Archiv der Kategorie: Erektionsstörung und Erektionsprobleme

Übersicht über alle Artikel zum Thema „Erektionsstörung – Erektionsprobleme“ in der Sexualtherapie

Erektionsstörung und Erektionsprobleme

Erektionsstörungen und Erektionsprobleme können eine große Belastung darstellen: nicht nur für den Mann, der daraus eine regelrechte Versagensangst entwickeln kann, die jede Freude an spontaner Sexualität zerstört- sondern auch für die Frau, wenn ihr dadurch die Möglichkeit genommen ist, im Koitus einen eigenen Orgasmus zu erleben.

Eine Sexualtherapie kann helfen, mögliche Versagensängste abzubauen. Insbesondere kann eine Sexualtherapie dabei helfen, eine möglichewrweise sehr eng gefaßte Vorstellung von der Sexualität zu erweitern, nach der die Partner nur im Akt des Koitus ihren Organsmus erleben dürfen. Viele Erektionsstörungen können dadurch aufgelöst werden, dass die Partner im Rahmen einer Sexualtherapie neue und befriedigerndere Formen der Sexualität entdecken.

Erektionsstörung? Erektionsprobleme?

Wichtig:

Erektionsstörungen haben zwar fast immer ausschließlich psychische Ursachen, die im Rahmen einer Psychotherapie gut zu behandeln sind. Erektionsstörungen können aber auch ein Hinweis auf eine ernsthaftere Erkrankung sein (z.B. Diabetes). Deshalb ist unbedingt eine ärztliche Untersuchung nötig, um solche körperlichen Ursachen ausschließen zu können.

Häufig gelesene Artikel hier im Blog zum Thema

Vorgetäuschter Orgasmus beim Mann- Sex Education Staffel 1 Folge 1

Vorgetäuschter Orgasmus beim Mann, Fake Orgasmus beim Mann
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Ein vorgetäuschter Orgasmus beim Mann- so beginnt die Kultserie Sex Education Staffel 1 Folge 1

Ein vorgetäuschter Orgasmus beim Mann- das klingt definitiv ungewöhnlich. Und genau mit dieser Szene beginnt die Netflix-Serie Sex Educaton Staffel 1 Folge 1 schon im Vorspann (unbedingte Filmempfehlung!!!)

Adam, Sohn des überstrengen und pedantischen Schulrektors, hat Sex mit seiner Freundin Aimee, schafft es aber nicht zu kommen. Nachdem sie sichtlich ihren Orgasmus genießt (oder vielleicht auch nur sehr gut vortäuscht???), müht er sich um ein lustvolles Stöhnen, das allerdings so unbeholfen klingt, dass ihn seine Freundin zur Rede stellt. Er leugnet erst noch, dann aber prüft sie das Präservativ: und siehe, da ist absolut nichts gekommen.

Das ist sehr peinlich für ihn: schließlich ist er stolz auf seinen Ruf, sein erregter Penis habe die Größe und den Umfang von zwei aufeinandergestellten Bierdosen. Aus Verzweiflung wirft er sich mehrere Tabletten Viagra ein, was ihm aber auch nichts bringt, da seine Freundin keinen Sex mehr mit ihm haben möchte.

Und damit ist er ein Fall für den etwas unbeholfenen Otis, der darunter leidet, Sohn einer ziemlich oberpeinlichen Sex- und Paartherapeutin zu sein. Er erklärt Adam auf der Schultoilette, dass es wohl vor allem an der von ihm selbst aufgebauten Erwartungshaltung daran liegt, warum er beim Sex so versagt.

So gestärkt, holt Adam zum Befreiungsschlag aus: in der Schulmensa besteigt er einen Tisch, entblößt sich und zeigt aller Welt die reale Schwanzgröße: nicht riesig, aber durchschnittlich und völlig in Ordnung. Das trägt ihm zwar einen Arrest durch seinen Vater ein- gleichzeitig aber funktioniert er wieder- und das Thema vorgetäuschter Orgasmus beim Mann gehört der Vergangenheit an.

