierigkeiten habe, mich auf andere Leute einzulassen.

Schon in der Schule bin ich von meinen Klassenkameraden gemobbt worden und war ein ziemlicher Einzelgänger- allerdings, ohne es sein zu wollen. Selbst wenn mir dann mal jemand etwas Nettes gesagt hat, wusste ich nie, ob das echt gemeint war oder nur als Verarschung.

Immer hatte ich das Gefühl, dass die anderen über mich tuscheln und blöde Bemerkungen machen. Die paar Versuche, die ich gemacht habe, um mit einem Mädchen ins Gespräch zu kommen, endeten immer mit einer Zurückweisung. Allmählich glaube ich, dass mich niemand mag, und wenn ich überhaupt etwas Nettes höre, dann nur aus Mitleid.

Mittlerweile studiere ich, aber auch an der Uni hat sich erstmal nicht viel geändert. Im Hörsaal bin ich immer allein dagesessen, auch in den Seminaren hat sich kein richtiger Kontakt entwickelt.

Zu schüchtern-
Ein Mädchen als neues Problem

Was aber komisch ist, dass ich vor zwei Monaten an der Uni jetzt doch ein Mädchen kennengelernt habe. Sie ist sogar ausgesprochen hübsch und sehr nett. Wir lernen jeden Nachmittag miteinander, sind auch schon gemeinsam Essen gegangen und waren im Kino.

Neulich hat sie mir zum Abschied sogar einen Kuss auf die Wange gegeben und gemeint, sie fände es nett, wen ich sie das nächste Mal auch mit einem Kuss begrüßen würde. Ich war da ziemlich perplex und bin auch etwas zurückgeschreckt. Auf jeden Fall habe ich es nicht geschafft, sie beim nächsten Mal zu küssen, sondern habe sie nur einfach mit Hallo begrüßt- und sie hat das auch auf sich beruhe lassen.

Dafür waren wir jetzt an einem Nachmittag gemeinsam zu Besuch bei Ihren Eltern, wo sie mich als ihren Freund vorgestellt hat. Die Eltern waren übrigens sehr nett zu mir. Am Tag darauf haben wir uns wieder getroffen zu einem Wanderausflug, und sie hat mir gesagt, dass sie es total schön mit mir findet und dass ich sehr nett bin. Aus mir kam dann nichts mehr heraus außer ein Danke, und dass es mir mit ihr zusammen auch sehr gut gefällt. Und das stimmt zu 100%. Ich mag sie wirklich sehr gern.

Und trotzdem:
Ich weiß jetzt irgendwie gar nicht mehr, wie das weitergehen soll. Ich kann einfach auf Ihre Annäherungsversuche nicht richtig reagieren. Irgendwie habe ich auch schon wieder das Gefühl, dass sie das alles nur aus Mitleid macht, eine Zeit lang, und mich dann fallen lässt.

Patrick F. (Name geändert)

Wie reagiere ich auf einen Kuss?

Hallo Patrick,

In Ihrer Schulzeit waren Sie in Ihrer Klasse ein Außenseiter und haben keine Freundin gefunden. So ging das auch an der Uni weiter, bis jetzt ein hübsches Mädchen auf Sie zugegangen ist, Sie auf die Wange geküsst hat und offensichtlich noch mehr von Ihnen will. Sie wissen nicht, wie Sie reagieren sollen und haben Angst, sie täte das alles nur aus Mitleid und Sie könnten sie schon bald wieder verlieren.

Zu schüchtern-
Katastophisierende Gedanken

Das Problem besteht offenbar vor allem in Ihrem Kopf. Egal, wie es Ihnen früher in Ihrer Schulzeit ergangen ist: Jetzt haben Sie ein Mädchen, mit dem Sie täglich zusammen sind, schöne Ausflüge unternehmen können und das von Ihnen einen Kuss bekommen möchte.

Ihre Schüchternheit ist dabei gar nicht so sehr das Problem: Denn ganz offensichtlich mag Ihre Freundin Sie genau so, wie Sie sind. Und dass Sie eher schüchtern sind, hat sie schon längst mitbekommen. Im Prinzip sind Sie also am Ziel Ihrer Wünsche, ohne dass Ihnen Ihre Schüchternheit dabei geschadet hätte.

Das eigentliche Problem, das Sie jetzt quält, sind Ihre eigenen Gedanken, die Sie daran hindern, Ihr Glück zu genießen und die Beziehung zu Ihrer Freundin weiter zu vertiefen.

Aus psychologischer Sicht sind das katastrophisierende Gedanken: Statt sich vorzustellen, dass Sie jetzt am Beginn einer wunderbaren Freundschaft stehen, dreht sich das Gedankenkarussell und Sie stellen sich vor, dass das Mädchen sich nur aus Mitleid Ihnen zugewandt hat und sie bald schon wieder fallen lässt.

Wenn diese negativen Gedanken jetzt schon länger als 14 Tage anhalten, dann leiden Sie aus therapeutischer Sicht an einer Zwangsstörung, die sich in Zwangsgedanken äußert.

Zu schüchtern-
Anzeichen einer Depression?

Um hier wieder herauszukommen, ist es mit Sicherheit sinnvoll, sich an einen Therapeuten zu wenden. Im therapeutischen Gespräch wäre zusätzlich zu prüfen, ob Sie außer an Zwangsgedanken möglicherweise auch an einer Depression erkrankt sind, die dazu geführt hat, dass Sie Ihren eigenen Selbstwert sehr niedig ansetzen.

Zwangsgedanken treten häufig in Verbindung mit einer Depression auf. Bei einer Depression handelt es sich nicht einfach nur um eine psychische Verstimmung, sondern um eine Störung biochemischer Prozesse im Gehirn, die unbedingt durch einen Spezialisten behandelt werden muss.

Gerade, weil Sie jetzt eine Frau kennengelernt haben, mit der eine wunderbare Zeit der Gemeinsamkeit beginnen könnte, ist es wichtig, dass Sie jetzt Ihre Probleme aktiv angehen und gemeinsam mit einem Therapeuten nach Lösungswegen suchen. Es wäre schade, diese Möglichkeit zu einer netten Beziehung verstreichen zu lassen, ohne hier nicht alles versucht zu haben, um gegen die störenden negativen Gedanken anzukämpfen.

*** *** ***

© M.Petery

Wenn Sie möchten, können Sie sich mit weiteren Fragen gern an mich wenden.

Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

PS: Zwangsgedanken und Sexualität

Zwangsgedanken kommen auf sexuellem Gebiet sehr häufig vor. Das können, wie im vorliegenden Fall katastrophisierende Gedanken darüber sein, dass der Partner bzw. die Partnerin einen schon bald verlassen wird- ohne dass es dafür in der Wirklichkeit irgendwelche tatsächlichen Hinweise gibt.

Das kann auch umgekehrt die quälende Angst sein, man selber könnte plötzlich nichts mehr für seine/n Partner/in empfinden- und das, obwohl im Augenblick in der Partnerschaft alles in Ordnung ist.

Bei (heterosexuellen) Männern findet sich außerdem sehr häufig der Zwangsgedanke, „eigentlich“ homosexuell und damit unfähig zur Partnerschaft mit einer Frau zu sein. Vgl. den Beitrag Homosexuelle Zwangsgedanken.

Weitere Infos: Sexuelle Zwangsgedanken- wie wird man sie los?

Kategorien
Orgasmus und Orgasmusprobleme Sexualtherapie- Fragen, Ablauf, Behandlung, Theorie Sexuelle Probleme Vorzeitiger Samenerguss Zwangsstörung und Zwangsgedanken

Mein erstes Mal Sex – Tipps für junge Männer

Mein erstes Mal Sex-
Häufige Fragen junger Männer

Jede Woche bekomme ich neue Anfragen zum Thema „Mein erstes Mal Sex“. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Fragen junger Männer. Zu den wichtigsten Fragen junger Frauen geht es unter diesem Link.

