Mordfantasien
in der Pubertät- Gedanken, die quälen

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Sexuelle Mordfantasien
Mordfantasien

Sexuelle Mordfantasien in der Pubertät-
Das Mädchen töten, das ich liebe

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Ich bin 16 Jahre alt, männlich,und habe ein etwas merkwürdiges Problem.

Ich habe mich in ein Mädchen verliebt, das ich praktisch jeden Tag bei uns in der Schule sehe, auch wenn sie nicht in meine Klasse geht. Wenn ich sie einmal nicht sehe, ist das für mich wie ein verlorener Tag. Ich denke praktisch ständig an sie und an nichts anderes mehr. Ansprechen will ich sie aber nicht, weil ich total merkwürdige Fantasien habe. Gleichzeitig tut es mir richtig weh, wenn ich sehe, dass andere Jungen ganz normal mit ihr reden. Das tut mir weh wie ein Stich in die Brust.

Ich komme mir da ziemlich pervers vor und weiß nicht, wie ich das wegbekomme.

Ich stelle mir nämlich ganz ausführlich Szenarien vor, wo ich mit ihr irgendwo in der Natur allein bin, also am Strand oder am Flußufer oder auf einer Waldlichtung. Ich treffe Sie da, wie sie spazieren geht oder auf einer Decke liegt und ein Buch liest. Ich spreche sie dann an, alles geht erst mal ganz normal. Dann lege ich ihr plötzlich meine Hände um den Hals, um sie zu würgen. Oder ich habe ein Seil mit einer Schlinge dabei. Oder ein Messer, mit dem ich ihr die Halsschlagader durchschneide. Ich merke dann, wie sie langsam bewußtlos wird und ihr Herz zu schlagen aufhört.

Wenn ich das denke, fühle ich mich gleichzeitig total schlecht, mir tut das auch irgendwie weh, weil ich sie ja eigentlich total liebe. Gleichzeitig fühle ich mich auch sehr gut dabei, sehr aufgeregt, irgendwie ganz intensiv bei mir. Das eigentlich Schlimme ist, dass mir diese Fantasien sehr gefallen und ich bei diesen Träumen sehr glücklich bin.

Mordfantasien – sehr glücklich und trotzdem Schuldgefühle

In Wahrheit könnte ich niemals so aggressiv sein. Ihr gegenüber am wenigsten.
Irgendwie fühle ich mich auch schuldig. Vielleicht habe ich die Fantasien aus Eifersucht. Wenn ich mich nicht traue, dann soll sie auch kein anderer Junge bekommen.

Ich hoffe, dass das Ganze nur eine Phase ist und vorübergeht. Aber das geht jetzt immerhin schon ein paar Monate so, besonders beim Einschlafen, aber auch in langweiligen Schulstunden und neulich sogar im Kino, wo ich ganze Szenen nicht mitbekommen habe, weil bei mir im Kopf ein ganz anderer Film lief…

Kevin F. (Name geändert)

Mordfantasien in der Pubertät-
Das Mädchen töten, das ich liebe

Hallo Kevin,

Sie haben sich in ein Mädchen verliebt- und nun haben Sie Fantasien, wie Sie sie töten. Und das, ohne das Sie sich vorstellen können, es jemals zu tun. Sie sind sich wegen dieser Fantasien unsicher, was eigentlich mit Ihnen los ist.

Mordfantasien
sind im Prinzip nichts Ungewöhnliches

Mordfantasien sind prinzipiell nichts Ungewöhnliches. Der amerikanische Psychologe Douglas T. Kenrick fand in einer Doppelstudie bei amerikanischen Studenten heraus, dass, dass bis zu 79% der männlichen und 66% der weiblichen Studienteilnehmer angaben, hin und wieder Mordfantasien haben. Das ist also mehr als die Hälfte der Bevölkerung.

Solche „alltäglichen“ Mordfantasien richten sich in der Regel gegen Menschen, über die man sich aus irgendeinem Grunde gerade geärgert hat, also z.B. gegen Lehrer, Vorgesetzte, Kollegen….

Mordfantasien –
Therapeutische Abklärung ist erforderlich

Auffällig ist, dass sich Ihre Fantasie nicht gegen eine Person richtet, auf die Sie wütend sind oder über die Sie sich ärgern, sondern gegen das Mädchen, in das Sie sich verliebt haben. Damit paßt Ihre Fantasie nicht ganz in das übliche Schema.

Weil nicht recht erklärbare Mordfantasien immer auch ein Indiz für eine schwere psychische Erkrankung sein können, ist es unbedingt erforderlich, dass Sie mit einem Therapeuten darüber sprechen.