Vorgetäuschter Orgasmus beim Mann- Anmerkungen aus sexualtherapeutischer Sicht

In meiner eigenen Praxis ist mir zwar noch kein Mann begegnet, der einen Orgasmus vortäuscht- das ist, wie die Szene aus Sex Education zeigt, auch nicht so leicht möglich wie bei einer Frau, da ein gelungener männlicher Orgasmus notwendigerweise auch sichtbare Spuren hinterlässt…

Ein häufiges Thema in der Sexualtherapie ist weniger ein vorgetäuschter Orgasmus beim Mann, sondern die oft auch bei jungen Männern ausbleibende Erregung, mangelnde Standfestigkeit oder das völlige Ausbleiben des Orgasmus. Wenn so etwas häufiger passiert, dann ist es sinnvoll, sich körperlich beim Urologen untersuchen zu lassen. Es könnte eine körperliche Krankheit die Ursache für die Erektionsstörungen sein. Das muss logischerweise ausgeschlossen sein, bevor ich mir psychotherapeutische Hilfe hole.

Und auch eine zweite mögliche körperliche Ursache für Erektionsprobleme sollte ausgeschlossen werden: die negative Wirkung von Alkohol und Drogen auf die männliche Potenz. Denn was weithin eher wenig bekannt ist: Alkohol und Drogen können kurzfristig die Hemmschwelle senken und durchaus auch die Lust steigern. Mittelfristig sind Alkohol und Drogen allerdings die absoluten Lustkiller, genauso auch wie Nikotin, das nach jahrelangem Konsum zu kompletter Impotenz führen kann.

Unrealistische Vorstellungen vom Sex durch Pornokonsum

Wenn alle körperlichen Ursachen ausgeschlossen sein, kann eine Sexualtherapie helfen, dass ein vorgetäuschter Orgasmus beim Mann gar nicht erst nötig ist.

Und da geht es dann um die möglichen psychischen Ursachen, z.B. um eigene Ideale und Normen beim Sex, die mit der Lebenswirklichkeit oft nur wenig zu tun haben. Das ist gerade bei jungen Männern häufig der Fall, die oft schon Jahre mit Hilfe von Internetpornos onaniert haben, bevor der erste „richtige“ Sex mit einer Frau stattfindet. Dadurch kann sich die Erwartungshaltung aufbauen, auch bei einem selbst müsse der Sex so wie im Pornofilm stattfinden: mit riesiger Erektion, unendlicher Durchhaltekraft und finalem Abspritzen. Dass fast alle Pornofilme Zusammenschnitte aus mehreren Drehtagen sind und Zusammenschnitte besonders geiler Momente sind, ist den Zuschauern in der Regel gar nicht klar.

Damit will ich Pornos nicht grundsätzlich schlecht reden: ein Porno, der gut gemacht ist und ohne sexuelle Ausbeutung produziert wurde, kann so etwas sein wie ein schönes Märchen für Erwachsene. Ein Problem entsteht erst dann, wenn ich solche Sex-Märchen für bare Münze nehme und mein eigenes Sexualverhalten an solcher Vorlage messen will.

Das Problem der One-Night-Stands

Ein weiteres typisches Problem bei jungen Männern ist, das erste sexuelle Erfahrungen oft außerhalb von Beziehungen durch One-Night-Stands oder sogar im Rahmen eines Bordellbesuchs gemacht werden. In beiden Situationen wird der Performance-Druck geradezu unermesslich hoch, nach dem Motto: Heute Abend muss der Sex klappen, inklusive rascher und lang genug anhaltender Erektion und abschließenden Orgasmus. Oder es klappt eben nicht, was dann einer gefühlten Katastrophe gleichkommt.

Besonders schlimm wird das Problem, wenn dann auch die Frau enttäuscht ist und den ausbleibenden Orgasmus des Mannes auf sich bezieht: „Findest du mich wirklich so wenig attraktiv, dass du heute Abend bei mir nicht kommst?“ Oder, noch schlimmer: die Frau geht in ihrer Frustration zum Gegenangriff über und wird beleidigend: „Glaub ja nicht, dass du bei mir noch einmal anzukommen brauchst, wenn sich da unten so wenig tut…“

Vorgetäuschter Orgasmus beim Mann: Abhilfe durch Selbstbewusstseinstraining

Solche Situationen kann sich ein Mann am besten dadurch ersparen, dass er sich ein gesundes Selbstbewusstsein aufbaut. Dass die körperliche Performance -auch bei jüngeren Männern- mal besser und mal schlechter ist, ist biologisch völlig normal und eigentlich gar keiner besonderen Erwähnung wert.

Schwierig ist nur, wenn der Mann seinen eigenen Selbstwert ausschließlich über seine sexuelle Performance zu einem bestimmten vorgegebenen Zeitpunkt definiert. Denn es kann eben sein, dass genau dieser Zeitpunkt „nicht sein Tag“ ist.