„Ich hatte bisher nur wenig Sex und der Gedanke an mein erstes Mal Sex setzt mich total unter Druck. Was kann ich tun?“

Wenn ein Mann eine Frau kennenlernt, geht es meistens nicht ausschließlich um Sex, sondern vor allem um die Beziehung. Die neue Bekanntschaft mit einer Frau scheitert nicht daran, wie erfahren der Mann im Bett ist oder welche Leistungen er da beim ersten Mal Sex vorlegt.

Das entscheidende Kriterium ist vielmehr: Wie gut passen Sie beide als ein Paar zueinander? Wie offen können Sie über ihre wechselseitigen Bedürfnisse und Wünsche in ihrer Beziehung sprechen, und das nicht nur auf dem Gebiet Sex… Wie sehr ist jeder von Ihnen bereit, auf den anderen einzugehen und gemeinsam ein Leben zu führen, das sich nach den Wünschen und Bedürfnissen beider Partner richtet?

„Mein erstes Mal Sex- Wie mache ich alles richtig, ohne mich zu blamieren?“

Es gibt kein richtiges oder falsches Verhalten beim Sex. Es gibt auch kein bestimmtes Programm, das beim ersten Mal Sex mit einer Frau durchgeturnt werden muss. Die Idee vom Normsex ist wenig hilfreich, um ein erfülltes Sexualleben zu führen.

In der Regel braucht es in einer Beziehung längere Zeit, bis sich der Sex so richtig entwickelt. Wenn einer oder beide Partner wenig Erfahrung haben, ist es gut, den Weg zum „richtigen“ Sex langsam zu entwickeln und erst einmal nur das gemeinsame Zusammensein zu genießen. Zum ersten Mal gemeinsam Petting zu machen (d.h. Körperberührungen und Ankuscheln ohne Koitus) ist in der Regel aufregend genug. Es ist völlig in Ordnung, wenn es in einer neuen Beziehung in der ersten Zeit dabei bleibt.

Auch die meisten Frauen kommen am Anfang mit Männern besser klar, die nicht schon in der allerersten Phase gleich ein ganz bestimmtes Sexprogramm durchspielen wollen.

„Was gibt es zu beachten, dass der erste Koitus beiden Partnern richtig Spaß macht und beide zum Orgasmus kommen?“

Es ist unwahrscheinlich, dass beim ersten Koitus beide Partner einen Orgasmus bekommen.

Möglicherweise ist die Frau beim ersten Sex noch Jungfrau. Beim Zertrennen des Jungfernhäutchens kommt es zu (harmlosen) Blutungen. Es ist wahrscheinlich, dass damit erst einmal Schluss ist mit dem Koitus. Denn wenn die Frau Schmerzen empfindet, macht ihr der Koitus keinen Spaß- und so der Mann kein Sadist ist, ihm auch nicht.

Aber auch, wenn beide Partner schon Koituserfahrung haben, ist es keineswegs sicher, dass beim ersten Mal beide einen Orgasmus bekommen. Erst wenn die beiden im Lauf der Zeit sich und ihre sexuellen Bedürfnisse wechselseitig kennengelernt haben, kommt es schließlich auch bei einem oder beiden Partnern zum Orgasmus.

Wobei der Orgasmus im Koitus definitiv nicht das Kriterium dafür ist, ob der Sex gut war. Entscheidend ist: War es eine gute gemeinsame Erfahrung? Haben wir beide Spaß daran, miteinander noch mehr auszuprobieren?

„Mein erstes Mal Sex: Mache ich mich bei einer Frau lächerlich, wenn ich zugebe, nur wenig sexuelle Erfahrung zu haben?“

Als Mann einer Frau mit größerer sexueller Erfahrung vorzuspielen, man sei selbst auch schon erfahren, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Das wirkt auf die Frau im besten Fall ein bisschen drollig, eventuell aber auch etwas lächerlich. Daher: Ehrlichkeit ist Trumpf! Als sexuell unerfahrener Mann ist es am besten, genau das der Partnerin schon vor dem Sex ganz offen zu sagen.

Wenn die Frau selber wenig sexuelle Erfahrung hat, kann ein solches Geständnis sogar ein zusätzlicher Anziehungspunkt sein. Dann weiß die Frau, dass Sie beide auf gleichem Level stehen und den Sex in aller Ruhe gemeinsam miteinander erkunden können.

Und wenn die Frau schon Erfahrung hat: Dann können Sie als Mann es jetzt genießen, von einer Könnerin in die Welt des Sex eingeführt zu werden. Sie wird es als Kompliment empfinden, wenn Sie sich hier von ihr und ihrer Erfahrung ein Stück weit leiten lassen.

„Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich überhaupt heterosexuell bin.“

Viele junge Männer, die keine feste Freundin haben und/oder nur wenig Erfahrung mit Sex mit Frauen haben, stellen sich die Frage, ob sie eventuell homosexuell sind. Dazu ganz klar die Antwort: Wenig sexuelle Erfahrung mit Frauen ist kein Anzeichen für Homosexualität. (Viel sexuelle Erfahrung mit Männern dagegen schon…)

Bei der Frage der sexuellen Orientierung geht es um das, was mir Lust bereitet. Ein heterosexueller Mann ist aufgeregt beim Gedanken, eine Frau kennenzulernen, und verliebt sich immer wieder in Frauen. Häufig sind heterosexuelle Männer mit wenig sexueller Erfahrung in Gegenwart von Frauen extrem schüchtern und trauen sich kaum, eine Frau anzusprechen.

Heterosexuelle Männer entwickeln aufgrund eigener Ängste manchmal homosexuelle Zwangsgedanken, die sehr quälend sein können (vgl. dazu die Fallgeschichte von Uwe. D.). In einem solchen Fall lohnt es sich unbedingt, darüber mit einem Therapeuten zu sprechen.

Das gleiche gilt, wenn mich die Unsicherheit über mögliche eigene Homosexualität nicht mehr loslässt und zum quälenden Dauerthema wird.

„Wenn ich zu viel onaniere- lerne ich dann niemals eine Frau kennen?“

Onanie schadet nicht. Sie hindert auch nicht daran, eine Frau zu finden, sondern ist eine gute Vorübung, den eigenen Körper und die eigene Sexualität kennenzulernen und zu wissen, was einen selber erregt und zum Orgasmus bringt (d.h. welche Berührungen, welcher Druck bzw. welche Reibung auf den Penis- und auch, welche inneren Vorstellungen und Fantasien).

Onanie ist also eine gute Vorschule für die Beziehung- und Onanie ist auch während der Beziehung wichtig. Wer onanieren kann, braucht den Partner nicht mit sexuellen Wünschen unter Druck zu setzen, wenn es mal einen Tag gibt, an dem nur einer von beiden Lust auf Sex hat.

Zu viel onanieren kann man aus organischer Sicht nicht- irgendwann ist der Körper einfach nicht mehr in der Lage, noch einen weiteren Orgasmus zu produzieren. Dennoch gibt es Menschen, die darunter leiden, sehr viel zu onanieren (vgl. den Artikel „Ist Onanie schädlich?„). Problematisch kann es auch sein, wenn ein Mensch nur noch Pornos konsumiert, darüber seinen Berufsalltag vergisst oder das Interesse an konkreten Menschen als Sexualpartner verliert (vgl. Artikel „Was ist Pornosucht?„).