In einem solchen Gespräch wird die Frage nach dem Grund für die Aggressivität abzuklären sein, die sich in Ihren Fantasien findet. Das heißt konkret: Kennen Sie in Ihrem Leben auch in anderen Zusammenhängen unkontrollierte Aggressivitätsausbrüche? Gibt es in Ihrer Persönlichkeitsstruktur möglicherweise aggressive Tendenzen, die sich irgendwann zu konkreten Taten entwickeln können und vor denen Sie sich selbst schützen müssen?

Auch wenn diese Abklärung auf jeden Fall bei Ihnen notwendig ist, halte ich es persönlich für eher wahrscheinlich, dass Ihr Problem auf einer anderen Ebene liegt.

Mordfantasien –
Eine zweite mögliche Erklärung

Sie haben sich, wahrscheinlich zum ersten Mal, in ein Mädchen verliebt. Das ist ein sehr intensives, großes Gefühl, das Sie die letzten Monate sehr weitgehend in den Griff genommen hat. Damit Sie dieses Gefühl, das Ihnen im Prinzip angenehm ist, am Laufen halten und immer wieder abrufen können, brauchen Sie Bilder für ein inneres Kopfkino, die ebenso stark sind wie das Gefühl Ihrer Verliebtheit.

Nun haben Sie de facto keine Erfahrung, was Sie mit einem Mädchen eigentlich anfangen wollen: die Vorstellung, sie einfach nur anzusprechen, ist Ihnen offenbar eher peinlich, weil Ihnen nichts rechtes einfällt oder weil Sie Angst haben, von ihr einen Korb zu bekommen.

Die Vorstellung, sie umzubringen, ist da deutlich angenehmer. Sie sind eine ganze Zeit alleine mit ihr, ohne Konkurrenten, und sie kann sich definitiv nicht wehren. Die Fantasie kann also nicht in einer Abfuhr enden, Sie sind in jedem Fall derjenige, der die Szene in der Hand hat. Ihre eigenen großen Gefühle bekommen einen Riesen-Kick: Denn was wäre emotional mit einem Mord vergleichbar?

Und sogar, wenn Sie sich nach Ihrer Fantasie noch etwas schuldig fühlen, haben Sie einen großen Gewinn: Sie bleiben in Ihren Gedanken an Ihrer Angebeteten hängen. Und genau dieses gedankliche Hängenbleiben ist es, was ein verliebter Mensch genießt und haben möchte.

Ihre Mordgedanken wären demnach nichts anderes als ein Ausdruck Ihrer sehr starken Verliebtheit.

Mordfantasien –
Alternativen und Lösungen

Wenn diese zweite Erklärung stimmt, dann sind Ihre Mordfantasien nicht Ihr eigentliches Problem. Demnach drücken Ihre Fantasien viel eher Ihren Wunsch aus, ein Mädchen zu Ihrer Freundin zu machen- inklusive starker Gefühlen und erster sexuellen Erfahrungen.

Wahrscheinlich sind sie ein ziemlich schüchterner Mensch. Denn Sie haben das Mädchen selbst noch nie angesprochen, beobachten aber mit Eifersucht, wie andere Jungen ganz normal mit ihr reden. Ihre Mordfantasien sind für Sie, wie Sie selber schreiben, ein guter Grund, dass Sie selbst das Mädchen nicht anzusprechen brauchen- und somit nicht das Risiko eingehen, auf Ablehnung zu stoßen.

Insofern helfen Ihnen Ihre Mordfantasien, mit Ihrer Schüchternheit umzugehen. Sie selbst können sich trotz Ihrer Schüchternheit stark fühlen.

Langfristig werden Sie aber andere Konzepte benötigen, um mit Ihrer Schüchternheit umzugehen. Schüchternheit läßt sich überwinden- auch da könnte Ihnen Ihr Therapeut gut weiterhelfen.

Eine mögliche Strategie wäre zum Beispiel, wenn Sie den Small Talk mit dem weiblichen Geschlecht erst einmal mit anderen Mädchen üben, bei denen Ihnen nicht gleich eine solche Gefühlslawine entgegenkommt.

Wenn es Ihnen zum Beispiel gelingen sollte, am besten sogar mit einigen anderen Jungen gemeinsam, ein paar Mädchen zu gemeinsamen Unternehmungen zu gewinnen (z.B. Kino, Tanzschule…), dann wird Ihnen die Barriere zum weiblichen Geschlecht schon bald nicht mehr so hoch erscheinen.

Und ich bin mir ziemlich sicher: Wenn Sie mit Ihrem ersten Mädchen tatsächlich zusammen sind, werden Sie andere Fantasien haben, als sie ermorden zu wollen.

Wenn Sie dazu Fragen haben oder Ihr Problem sich nicht bessern will, können Sie sich jederzeit wieder an mich wenden.

Herzliche Grüße
Mausklick deaktivieren © M.Petery.
Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

PS:
Vgl. auch den Beitrag Sexuelle Zwangsgedanken- wie wird man sie los?

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