Interessanterweise definieren Männer und Frauen die männliche Potenz höchst unterschiedlich. Männer sehen ihre Potenz vor allem im körperlichen Funktionieren; Frauen beschreiben starke Männer dagegen vor allem als starke Persönlichkeiten, die selbstbewusst sind, Verantwortung übernehmen können und in einer Beziehung verlässlicher Partner sind.

Wenn ich als Mann meine Attraktivität nicht nur über das sexuelle Funktionieren definiere, sondern auch durch mein Einfühlungsvermögen, durch meine Begeisterungsfähigkeit und manchmal auch durch die Fähigkeit, mich als völlig normal darstellen zu können- dann habe ich die entscheidenden Voraussetzungen dafür gefunden, ein guter Freund und vielleicht sogar ein guter Lebenspartner und Ehemann zu werden- und es ganz bestimmt niemals nötig zu haben, als Mann einen vorgetäuschten Orgasmus produzieren zu müssen.

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Ursachen für Erektionsprobleme

Ursachen für Erektionsprobleme

Ursachen für Erektionsprobleme de.123rf.com/photo_23486780 Rommel Canlas

Psychische Ursachen für Erektionsprobleme

Ursachen für Erektionsprobleme- es gibt viele verschiedene Faktoren, die mit hineinspielen. Das reicht von rein körperlichen und medizinischen Ursachen über Stress und äußere Belastungen bis hin zu Ängsten, Depressionen und Folgen traumatischer Erlebnisse wie etwa sexuellem Missbrauch.

Es ist also sehr wichtig, nicht gleich sofort mit irgendeinem Therapieverfahren zu starten (wie z.B. der häufig empfohlenen SqueezingTechnik), sondern zunächst einmal eine gründliche Diagnostik vorzunehmen, welche Ursachen für die Erektionsprobleme eigentlich verantwortlich sind.

Und je nachdem, welche Ursache zugrunde liegt, kann die Therapie sehr unterschiedlich aussehen: Bei Depressionen ist Verhaltenstherapie angesagt, die insgesamt zu einer stärkeren Aktivierung des Klienten führt (und möglicherweise auch die Verschreibung eines Antidepressivums durch einen Arzt). Bei einem zugrunde liegenden Trauma dagegen kann nur Psychotherapie helfen- weder körperliche Übungen noch Medikamente werden hier groß etwas bewirken.

Ursachen für Erektionsprobleme (1):
Körperliche Ursachen und Diagnostik

Bluthochdruck, Cholesterin, Testosteronmangel, Diabetes- all das können medizinische Gründe sein, warum ein Mann Erektionsprobleme hat. Deshalb ist der erste Schritt immer der Gang zum Arzt (Urologe), um mögliche körperliche Ursachen abzuklären.

Denn die beste Psychotherapie nützt nichts, wenn z.B. Bluthochdruck die Ursache für die Beschwerden ist. Da ist es wichtig, die entsprechende Grunderkrankung zu behandeln- und wenn diese Erkrankung behandelt ist, nehmen in der Regel auch de Erektionsprobleme ab.

Das Ergebnis einer medizinischen Beratung kann sein, dass ein bestimmtes Medikament wie etwa ein PDE-5-Hemmer (z.B. Viagra) zur Behandlung der Erektionsprobleme eingesetzt wird. Viagra ist aber kein Wundermittel, dass aus jedem Mann einen Casanova macht- Viagra kann helfen, um die Blutzufuhr des Schwellkörpers zu erleichtern und damit die Erektion zu stärken.

Ein solches Medikament bringt aber nur dann etwas, wenn eine körperliche Störung dieser Blutzufuhr tatsächlich die Ursache für die Probleme ist. Bei allen anderen Ursachen hilft Viagra nicht- oder nur durch den Placebo-Effekt- eine rein psychische Wirkung: Allein dadurch, dass man glaubt, eine Wunderpille im Bauch zu haben, wird das Selbstvertrauen größer und dadurch auch die Erektion einfacher.

Der Gang zum Arzt kann sich aber auch aus umgekehrten Grunde lohnen: Es gibt zahlreiche Medikamente, die als Nebenwirkung Ursache für Erektionsprobleme sein können (vgl. dazu den Fachartikel im Ärzteblatt „Medikamente als Verursacher sexueller Dysfunktionen“). Hier kann der Arzt eventuell auf andere Medikamente umstellen, die diese Nebenwirkung nicht haben.

Ursachen für Erektionsprobleme (2):
Die psychologische Diagnostik

Wenn körperliche Ursachen für Erektionsprobleme durch einen Facharzt ausgeschlossen bzw. geklärt sind, beginnt die Aufgabe für die Psychotherapie.