„Beim ersten Mal klagte meine Freundin nur über Schmerzen, als ich bei ihr eindringen wollte.“

Wenn eine Frau noch nicht ausreichend erregt ist und sich noch nicht genügend Scheidenflüssigkeit gebildet hat, ist das Eindringen des Penis in die Vagina schmerzhaft. Ein Koitus funktioniert also nur nach einem ausreichend langem Vorspiel, bei dem die Frau das zum Koitus nötige Erregungslevel erreicht hat („Plateauphase“- vgl. den Artikel Weiblicher Orgasmus“).

Es ist also wichtig, beim Sex nicht zu schnell vorzugehen. Es ist auch kein Fehler, die Frau zu fragen: „Was meinst du? Kann ich jetzt mal ausprobieren, meinen Penis bei dir einzuführen?“

Wenn die Frau über Schmerzen klagt, ist das ein absoluter Grund, sofort mit dem aufzuhören, was ihr weh tut. Wer trotzdem weitermacht, muss damit rechnen, dass dieser Sex der letzte mit dieser Frau gewesen ist. Zu Recht!
Mein erstes Mal Sex

„Mein Penis ist beim ersten Mal gar nicht richtig steif geworden, so dass der Sex nicht geklappt hat.“

Das passiert auch Männern mit großer sexueller Erfahrung immer wieder. Gründe können sein: Stress, Müdigkeit, aber auch Alkohol.

Und das erste Mal Sex kann (für beide Partner!) ein ziemliches Stressgefühl mit sich bringen. Dass der Stress sich dann auf die Erektion auswirkt, ist vom gesundheitlichen Standpunkt aus gesehen vollkommen normal. Ärztliche Hilfe benötigt nur, wer auch alleine nie eine Erektion bekommt.

Also: Das Beste ist, sich beim Sex nicht selber unter Druck zu setzen. Es gibt kein Pflichtprogramm, was durchexerziert werden muss! Auch Miteinander Kuscheln ist eine Form von Sex- und nicht jeder Sex muss mit einem Orgasmus enden. Viel wichtiger ist es, gemeinsam auf Entdeckungstour zu gehen und die aufregende Welt des Sex mit ihren vielen Möglichkeiten nach und nach gemeinsam zu entdecken.

„Ich komme beim Sex viel zu früh. Manchmal habe ich meinen Samenerguss schon, wenn ich überhaupt erst mit meinem Penis bei ihr in die Scheide eindringen will.“

Auch das kann beim ersten Mal passieren: die Erregung ist so riesig, dass der Orgasmus des Mannes schon bei der ersten Berührung der Eichel erfolgt, noch bevor der Penis überhaupt ganz in die Scheide eingedrungen ist. Das ist etwas, was sich in der Regel mit etwas Erfahrung nach und nach von selber legt.

Ansonsten: Es hilft, vor dem nächsten Date selber zu onanieren. Dann ist die Erregung im entscheidenden Moment nicht ganz so hoch. Beim Onanieren alleine lernt der Mann auch, seine Erregung besser einzuschätzen und besser voraussehen zu können, wann sich der Orgasmus ankündigt.
Mein erstes Mal Sex
Beim Koitus lässt sich der Orgasmus des Mannes dann leichter herauszögern: ein kurzer Bewegungsstopp kann dafür sorgen, die Erregung abzusenken, so dass der Sex danach wieder etwas länger dauert.

„Beim Sex komme immer nur ich als Mann zum Orgasmus. Irgendwie schaffe ich es nicht, auch meine Freundin kommen zu lassen.“

Die Vorstellung, dass Mann und Frau immer beide gleichzeitig beim Koitus zum Orgasmus kommen, ist völlig falsch. Das passiert in der Praxis nur selten und klappt bei vielen Paaren überhaupt nicht.

Guter Sex sieht anders aus als eine solche Vorstellung vom Normsex. Viele Frauen bekommen ihren Orgasmus nicht im Koitus, sondern zum Beispiel durch das Zusammenpressen der Schenkel oder bei einer festen Umarmung durch den Mann. Da lohnt es sich, gemeinsam auf Entdeckungstour zu gehen und herauszufinden, wie der Sex so funktioniert, dass beide zufrieden sind.

*** *** ***
© M.Petery.
Wenn Sie möchten, können Sie sich mit weiteren Fragen gern an mich wenden.

Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

PS:
Hier noch zwei weitere Links zum Thema:

Kategorien
BDSM und Fetisch Sexuelle Probleme Zwangsstörung und Zwangsgedanken

Unterwäsche-Diebstahl: Warum machen Männer das?

Unterwäsche-Diebstahl: Warum stehlen
manche Männer Schlüpfer und BHs?

Unterwäsche-Diebstahl: Am 11. April 2017 habe ich in der Bild-Zeitung gelesen:

Peter Z. aus Lünen (NRW) hat seinen Nachbarinnen Unterwäsche aus dem Waschkeller gestohlen und dabei reichlich Beute gemacht: insgesamt 35 Büstenhalter, 75 String-Tangas und 67 Slips!

Warum machen Männer so etwas?
Claudia D.

Unterwäsche-Diebstahl
aus sexualtherapeutischer Sicht

Hallo Claudia,

Unterwäsche-Diebstahl ist ein häufiges sexuelles Delikt mit einer hohen Dunkelziffer. Oft schämen sich die Opfer, den Diebstahl zur Anzeige zu bringen. Oft werden solche Diebstähle auch bagatellisiert, weil der Sachwert des Diebesgutes nur geringfügig ist.

Unterwäsche-Diebstahl ist kein Bagatelldelikt

Bei einem solchen Diebstahl handelt es sich keineswegs um ein harmloses Vergehen- und zwar deswegen, weil der Täter seinen Opfern erhebliches Leid zufügen kann.

Es ist nicht egal, ob der Täter die Unterwäsche als Ladendieb im Kaufhaus stiehlt oder von der Wäscheleine im gemeinsamen Waschkeller eines Mietshauses oder auf der Wäscheleine im Garten der Nachbarin. Der Ladendiebstahl würde keine konkrete Frau als Opfer schädigen und ist daher nur als Schädigung gegenüber dem Ladenbesitzer anzusehen- in Höhe des Sachwertes der gestohlenen Ware.

Im Falle des Unterwäsche-Diebstahls im Wäschekeller oder von der Wäscheleine geht es dem Dieb ganz augenscheinlich nicht nur um den Diebstahl selbst. Wenn der Täter nur am Fetisch-Objekt Wäsche selbst interessiert wäre, könnte er sich das ja jederzeit für wenig Geld völlig unproblematisch im Online-Handel zusenden lassen- und müsste dafür keinerlei rechtliche Konsequenzen fürchten.

Unterwäsche-Diebstahl
psychische Schädigung des Opfers

Beim Diebstahl von Unterwäsche, die einer konkreten Frau gehört, geht es dem Täter offensichtlich um einen zusätzlichen Kick, der damit verbunden ist, die sexuelle Intimsphäre der betroffenen Frau zu verletzen.

Der Täter muss durch sein Verhalten damit rechnen, durch seinen Diebstahl sein Opfer nicht nur materiell zu schädigen, sondern auch psychisch zu verletzen: er muss damit rechnen, Gefühle von Scham und Ekel bei seinem Opfer auszulösen, die zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität der betreffenden Frau führen können.

Schließlich ist ihr auf drastische Weise von einem Unbekannten aufgezeigt worden, dass dieser sie gegen ihren Willen zum Objekt seiner sexuellen Lust und Phantasien gemacht hat. Die Folgen des sexuellen Übergriffs können im Extremfall so schwerwiegend sein, dass aufkommende Ängste und Verunsicherungen die Frau über Jahre begleiten und psychotherapeutische Behandlung notwendig machen.