Das kann eine entsprechende psychotherapeutische Begleitung sein, wenn die körperlichen Ursachen nicht vollständig geheilt werden können (z.B. in der Nachsorge von Prostata-Operationen). Da geht es dann vor allem darum, Wege zu finden, wie sich trotz möglicherweise gegebenen Einschränkungen trotzdem das Maximum an positiven sexuellen Erlebnissen erreichen läßt.

Weitaus häufiger wird allerdings sein, dass der Arzt überhaupt keine körperliche Ursache für die Erektionsprobleme findet. In diesem Fall ist die Aufgabe des Therapeuten bzw. der Therapeutin, im Rahmen einer psychologischen Diagnostik mögliche Ursachen zu finden und dann aufgrund dieser Diagnostik den geeigneten Therapieplan gemeinsam mit dem Klienten zu entwickeln.

Psychische Ursachen für Erektionsstörungen
Psychische Ursachen für Erektionsstörungen

Im Rahmen des Krankheitenkatalogs der Weltgesundheitsorganisation ICD-10 kommen vor allem folgende psychische Störungsbilder als Ursache für Erektionsstörungen in Frage:

  • F10: Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol
  • F11: Störungen durch Cannabinoide
  • F17.1: Störungen durch Nikotin
  • F32: Depressive Episode
  • F34.1 Dysthymie
  • F 40: Phobische Störung (Angststörungen)
  • F42: Zwangsstörung
  • F43: Reaktionen auf schwere Belastungen (z.B. sexuelle Missbrauchserlebnisse)
  • F45: Somatoforme Störungen
  • F52: Sexuelle Funktionsstörungen, nicht verursacht durch organische Störung oder Krankheit
    • F52.0 Mangel oder Verlust von sexuellem Verlangen
    • F52.1: Sexuelle Aversion und mangelnde sexuelle Befriedigung
    • F52.2: Versagen genitaler Reaktionen inkl. psychogene Impotenz
    • F52.3: Orgasmusstörung
    • F52.4: Ejaculatio Praecox
    • F52.6: Nichtorganische Dyspareunie (nur psychich erklärbare Schmerzen beim Sexualverkehr)

Bei diesem Katalog ist allerdings zu bedenken, dass die unter F10 bis F45 beschriebenen Störungen in der Diagnose vorrangig zu berücksichtigen sind, bevor eine rein deskriptive Diagnose nach F52 vergeben werden kann.

Ursachen für Erektionsprobleme (3):
Angst- und Zwangsstörungen

Sexuelle Ängste und Zwänge gehören zu den häufigen psychischen Ursachen für Erektionsprobleme.

Ein Klassiker ist die sexuelle Versagensangst. Der Mann hat bestimmte Erwartungen an seine sexuelle Leistungsfähigkeit, die sehr hoch oder vielleicht sogar völlig unrealistisch sind.

Oft stehen hier Vorstellungen vom sexuellen Normen im Hintergrund, die völlig unrealistisch sind und eher der Fantasiewelt der Pornoindustrie entsprechen als der Wirklichkeit. Immer wieder gilt es im Rahmen einer Sexualtherapie deutlich zu machen, dass guter Sex nicht notwendigerweise voraussetzt, dass Mann und Frau möglichst zeitgleich im Koitus einen Orgasmus bekommen.

Wenn das die Messlatte für den Sex ist, dann ist der Misserfolg geradezu vorprogrammiert: denn es ist völlig normal, wenn beim sexuellen Zusammenspiel vielleicht nur einer beiden der Partner einen Orgasmus haben möchte. Und es es auch normal, wenn beim sexuellen Zusammenspiel einfach nur die Freude an der gemeinsamen sexuellen Aktivität im Vordergrund steht- ohne dass bestimmte Zielvorgaben erreicht werden müssen.

Gerade solche Zielvorgaben können sich zu regelrechten Zwangsstörungen auswachsen. Kaum beginnt der Sex, beginnen dann auch die Zwangsgedanken im Kopf. Statt den Sex zu genießen, drängen sich Gedanken in den Kopf, die so oder so ähnlich aussehen können:

  • Schaffe ich das diesmal, so zum Orgasmus zu kommen, wie es sein sollte? Nicht zu schnell, aber bitte auch nicht zu langsam…
  • Was denkt meine Partnerin, wenn ich zu schnell komme oder gar nicht? Findet Sie mich dann minderwertig und wird mich verlassen?
  • Bestimmt gab es bei meiner Partnerin andere Männer, die sie viel besser befriedigen konnten! Vielleicht sagt sie nur aus Mitleid nicht, wie sehr sie von mir enttäuscht ist…
  • Bin ich eigentlich wirklich genügend erregt, dass ich zum Orgasmus kommen werde? Oder merke ich schon irgendwelche Anzeichen, dass meine Erregung schon wieder am Abklingen ist?
  • Oder, sozusagen auf der Metaebene: Kann es sein, dass jetzt schon wieder diese Gedanken anfangen, die mich beim Sex ausbremsen? Bin ich wirklich bei der Sache oder kommt da schon wieder diese Angst, die mich ausbremst?
  • Bin ich eigentlich ganz normal, weil es bei mir immer wieder diese Orgasmusprobleme gibt? Kann es sein, dass ich vielleicht eigentlich homosexuell bin? (Anm: das ist ein Klassiker negativer Gedanken beim Sex, der mit Homosexualität nichts zu tun hat, vgl. meinen Artikel über HOCD)

Sobald solche Gedanken das Ruder im Hirn übernehmen, kann der Sex keinen Spass mehr machen- die Sexualhormone werden ausgebremst, die Erregung geht zu Ende. Mit solchen Gedanken habe ich das Hier und Jetzt des sexuellen Zusammenspiels bereits innerlich verlassen- und das, obwohl der eigentliche Sex mit der Partnerin noch am Laufen ist.

Neben solchen Zwangsgedanken, die aus sexuellen Normen und unrealistischen Zielvorgaben herrühren, können natürlich auch frühere traumatische Erlebnisse sich negativ auf die Freude an der Sexualität auswirken, insbesondere Missbrauchserfahrungen. Das kann dazu führen, dass ich auch im Rahmen der Sexualität mit einem Menschen, den ich eigentlich liebe, in bestimmten Punkten immer wieder an stark angstbesetzte Erlebnisse erinnert werde- und damit in die alte Angst abgleite. Und Angst ist der Lustkiller schlechthin.

Dabei muss ein solches traumatisches Erlebnis von außen nicht unbedingt sehr dramatisch aussehen. Es reichen auch kleinere Vorfälle, um einen Menschen auf dem Gebiet der Sexualität grundlegend zu verunsichern, z.B.:

  • Hänselei und Verspottung als „Schwuchtel“ in der Schulzeit durch Mitschüler
  • Äußerungen im Elternhaus (z.B.: „Aus dir wird nie ein richtiger Mann!“)
  • demütigende Bemerkungen früherer Partnerinnen (z.B. „Mit einem Schwanz wie deinem wirst du niemals eine Frau befriedigen…“)

Immer dann, wenn Zwangs- oder Angststörungen die eigene Freude an der Sexualität beeinträchtigen, ist es unbedingt sinnvoll, sich im Rahmen einer Sexualtherapie Hilfe und Unterstützung zu holen.

Ursachen für Erektionsprobleme (4):
Depressionen

Ebenfalls eine sehr häufige Ursache für Erektionsprobleme sind depressive Episoden, die den Betroffenen oft selbst noch nicht aufgefallen sind.

Typische Grundsymptome sind Antriebsarmut, Interessenverlust und depressive, pessimistische Stimmung. Aber diese Grundsymptome müssen nicht zwingend gleichzeitig und klar erkennbar auftreten. Es kann auch sein, dass bei einer Depression körperliche Symptome wie etwa Erektionsprobleme in den Vordergrund treten und den Schwerpunkt der subjektiven Beschwerden bilden.

Weil eine Depression oft nicht leicht zu erkennen ist, ist eine genaue Diagnostik durch einen Arzt oder Therapeuten sehr wichtig. Bei Erektionsstörungen sollte immer darauf geachtet werden, ob nicht eine depressive Episode der eigentliche Grund ist.

Denn falls eine Depression vorliegt, hat eine Therapie nur dann Sinn, wenn die Ausheilung der Depression vorrangiges Therapieziel ist. Nach den Ergebnissen der neueren Depressionsforschung hat jede Depression zwar psychische Ursachen, das Krankheitsbild selbst liegt aber in einer Störung des Hirnstoffwechsel (insbesondere des Neurotransmitters Serotonin) begründet: Durch psychische Belastungen ist das Hirn dazu gekommen, unzureichend Serotonin zu bilden- und der Teufelskreis der Depression beginnt, weil für die eigene Serotoninbildung ausreichend Serotonin die Voraussetzung ist.