Insofern hat eine solche Form des Unterwäsche-Diebstahls durchaus Ähnlichkeit mit einer Vergewaltigung- und muss daher auch entsprechend härter bestraft werden als ein Ladendiebstahl.

Unterwäsche-Diebstahl
Unterschied zum Fetischismus

Unterwäsche-Diebstahl ist also nicht gleichzusetzen mit Fetischismus (vgl. den Artikel „Was ist Fetischismus?„).

Unproblematisch- auch aus sexualtherapeutischer Sicht- ist es, wenn sich ein Mann Frauenunterwäsche kauft, um sich sexuell zu stimulieren. Schließlich schadet er dadurch weder sich selbst noch einen anderen Menschen. Schwierigkeiten könnten höchstens entstehen, wenn die Lebenspartnerin oder Ehefrau gegen ihren Willen in das Spiel einbezogen wird und daran Anstoß nimmt. Vgl. den Artikel „Mein Mann zieht gerne Frauenkleider an.

Im Fall des Unterwäsche-Diebstahls bei einer anderen Frau kommt zu der reinen Erregung durch den Fetisch Frauenunterwäsche der Kick hinzu, das betreffende Kleidungsstück bei einer konkreten Frau gestohlen zu haben und sich damit -gegen deren Willen- Zutritt zu ihrer Intimsphäre verschafft zu haben.

Unterwäsche-Diebstahl
eine Form der Vergewaltigung

Die Quelle der sexuellen Erregung ist also anders als beim Fetischismus nicht das unbelebte Objekt, sondern der Übergriff auf die sexuelle Selbstbestimmung der anderen Frau.

Wenn der Täter das gestohlene Wäschestück zu seiner eigenen sexuellen Stimulation nutzt, etwa indem er es selber trägt oder darüber onaniert, tut er es immer im Wissen, mit seinem Handeln gegen deren Willen in das Leben einer anderen Frau eingedrungen zu sein.

Das ähnelt dem Genuss des Vergewaltigers, der ja nicht einfach „nur“ Sex mit einer Frau haben will, sondern den entscheidenden Kick darin findet, den Sex gegen den Willen der Frau zu bekommen.

Unterwäsche-Diebstahl
die masochistische Komponente

Als weiterer Stimulus kann der Unterwäsche-Diebstahl auch zu masochistischem Vergnügen dienen: etwa dann, wenn der Täter es als eine Form der Selbst-Demütigung sexuell genießt, sich zum Unterwäsche-Dieb gemacht zu haben. Ein solcher Mann hat es gelernt, extreme Formen der Demütigung als sexuelles Vergnügen zu erleben. In diesem Sinne kann die Angst, als Unterwäsche-Dieb gefasst zu werden, als sexuelle Stimulation erlebt werden. Der Diebstahl der Unterwäsche erfolgt also zwanghaft und kann sich als Zwang immer weiter verstärken- bis hin zu einem solch extremen Fall, wie er in der Zeitung zu lesen war.

In einem solchen Fall wäre eine sexualtherapeutische Behandlung dringend erforderlich, da der Zwang zur Wiederholung der Tat wohl auch durch Bestrafung nicht aufzulösen ist. Schließlich wäre ja sogar die öffentliche Bestrafung für einen solchen Täter möglicherweise nur wieder ein neuer Kick- und kein Anlass, sich von einem verhalten zu trennen, das ihm selbst und anderen Menschen erheblichen Schaden zufügt.

Wenn Sie weitere Fragen dazu haben, freue ich mich über Ihre Nachricht.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Dr. hum biol. Michael Petery

PS: Vgl. auch meinen Beitrag:
10 Fakten zum Thema Fetisch und Fetischismus

Kategorien
Homosexualität Zwangsstörung und Zwangsgedanken

Homosexuelle Zwangsgedanken

Homosexuelle Zwangsgedanken-
Bin ich schwul oder nicht?
Ein Erfahrungsbericht

Seit etwa zwei Monaten quälen mich (m, 37) täglich homosexuelle Zwangsgedanken. Das geht mir seit dem Tag so, als ich eigentlich Sex mit meiner Freundin hatte, aber überhaupt keine Erregung zustande gebracht habe. Da setzte sich der Gedanke fest: Möglicherweise kannst du nicht, weil du eigentlich homosexuell bist.

Mittlerweile lässt mich dieser Gedanke überhaupt nicht mehr los. Mir ist jetzt eingefallen, dass schon in der Schule die Mitschüler in der Turnkabine mich als „schwul“ gehänselt haben. Und sogar meine Mutter hatte mal zu mir gesagt, als ich mit 17 noch keine Freundin hatte, dass ich vielleicht schwul wäre. Tatsächlich ist es mir auch schon mehrfach so gegangen, dass schwule Männer irgendwie auf mich zu stehen scheinen und mich schon ein paar Mal angesprochen haben.

Dabei habe ich bis vor zwei Monaten mich pornomäßig immer nur für Frauen interessiert.

Das ist die letzten Wochen anders- da schaue ich nur noch Schwulenpornos, auch wenn ich eigentlich gar keine richtige Lust dazu habe. Wahrscheinlich will ich so herausfinden, ob ich schwul bin oder nicht. Besonders anmachen tut mich das nicht.

Ehrlich gesagt- ich weiß jetzt überhaupt nicht mehr wo ich stehe. Die Beziehung mit meiner Freundin ist auseinandergegangen, ohne dass wir über den Grund gesprochen haben. Vielleicht lag es daran, dass ich sexuell so versagt habe. Allerdings war das nur bei diesem letzten Mal so, davor hatte ich keine Probleme.

Bin ich jetzt schwul oder nicht?

Uwe D.. (Name geändert)

Homosexuelle Zwangsgedanken-
Schwulenpornos als Homo-Test

Hallo Uwe,

beim letzten Mal Sex mit Ihrer Freundin hatten Sie keine Erektion. Kurz darauf ist Ihre Beziehung auseinandergegangen. Seitdem plagen Sie homosexuelle Zwangsgedanken und Sie schauen täglich Schwulenpornos, um herauszufinden, ob Sie homosexuell sind.

Homosexualität und Zwangsgedanken-
Das sind zwei paar Stiefel…

Mir fällt auf, dass Sie in Ihrer Nachricht drei Problembereiche miteinander vermengen:

  • Die Trennung von Ihrer Freundin
  • Die quälenden Zwangsgedanken
  • Die Frage, ob Sie homosexuell sind oder nicht

Da diese drei Themenbereiche sehr unterschiedlich sind, lohnt es sich aus meiner Sicht, sie jeweils für sich näher zu betrachten.

Um der Sache wirklich auf den Grund zu gehen, wäre es jetzt nötig, dass wir uns sehr viel ausführlicher über die ganze Angelegenheit unterhalten. Nehmen Sie deswegen die folgenden Gedanken als erste Anregung zum Nachspüren, ob sich meine Überlegungen für Sie selbst stimmig anfühlen oder nicht.

Wenn Sie möchten, können und sollten wir uns viel ausführlicher unterhalten.

Die Trennung von der Freundin

Ich kann mir nach meinem ersten Eindruck nur schwer vorstellen, dass die fehlende Erektion beim letzten Sex mit Ihrer Freundin tatsächlich der Grund für Ihre Trennung gewesen ist.

Mir scheint es sehr viel wahrscheinlicher, dass sich die Trennung schon vorher angebahnt hat- auch wenn Sie selbst das bewußt gar nicht mitbekommen haben.

Aber irgendwie hätten Sie bei diesem letzten Sex bereits selbst gespürt, dass mit Ihrer Beziehung etwas nicht stimmt. Das scheint aus meiner Sicht ein sehr viel einleuchtenderer Grund für Ihre Erektionsstörung als das plötzliche Aufkommen homosexueller Zwangsgedanken.

Im Augenblick Ihrer Erektionsstörung hätten Sie dann lieber sich selbst und Ihrer möglichen Homosexualität die Schuld am misslungenen Sex zugeschoben- statt sich einzugestehen, dass möglicherweise in Ihrer Beziehung insgesamt etwas nicht stimmt.

Es könnte sich also für Sie lohnen darüber nachzudenken, ob es noch weitere Gründe gibt, warum Ihre Freundschaft auseinander gegangen ist.

Homosexuelle Zwangsgedanken

Wenn Sie seit zwei Monaten täglich darüber nachdenken, ob sie Homosexuell sind oder nicht, und wenn Ihnen dieser Gedanke unangenehm ist- dann ist das ein klassischer Fall von Zwangsgedanken. Wenn Sie dazu auch noch täglich Schwulenpornos ansehen, ohne daran Genuß zu finden, dann sind das obendrein auch noch Zwangshandlungen, die Sie verfolgen.

Eine solches Verhalten ist im englischen Sprachraum als HOCD (homosexual obsessive compulsive disorder) bekannt. Im deutschen Sprachraum igibt es derzeit mur wenige Therapeuten, die sich mit diesem Störungsbild beschäftigen.

Da ein Mensch selbst aus solchen Zwängen nur schwer wieder herausfindet, sobald diese sich über einen Zeitraum von mehr als 14 Tagen verfestigt haben, ist es sinnvoll, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Oft haben Zwangsgedanken den unbewußten „Zweck“, andere, noch unangenehmere Gedanken zu verdecken. Bei Ihnen wäre da zu prüfen, ob die homosexuellen Zwangsgedanken Sie möglicherweise davon freistellen, sich über die gründe für das Scheitern Ihrer Beziehung insgesamt Gedanken machen zu müssen.

Homosexuell oder nicht?

Homosexualität ist kein Defizit an Männlichkeit, sondern eine sexuelle Präferenz: Sie sind dann homosexuell, wenn Sie Menschen ihres eigenen Geschlechts für sexuell begehrenswert halten.

Nach Ihrer eigenen Beschreibung werden Sie durch die täglichen Schwulenpornos nicht erregt, so dass das Anschauen dieser Pornos für sich genommen kein Indiz dafür ist, dass Sie homosexuell sind (sondern nur dafür, dass Sie an einer Zwangserkrankung leiden).

Allerdings scheint Ihre sexuelle Erregbarkeit mit dem Ende Ihrer Beziehung insgesamt gelitten zu haben. Es ist also gerade kein besonders günstiger Zeitpunkt für die Frage, an welchem Sex Sie nun eigentlich Freude haben, da in Sachen Sex insgesamt gerade nichts läuft.

Wenn Sie, am besten im Rahmen einer Sexualtherapie, das Ende Ihrer Beziehung und das Problem Ihrer Zwänge aufgearbeitet haben, kann sich die Frage nach der Homosexualität aber durchaus noch einmal für Sie stellen, dann aber als der sehr viel angenehmere Gedanke: Welche sexuellen Fantasien machen mir Freude und erregen mich?

Sollte sich dann herausstellen, dass Ihnen der Gedanke an einen männlichen Freund besser gefällt als der an eine Freundin, dann könnte der Zeitpunkt gekommen sein, sich auf die entsprechende Suche nach einem Mann zu machen. Und wenn nicht- dann nach einer neuen Frau.

Wenn Sie dazu weitere Fragen haben, freue ich mich über Ihre Nachricht.

Mit freundlichen Grüßen
© M.Petery.
Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

Homosexuelle Zwangsgedanken
Weitere Infos auch in folgenden Beiträgen:

Bin ich homosexuell -
oder nicht?
Lesbisch-
Lust auf die beste Freundin
Entdeckung der Homosexualität als verheirateter Mann


Coming-Out: Sagen, dass ich homosexuell bin
Bin ich bisexuell? Freundin will Gegenbeweis

Homosexuelle Zwangsgedanken- wie werde ich sie los?
HOCD- Homosexuelle Zwangsgedanken
HOCD Homosexual Obsessive Compulsive Disorder

 

Kategorien
Angst Zwangsstörung und Zwangsgedanken

Eifersucht in der Partnerschaft- die ständige Angst, ihn zu verlieren

Eifersucht in der Partnerschaft:
auch ohne Grund eine Gefahr

Eifersucht in der Partnerschaft
Irgendwann drehe ich durch

Kinderwunsch
Ich bin 24 Jahre alt, weiblich und leide an meiner maßlosen Eifersucht in der Partnerschaft. Ausbildungsmäßig habe ich nichts richtiges zustande gebracht: erst eine abgebrochene Ausbildung als Krankenschwester, dann doch Medizinstudium, aber ebenfalls abgebrochen. Außerdem wiege ich für meine Größe etwas zu viel- ich bin nicht dick, habe aber keine Modelfigur.

Mein erster Freund hat mich deswegen regelmäßig aufgezogen und mir während unserer Beziehung immer wieder andere Frauen gezeigt, die dünner waren: „So könntest du auch aussehen, wenn du dich etwas anstrengen würdest…“ Er hatte mich immer wieder mit anderen betrogen, was ich erst später herausgefunden habe. Sogar meine bis dahin beste Freundin dabei gewesen. Das hat mein Selbstbewußtsein sicher nicht gefördert.

Meinen jetzigen Freund liebe ich über alles. Ich hoffe, dass wir beide einmal heiraten werden. Allerdings habe ich Angst, ihn zu verlieren- wegen meiner krankhaften Eifersucht und meiner ständigen Angst, nicht gut genug für ihn zu sein.

Er sagt zwar, dass er mich liebt. Aber ich denke dann immer: Na schön, er liebt vielleicht meine Art zu reden und ein paar meiner Eigenschaften- aber ganz bestimmt nicht meinen Körper, so wie er eben ist: picklige Haut, wenig Busen, pummeliger Bauch- und das ganze auf zwei viel zu kurzen Beinen. Eher ein Kobold als eine Frau.

Er dagegen könnte jederzeit als Männermodel durchgehen und so viele schöne Frauen haben, wie er nur will.

Deswegen habe ich Angst, wenn er zwischendurch mit seinen Freunden ausgeht und ich nicht dabeisein kann. Es könnte so leicht passieren, dass sich ihm dann eine andere an den Hals wirft. Manchmal drehe ich an solchen Abenden fast durch.

Einmal habe ich ihn schon angeschrien, dass er mir endlich sagen soll, mit welchem Mädchen er mich betrügt. Er hat dann sehr entspannt reagiert, mich in den Arm genommen und gemeint, es gäbe für ihn tatsächlich keinen anderen Menschen auf der Welt.

Eifersucht in der Partnerschaft- die heimliche Kontrolle seines Handy

Einmal habe ich auch schon rumspioniert und mir sein Handy vorgenommen. Bei seinen Chats habe ich tatsächlich keine anderen Frauen gefunden, dafür allerdings einen Ordner mit Pornobildern. Massenweise Blondinen, schwedischer Typ. Also genau das Gegenteil von mir.

Ob er das braucht, weil ich ihm so wenig gefalle? Was tun, wenn ihm so eine hochgewachsene Frau mit langen, blonden Haaren tatsächlich über den Weg läuft. Habe ich dann überhaupt noch eine Chance?