Aus diesem Teufelskreis hilft bei leichten und mittelgradigen Formen der Depression eine klar strukturierte Verhaltenstherapie, die zum Ziel hat, den Klienten zu aktivieren und Verhaltensweisen zu fordern, die zu einer Verbesserung des Serotoninhaushalts beitragen (z.B. mehr Sport). Ab einem bestimmten Schweregrad ist die Hinzuziehung eines Arztes unumgänglich und die zeitweise Einstellung mit einem Antidepressivum, welches dem Körper hilft, die Eigenproduktion mit Serotonin wieder zu normalisieren.

Allein durch die Ausheilung der Depression können in vielen Fällen auch Erektionsprobleme behandelt werden. Eines der bekanntesten Medikamente bei vorzeitigem Samenerguss, Priligy , ist übrigens chemisch gesehen ein SSRI (Serotoninwiederaufnahmehemmer) und damit ein Antidepressivum.

Ursachen für Erektionsprobleme (5):
Psychische Belastungen und äußere Faktoren

Nicht jeder Mann mit Erektionsproblemen hat psychische Probleme, die im Krankheitenkatalog der ICD-10 (siehe oben) auftauchen. Auch „ganz normale“ psychische Belastungen können Erektionsprobleme verursachen, so etwa Stress am Arbeitsplatz oder in der Partnerschaft.

Sollten solche Belastungen nicht nur an einzelnen Tagen negative Folgen für die Sexualität haben (und dann sicherlich nicht nur für die Sexualität) , ist es wichtig, an der eigenen Work/Life-Balance zu arbeiten. Langanhaltender Stress macht krank- und Probleme beim Sex sind ein Warnzeichen, das ernst zu nehmen ist. Bei Nichtbeachtung der Warnsignale kann sich zum Beispiel aus einer eigentlich nur vorübergehenden Belastungssituation eine Depression entwickeln (oder eine andere körperliche oder psychosomatische Störung

Andere Belastungsfaktoren, die zu psychischen Problemen und zu Erektionsschwierigkeiten führen können, sind u.a.:

  • Schlafmangel
  • schlechte Ernährung
  • zu wenig körperliche Bewegung
  • Belastung durch psychischen Druck (Umzug, neuer Arbeitsplatz, Tod/Krankheit bei Freunden oder Familienangehörigen etc.)
  • Veränderung der Lebenssituation (Heirat, Geburt eines Kindes etc.)

Ursachen für Erektionsprobleme (6):
Alkohol, Drogen und Nikotin

Erektionsstörungen durch Alkohol

Was vielen Menschen erst spät oder sogar zu spät klar wird: Alkohol und Drogen (insbesondere auch THC-Cannabis) haben massive Einwirkungen auf den Serotoninhaushalt und damit auch auf die Sexualität. Kurzfristig wirken solche Substanzen meist anregend und können sogar die sexuelle Libido und Erlebnisfähigkeit steigern.

Diese Wirkung funktioniert durch Raubbau an den eigenen Ressourcen. So erwingen Alkohol und Cannabis die Ausschüttung von Serotonin in solcher Menge, dass der Körper in den Folgetagen und -wochen unterversorgt sein kann („Katerstimmung“). Die Stärke dieses negativen Effekts ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und kann sich im Laufe eines mehrjährigen Abusus deutlich verstärken.

Die körperliche Schädigung kann im Extremfall sogar irreversibel sein, d.h. Heilung ist nicht möglich, sondern nur die Suche, wie mit den Beeinträchtigungen relativ am besten umzugehen ist.

In jedem Fall ist hier suchtmedizinische Beratung erforderlich, möglicherweise eine Suchttherapie mit medizinischer und psychotherapeutischer Begleitung. Es ist definitiv keine Schande, sich hier Hilfe zu holen. Eine Sucht ist kein moralisches Laster, für das ich einen Menschen verurteilen kann, sondern eine schwere Erkrankung, die professionell behandelt gehört.

Rauchen schadet Ihrer Potenz- psychische Ursachen für Erektionsprobleme
Quelle: Amt für Veröffentlichungen der EU (eur-lex.europa.eu)

Nikotin kann die Potenz eines Mannes so sehr schädigen, dass keine Heilung mehr möglich ist. Daher ist für einen Mann, der sich seine Potenz langfristig erhalten will, sehr wichtig, mit dem Rauchen aufzuhören und ggf. auch therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Denn langjähriger Nikotingenuss greift über die Jahre schleichend die Gefäße an und die Arterien verschließen sich. Ein bekanntes Beispiel dafür ist das „Raucherbein“. Aber auch im Bereich der Genitalien kann Rauchen zu Durchblutungsstörungen führen und zu einer Störung der Blutzufuhr in den Penis (der „Raucher-Penis“ ist oft die Vorstufe eines späteren „Raucher-Beins“).