Ich hab ihm das dann gebeichtet- schließlich wollte ich von ihm hören, was die Blondinen zu bedeuten haben. Er meinte, das bräuchte er halt hin und wieder, hätte nichts mit mir zu tun. Und es täte ihm leid, er habe mich nicht verletzen wollen. Die Entschuldigung ist OK- trotzdem gilt: Mein Freund träumt von schwedischen Blondinen.

Oder ist das alles nur Blödsinn- lauter kranke Gedanken von mir? Ich fände es furchtbar, wenn meine Eifersucht ihn tatsächlich dazu bringt, dass er sich von mir trennt…

Conni D. (Name geändert)

Eifersucht in der Partnerschaft-
auch ohne Gegenspielerin

Hallo Conni,

Sie haben einen Freund und sind eifersüchtig- und das, obwohl Sie gar keine konkrete Gegenspielerin haben. Sie haben Angst, Ihren Freund an eine Unbekannte zu verlieren, die besser ist als sie. Und sie haben Angst davor, dass es Ihre Eifersucht selbst ist, die Ihren Freund dazu veranlaßt, sich von Ihnen zu trennen.

Eifersucht- die drei Vorausetzungen

Grundsätzlich braucht es für Eifersucht drei Elemente:

  1. denjenigen/diejenige, welche/r die Eifersucht empfindet
  2. die Person oder der Umstand, deren Verlust gefürchtet wird:
    z.B. der eigene Partner (als Person) oder das Privileg, mit den Eltern ins Kino gehen zu dürfen (als Umstand, der bedroht ist, wenn plötzlich statt mir der Bruder oder die Schwester mitgenommen werden)
  3. die Person oder der Umstand, welche/r den drohenden Verlust verursacht:
    das kann eine Person sein (z.B. eine anderer Mensch sein, der mir den Partner ausspannt), aber auch ein bestimmter Umstand (z.B. das neue Hobby des Freundes, das ihn dazu bringt, mir weniger Zeit und Aufmerksamkeit zuzuwenden)

Es ist also sowohl möglich, auf Personen eifersüchtig zu sein wie auch auf bestimmte Umstände, welche den gefürchteten Verlust verursachen.

Typisch für Eifersucht ist also die Angst, jemanden oder etwas zu verlieren, das einem bereits gehört- im Gegensatz zum Neid, wo es darum geht, etwas zu haben, das man noch nicht besitzt.

Eifersucht in der Partnerschaft – auch ohne konkrete Ursache?

In Ihrem Fall ist auffällig, dass es eine solche Verlustursache (noch) gar nicht gibt.

Ihr Freund sagt, dass er sie liebt- und von einer konkreten Gegenspielerin wissen Sie nichts. Sogar die Pornobilder auf seinem Handy haben sie konkret nicht als Bedrohung für Ihre Beziehung erfahren, etwa in dem Sinn, dass er sich lieber mit diesen Bildern als mit Ihnen beschäftigen würde.

So gesehen, erschaffen Sie sich die Gegenspielerinnen, auf die Sie eifersüchtig sein können, sozusagen selbst: ob das die Mädchen sind, denen er beim Ausgehen mit seinen freunden begegnen könnte, oder die hochgewachsene Blondine, die ihm plötzlich über den Weg liefe und ihn an seine Pornos erinnern würde.

Insofern läßt sich Ihre Form der Eifersucht möglicherweise noch besser als eine Form der Verlustangst beschreiben, die Sie in Bezug auf Ihren Freund ständig begeleitet.

Gefühlskette Liebe – Angst – Eifersucht- Wut

Aus psychologischer Sich tläßt sich die Entstehung von Eifersucht gut als eine Gefühlskette erklären die schrittweise von der Liebe zur Eiferucht und sogar weiter zu Ärger und Wut führen kann.

Am Anfang steht ein sehr starkes Gefühl von Liebe und Glück. Und gerade weil ich dieses Gefühl mag und eigentlich gar nichts anderes empfinden will, tritt oft als zweites Gefühl in der Folge die Angst auf, diesen wunderbaren Moment der Liebe zu verlieren.

Das Gefühl der Angst ist ein Schutzmechanismus, der uns sehr wachsam werden lässt für jede mögliche Gefahr. Und so beginnt unser Gehirn, im Fall der Liebe mögliche Gefahrenpotentiale zu suchen. Und das sind mögliche Gegenspieler bzw. Gegenspielerinnen, die uns den geliebten Menschen entreißen könnten.

Damit tritt dann das Gefühl der Eifersucht auf: Ich möchte den geliebten Menschen behalten- und zwar ausschließlich für mich. Und ich möchte alles und jedes vernichten, was diese Beziehung zerstören könnte.

An diesem letzten Punktkann dann noch Wut und Ärger als Folgegefühl entstehen- und an spätestens an diesem Punkt der Gefühlskette ist es so weit, dass die Partnerschaft selbst in Gefahr gerät. Denn ein wütender Mensch ist schwer in der Lage, die Realität noch richtig einzuschätzen. Und er ist versucht, die eigene Wut am Partner abzureagieren- obwohl das die Sache nicht besser macht und die Partnerschaft komplett ruinieren kann.

Solche Gefühlsketten sind oft nur sehr schwer aufzuösen. Es könnte sich daher für Sie lohnen, diese Verkettungen im Rahmen einer Sexualtherapie durchzuarbeiten.

Es gibt sehr gute psychologische Methoden zur Emotionsregulation (Gefühlskontrolle). Dabei steht immer die Frage am Anfang, ob ein Gefühl in einer konkreten Situation angemessen ist oder nicht. Und falls, so wie in Ihrem Fall bei der Eifersucht, alles dafür spricht, dass das Gefühl mehr schadet als nützt, dann ist es wichtig zu lernen, wie ich ein Gefühl gezielt abschwächen kann.

Eifersucht- Szenarien, die Sie herunterziehen

Auffällig aus psychologischer Sicht ist, dass Sie in Ihrer Nachricht schildern Sie gleich mehrere Szenarien schildern, in denen Sie sich selbst ein Stück weit klein machen:

  • Berichte über Ihre abgebrochenen Ausbildungen
  • Sie halten Ihr Körpergewicht für zu hoch
  • Sie finden ihn schön, sich selbst aber nicht
  • Sie haben Angst, ausgestochen zu werden, wenn Ihr Freund mit seinen freunden augeht
  • Sie haben Angst, eine Frau wie auf seinen Pornobildern könnte Sie ausstechen

Diese Hinweise können auf ein Selbstwert-Defizit hindeuten. Denn Sie haben sehr wahrscheinlich ebenso viele starke Seiten, die Sie so gar nicht zur Kenntnis nehmen. Dazu gehört auf jeden Fall, dass Sie es geschafft haben, einen Freund zu gewinnen, der Ihnen sehr gut gefällt- und der Sie nach eigener Aussage liebt.

Eifersucht in der Partnerschaft-
Hilfsmöglichkeiten durch eine Psychotherapie

Wenn Sie Ihre Eifersucht in der Partbnerschaft loswerden wollen, könnte es sich in einer Psychotherapie (Sexualtherapie) für Sie lohnen, daran zu arbeiten, wie Sie sich selbst sehen bzw. sehen wollen.

Wenn Sie Stück für Stück auch Ihre starken Seiten kennenlernen, ist es sehr wahrscheinlich, dass Ihre Eifersucht-Fantasien nach und nach in den Hintergrund treten.

Außerdem könnte es in einer Therapie auch um das Thema Ängste gehen, speziell um die Verlustangst um Ihren Freund, das Sie möglicherweise als eine Art von Zwangsgedanke verfolgt.

Es gibt verschiedene therapeutische Möglichkeiten, schon in relativ kurzer Zeit eine deutliche Verbesserung zu erreichen.

Gerade weil Sie befürchten, Ihren Freund langfristig durch Ihre Eifersuchtsausbrüche zu verlieren, kann sich eine Psychotherapie sehr für Sie lohnen- und auch für Ihre Beziehung.

Wenn Sie dazu weitere Fragen haben, freue ich mich über Ihre Nachricht.

Mit freundlichen Grüßen
© M.Petery.
Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

PS:
Vgl. den Beitrag Sexuelle Zwangsgedanken- wie wird man sie los?

Ängste
vor der Therapie?
Erektionsstörung
und Versagensangst
Gymnophobie- Angst
vor der Nacktheit
Sexualangst-
wenn sexuelle Sehnsucht zum Alptraum wirdt

Eifersucht- die ständige
Ansgt, ihn zu verlieren
Peinlicher Sex: die Angst,
etwas falsch zu machen

 

Kategorien
Zwangsstörung und Zwangsgedanken

Exfreund-Fantasien verfolgen mich

Exfreund-Fantasien: In meinen Gedanken hat meine Freundin ständig Sex mit dem Exfreund

Exfreund-Fantasien
Meine Freundin und ich leben seit gut zwei Jahren miteinander- zu unserer großen Freude erwartet sie jetzt unser gemeinsames Baby.

Soweit alles eigentlich prima. Nur habe ich ein Problem, das mich schon die ganze Zeit unserer Freundschaft begleitet: der Gedanke an Ihren Exfreund, mit dem sie vor mir über vier Jahre zusammen war, also doppelt so lang wie mit mir.

Ich komme einfach nicht davon los, mir vorzustellen, wie sie Sex mit ihm hat, in welchen Stellungen, an welchen Orten. Übrigens nicht beim konkreten Sex mit ihr- da haben wir gar keine Probleme. Sondern eigentlich nur, wenn ich alleine bin- dann aber fast ständig. Vorm Computer muss ich fast zwangsläufig auf das Facebook-Profil Ihres Ex gehen- und dadurch werden meine Fantasien nur noch viel schlimmer. Ich weiß selbst, dass mir das nicht gut tut und mache es trotzdem.

Auch wenn ich sonst in irgendeinem Zusammenhang seinen Vornamen höre, der recht häufig ist, geht bei mir das Kopfkino los. Meine Freundin weiß schon, dass Sie diesen Vornamen vor mir auf keinen Fall aussprechen darf, und wenn es im Zusammenhang mit einem Fussballstar ist. Sie schützt mich, und versucht diesen Namen in meiner Gegenwart auf keinen Fall auszusprechen.

In der Öffentlichkeit habe ich Angst, in Gegenwart meiner Freundin durch irgend einen blöden Zufall auf Ihren Exfreund angesprochen zu werden, weil ich weiß, dass ich dann komisch reagiere. Noch schlimmer wäre es, ich würde ihm auf der Straße begegnen. Keine Ahnung, was da passieren würde.

Wenn das einmal losgeht mit diesen Gedanken, kann ich kaum wieder davon wegkommen.Ich gehe mir da selbst auf die Nerven und fühle mich richtig fertig, komme aber selbst einfach nicht davon los. Gibt es irgendeinen Weg, wie ich diese Gedanken an den Exfreund loswerden kann?

Tobias K. (Name geändert)

Exfreund-Fantasien-
eine große psychische Belastung

Hallo Tobias,

seit zwei Jahren leben Sie glücklich mit Ihrer Freundin zusammen, die Ihr gemeinsames Kind erwartet. Die ganze Zeit hindurch quälen Sie Fantasien, in denen Sie sich vorstellen, wie Ihre Freundin Sex mit ihrem Exfreund hat.

Solche Fantasien können sehr belastend sein- deshalb ist es gut, wenn Sie sich therapeutische Hilfe holen. An dieser Stelle kann ich Ihnen nur ein paar erste Überlegungen vorstellen, was Sie zur Lösung Ihres Problems tun könnten. Eine ausführliche Beratung oder Therapie kann dadurch natürlich nicht ersetzt werden.

Exfreund-Fantasien-
aus psychologischer Sicht eine Zwangsstörung

Aus psychologischer Sicht handelt es sich bei Ihren Fantasien um Zwangsgedanken, die nach der ICD-10, dem Kriterienkatalog der Weltgesundheitsorganisation, zur Gruppe der Zwangsstörungen hinzugehören: Typisch für Zwangsgedanken ist, dass sie, so wie bei Ihnen, einen unangenehmen Inhalt haben und sich über einen längeren Zeitraum beständig wiederholen.

Bei Zwangsstörungen handelt sich um eine psychische Erkrankung, die relativ häufig auftritt: In Deutschland sind nach einer Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) jedes Jahr fast vier Prozent der Bevölkerung betroffen.

Eine eindeutige Erklärung, warum manche Menschen Zwangsstörungen bekommen und andere nicht, gibt es bis heute nicht. Am wahrscheinlichsten ist eine Mischung aus genetischer Veranlagung, biochemischen Vorgängen im Gehirn und psychischen Ursachen (z.B. Stress).

Exfreund-Fantasien-
Möglichkeiten zur Therapie

Wegen dieser unterschiedlichen Ursachen, welche Zwangsgedanken haben können, gibt es auch verschiedene Therapieansätze.

Exfreund-Fantasien- Medikamente als Therapie

Ein Facharzt kann Ihnen helfen, die für die Störung verantwortichen Hirnstoffwechselprozesse durch Medikamente wieder besser einzustellen. Alternativ oder parallel dazu könnten Ihnen folgende psychotherapeutische Verfahren helfen.

Exfreund-Fantasien-
Konfrontation mit Reaktionsverhinderung

Die von der DGPPN empfohlene Methode ist die Konfrontation mit Reaktionsverhinderung. Im Rahmen der Therapie werden Sie wiederholt mit Auslösern für Ihre Zwangsgedanken konfrontiert, z.B. mit dem Vornamen des Exfreundes.

Dabei üben Sie, auf diesen Auslöser nicht wie bisher mit den Zwangsgedanken zu reagieren, sondern Verhaltensalternativen zu erlernen. Dabei kann Ihnen der Therapeut Vorschläge machen, welche anderen Reaktionsmöglichkeiten für Sie noch zur Verfügung stehen. Auf diese Weise können Sie ein „Reaktionsmanagement“ erlernen und sind Ihren Exfreund-Fantasien nicht automatisch und alternativlos ausgeliefert.

Exfreund-Fantasien- Assoziationsspaltung

Möglich wäre hier auch das Verfahren der sogenannten Assoziationsspaltung: Sie üben, parallel zu den bisherigen Zwangsgedanken, auch neue neutrale oder sogar angenehme Assoziationen zu den bisherigen Auslösern Ihrer Zwangsgedanken zu entwickeln, also z.B. bei dem bewußten Vornamen statt an den Exfreund intensiv an den gleichnamigen Fussballspieler zu denken.

Dadurch können in Ihrem Gehirn neue neuronale Vernetzungen geschaffen werden, die Ihnen eine Alternative zu den bisher eingeübten Zwangsgedanken bieten.

Exfreund-Fantasien- Inhaltliche Auseinandersetzung

Darüber hinaus kann auch eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Ihren Zwangsgedanken dabei helfen, diese zu überwinden. Mögliche therapeutische Anregungen könnten sein:

  • Versuchen Sie, möglichst genau zu beschreiben, in welchen Situationen oder im Umfeld von welchen anderen Gedanken Ihre Fantasien beginnen. Möglicherweise können Sie darüber auch eine Art Tagebuch anlegen.
  • Könnten Ihre Exfreund-Fantasien eine Art von Selbst-Demütigung sein? Gibt es in Ihrem Leben Momente, in denen Sie sich selbst nicht für ausreichend stark/kräftig/intelligent etc. halten?
  • Als werdender Vater steht Ihnen eine Zeit bevor, die Ihnen ein großes Stück Verantwortung abverlangt. Wie stehen Sie zu dieser Herausforderung?