Darüber hinaus kann es durch Rauchen und durch Aufnahme der im Tabak enthaltenen Giftstoffe auch zu einer Schädigung der Muskulatur um den Schwellkörper kommen, was die Blutzufuhr zum Schwellkörper und damit auch die Erektion noch weiter erschwert.

Gute Gründe also auch hier, rechtzeitig zum Arzt zu gehen und sich therapeutische Hilfe zu suchen.

Uesachen
für Erektionsprobleme
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Ejakulationsprobleme
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Impotenz?
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Erektionsprobleme- wenn
die Frau zu kurz kommt
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Vorzeitiger Samenerguss-
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Erektionsstörung
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Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

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Sexuelle Probleme und
psychische Störungen

 

Sexuelle Probleme und psychische Erkrankung

Sexuelle Probleme und psychische Störungen

Der Sex und die Psyche: Sexuelle
Probleme und psychische Störungen

Viele sexuelle Probleme sind Folge von psychischen Erkrankungen. Sexualität ist ein zentrales Element im Wesen des Menschen- von daher ist nicht besonders erstaunlich, dass sich psychische Störungen und Erkrankungen oft zuerst als ein sexuelles Problem bemerkbar machen.

Nicht jedes sexuelle Problem
ist Folge einer psychischen Erkrankung

Das soll natürlich nicht heißen, dass jedes sexuelle Problem automatisch Folge einer psychischen Störung ist. Genauso häufig gibt es auch andere Ursachen wie zum Beispiel die Erziehung in der Herkunftsfamilie. Hier können Probleme entstehen, wenn die eigene Sexualität und das von sich selbst erwartete Rollenbild nicht zusammenpassen: so kommen immer wieder Männer zu mir in die Praxis, die Homosexualität irgendwo verwerflich oder schmutzig finden- und das, obwohl sie selber homosexuell sind.

Auch sexuelle Probleme in einer Partnerschaft liegen in der Regel nicht an psychischen Störungen von einem oder beiden Partnern, sondern daran, das in den wechselseitigen Erwartungen und Bedürfnissen unterschiedliche Vorstellungen vorliegen, die den beiden Partnern oft nicht bewusst sind und erst im Verlauf einer Paartherapie deutlich werden.

Sexuelle Probleme und psychische Störungen: die häufigsten Krankheitsbilder

Es ist also Vorsicht geboten, bei vorliegenden sexuellen Problemen sofort auf eine psychische Erkrankung zu schließen. Umgekehrt macht die Sache mehr Sinn: Viele psychische Erkrankungen haben Folgen, die sich auch auf sexuellem Gebiet auswirken.

1. Depression

Die Hauptanzeichen einer depressiven Erkrankung sind Antriebslosigkeit, Interesseverlust und depressive Symptomatik. Zu den häufigen Nebensymptomen zählt bei Männern und Frauen aber auch die Abschwächung oder der völlige Verlust der Libido.

Das kann sich bei Männern Potenzschwäche oder Erektionsstörung bemerkbar machen, bei Frauen als Vaginismus (Scheidentrockenheit) oder Unfähigkeit zum Orgasmus (Frigidität). Eine Depression kann aber auch dazu führen, wahllos Sex zu haben, ohne ihn überhaupt gewollt zu haben.

2. Suchtkrankheiten:
Drogen, Nikotin und Alkohol

Eine Suchterkrankung hat erhebliche Folgen für die eigene Sexualität und kann sexuelle Probleme und psychische Störungen verursachen. Viele Drogen führen zu einer Steigerung des Sexualtriebs und einer gestörten Impulskontrolle.

Unter Drogeneinfluss kommt es häufiger zu ungeschütztem und daher auch gesundheitlich gefährlichem Sex oder zu Wahllosigkeit in Bezug auf die Sexualpartner/innen.

Diese Wahllosigkeit kann sich bei Männern so weit entwickeln, dass sich die sexuelle Leidenschaft gleichermaßen auf beide Geschlechter richtet- und das, obwohl die Betroffenen ohne Drogeneinwirkung eindeutig heterosexuell veranlagt sind.

Ebenfalls nach Cannabis-Konsum treten nach meinen eigenen Erfahrungen mit Patienten vor allem bei jüngeren Männern häufiger homosexuelle Zwangsgedanken auf, bei denen sich die Betroffenen permanent hinterfragen, ob sie nicht homosexuell sein könnten. Diese Zwangsgedanken werden als extrem unangenehm erlebt (ganz im Gegensatz zu homosexuellen Tagträumen bei Männern, die tatsächlich homosexuell veranlagt sind).