Exfreund-Fantasien-
Welche Gedanken denken Sie deswegen nicht?

Anhand solcher Fragen ließe sich möglicherweise feststellen, ob Ihre Zwangsgedanken den psychischen Zweck erfüllen, dass Sie andere, für Sie noch unangenehmere Gedanken nicht denken müssen.

So könnte es z.B. möglicherweise sein, dass Sie „lieber“ bei der Vorstellung hängenbleiben, wie Ihre Freundin Sex mit dem Exfreund hat, als dass Sie über die jetzt aktuell in Ihrem Leben anstehenden Herausforderungen nachdenken.

Wenn Sie mit Ihrem Therapeuten solche durch die Zwangsgedanken verdeckten Themen durcharbeiten, kann es sein, dass Sie die Angst vor diesen eigentlichen Problemen nach und nach überwinden- und es dann für die Zwangsgedanken auch keinen Anlass mehr gibt.

Für welche der Therapieformen Sie sich gemeinsame mit Ihrem Arzt und/oder Therapeuten auch entscheiden- ich wünsche Ihnen baldige, gute Besserung und alles Gute für die bevorstehende Geburt Ihres Kindes.
© M.Petery.
Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

Weitere Infos:
Sexuelle Zwangsgedanken- wie wird man sie los?

Sexuelle Zwangsgedanken loswerden
Zwangsgedanken
Die gefolterte Lehrerin
Exfreund-Fantasien
verfolgen mich
Homosexuelle Zwangsgedanken- wie werde ich sie los?
Eifersucht-die ständige Angst, ihn zu verlieren
Zu schüchtern für eine Beziehung?
HOCD- Homosexuelle Zwangsgedanken


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Sexuelle Probleme Zwangsstörung und Zwangsgedanken

Zwangsgedanken: die gefolterte Lehrerin

Zwangsgedanken
Schmerzen zufügen und Schmerzen leiden


Schon seit ich 12 Jahre alt bin, leide ich an bestimmten Zwangsgedanken, die mich überhaupt nicht mehr loslassen. Das wird so stark, dass ich mich manchmal auch tagsüber deswegen ins Bett lege und mich die Gedanken stundenlang nicht mehr loslassen. Deswegen vernachlässige ich meine Freunde und habe auch schon mehrfach in der Arbeit gefehlt.

Begonnen hat das in meiner Schulzeit. Da hatte ich eine Lehrerin, die ich eigentlich sehr gern mochte. Ich habe mir dann immer vorgestellt, dass sie irgendwo gefangen ist und sehr grausam gefoltert wird. Ich bin dann derjenige, der sie in ihrem Verließ findet. Um sie zu befreien, muss ich ihr nochmals riesige Schmerzen zufügen, zum Beispiel, dass schon alles brennt und ich ihr die Hand abschneiden muss, um sie aus dem Gefängnis zu herauszuholen.

Mittlerweile ist mir das immer wieder passiert mit diesen Vorstellungen, und es sind genau die Menschen, die mir besonders gut gefallen, bei denen ich mir vorstelle, wie sie wahnsinnige Schmerzen leiden. Manchmal bin ich es auch selber, dem all das angetan wird, und irgend jemand anders muss mir noch mehr Schmerzen zufügen, um mich zu retten.

Niemals im Leben würde ich mir wünschen, dass so etwas tatsächlich passiert. Ich weiß auch, dass das alles nur in meiner Fantasie geschieht. Aber trotzdem komme ich davon einfach nicht los.

Das Ganze ist mir so peinlich, dass ich darüber mit niemanden reden will.
Ich fühle mich total pervers, und frage mich, ob ich ein versteckter Sadist bin, vor dem die Welt geschützt werden müsste.

Gibt es irgendeine Möglichkeit, mich von diesen Gedanken zu heilen?

Lorenz T (Name geändert)

Zwangsgedanken-
als Belastung und Krankheit

Hallo Lorenz,
immer wieder nehmen Ihre Gedanken Sie gefangen: Sie stellen sich vor, wie Menschen, die Ihnen gefallen, Schmerzen erleiden, wie Sie selbst diesen Menschen Schmerzen zufügen, oder auch Sie selbst Schmerzen erleiden. Darunter leidet ihre normale Alltagstauglichkeit.

Zwangsgedanken-
Krank sind nicht die Inhalte,
sondern ihre Beharrlichkeit

Zwar gilt: Grundsätzlich ist es etwas vollkommen Normales, hin und wieder gewaltsame Tagtraumfantasien zu haben. Und in solchen Fantasien darf durchaus auch gefoltert und gemordet werden, ohne dass daraus abzuleiten wäre, dass ein Mensch ein krankhafter Sadist ist. Wahrscheinlich hat sogar jeder Mensch irgendwann einmal solche Fantasien.

Bei Ihnen liegt der Fall aber noch etwas anders. Nicht der konkrete Inhalt Ihrer Fantasien ist Anzeichen einer Krankheit. (Auch wenn es sich lohnen könnte, psychotherapeutisch zu untersuchen, warum es gerade diese Fantasien sind, die Sie heimsuchen.)

Was ein deutliches Anzeichen dafür ist, dass Sie an einer psychischen Störung leiden, ist die ständige Wiederholung dieser Tagträume, die lange Andauer und die Störung Ihrer normalen Alltagstauglichkeit durch diese Tagträume.

Zwangsgedanken-
Möglichkeiten der Therapie

Von daher ist es wichtig, dass Sie sich ärztliche und therapeutische Hilfe besorgen. Als allererstes muss abgeklärt werden, ob möglicherweise eine körperliche Erkrankung zu den Zwangsgedanken führt (z.B. neurologische Erkrankungen).

Wenn eine solche körperliche Ursache ausgeschlossen ist, sollte der behandelnde Therapeut (in Zusammenarbeit mit dem Arzt) darüber entscheiden, welche Therapieform für Sie am geeignetsten ist.

Das könnte z.B. die kognitive Umstrukturierung sein. Hier geht es darum, die Gedanken, die Ihre Lebensqualität beeinträchtigen, genau zu identifizieren und neue Verhaltens- und Denksttruktuen zu erarbeiten, welche dann die Zwangsgedanken nach und nach ersetzen.

Begleitend zu einer Psychotherapie kann es auch hilfreich sein, wenn Sie ergänzend Medikamente einnehmen, die Ihnen helfen, aus diesem eingeschliffenen Gedankenkreislauf wieder herauszukommen.

Zwangsgedanken, die lange eingeübt sind, verschwinden nicht von einem Tag auf den nächsten. Allerdings kann eine Therapie schon nach einigen Wochen bzw. Monaten eine wesentliche Erleichterung verschaffen und schließlich die Zwangsgedanken ganz und gar zu besiegen helfen.

Ihnen eine gute Besserung und alles Gute!
© M.Petery.
Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

Weitere Infos:
Sexuelle Zwangsgedanken- wie wird man sie los?

Sexuelle Zwangsgedanken loswerden
Zwangsgedanken
Die gefolterte Lehrerin
Exfreund-Fantasien
verfolgen mich
Homosexuelle Zwangsgedanken- wie werde ich sie los?
Eifersucht-die ständige Angst, ihn zu verlieren
Zu schüchtern für eine Beziehung?
HOCD- Homosexuelle Zwangsgedanken