Typische Folgen von jahrelanger Nikotin-Sucht sind neben dem allgemein bekannten gesteigerten Risiko für Krebserkrankungen vor allem der Verlust der Libido mit der Folge von Erektionsschwierigkeiten und Impotenz bei Männern bzw. Verlust der Orgasmusfähigkeit bei Frauen (Frigidität).

Eine Alkoholkrankheit kann je nach Krankheitsstadium sowohl zu einer Steigerung des sexuellen Verlangens führen (das oft bei gleichzeitiger Unfähigkeit zu Erektion oder Orgasmus) oder, vor allem in fortgeschrittenem Stadium, zum teilweisen oder völligen Verlust der Libido. Im Rahmen einer Partnerschaft führt die Alkoholkrankheit zu unbegründeten Gewaltausbrüchen gegenüber dem Partner, die häufig zu Trennung und sozialer Isolation führen. Weitere Infos unter Kenn Dein Limit.

3. Sexuelle Probleme und psychische Störungen
bei Trauma und Missbrauch

Traumatische Erfahrungen auf sexuellem Gebiet (Erlebnisse von Missbrauch und/oder Vergewaltigung in Kindheit und/oder Erwachsenenalter) können zu psychischen Erkrankungen führen. Eine häufige Folge ist eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), deren Symptome oft erst Jahre nach dem traumatischen Erlebnis deutlich werden. Typisches Kennzeichen sind Erinnerungslücken in Bezug auf das Trauma bei gleichzeitiger ständiger Präsenz des Erlebnisses. Diese Spannung kann zu dissoziativen Zuständen führen, also dem Auseinanderfallen von Elementen der Wahrnehmung, des Bewusstseins, des Gedächtnisses, der Identität und der Motorik.

Auf sexuellem Gebiet kann ein Trauma zu Vermeidungsverhalten führen (Vermeidung von Situationen, die zu Sex führen könnten, bis hin zu vollständiger sozialer Isolation) oder zu vollständigem Verlust von Libido und Orgasmusfähigkeit.

4. Zwangsstörungen:
Zwangsgedanken und Zwangshandlungen

Zwangsgedanken kommen auf sexuellem Gebiet sehr häufig vor.

Das können katastrophisierende Gedanken sein wie zum Beispiel, dass der geliebte Partner bzw. die geliebte Partnerin einen schon bald verlassen wird- ohne dass es dafür in der Wirklichkeit irgendwelche tatsächlichen Hinweise gibt. Das kann auch umgekehrt die quälende Angst sein, man selber könnte plötzlich nichts mehr für seine/n Partner/in empfinden- und das, obwohl im Augenblick in der Partnerschaft alles in Ordnung ist.

Möglich sind auch andere quälende Gedanken, wie etwa die ständige bildhafte Vorstellung, wie der Sex des eigenen Partners bzw. der eigenen Partnerin mit vorherigen Exfreundinnen bzw. Exfreunden ausgesehen haben könnte.

Bei (heterosexuellen) Männern findet sich außerdem sehr häufig der Zwangsgedanke, „eigentlich“ homosexuell und damit unfähig zur Partnerschaft mit einer Frau zu sein.

Ein Beispiel für eine sexuelle Zwangshandlung wäre der permanente Drang, sich pornografische Videos ansehen zu müssen, auch wenn keine sexuelle Erregung besteht und dieser Drang als unangenehm empfunden wird..

5. Angststörungen

Auch Angst ist ein häufiges Thema in der Sexualtherapie. Zu beachten ist, dass Menschen mit Angststörungen selbst häufig die Angst gar nicht als das Hauptsymptom erkennen und vor allem körperliche Symptome erleben wie z.B. Schwindelgefühle, Herzrasen, Magenschmerzen etc.

Eine Angststörung bzw. phobische Störung liegt immer dann vor, wenn

  • die Angst der Situation nicht angemessen ist
  • die Angst länger deutlich anhält als die angsterregende Situation andauert
  • die besondere Form der Angst nicht erklärbar und beeinflussbar ist
  • die Angst zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität führt
  • die Angst zu Einschränkungen im Kontakt mit anderen Menschen führt.

Auf sexuellem Gebiet gibt es vor allem die Versagensangst, die im Extremfall dazu führt, dass Betroffene sexuelle Begegnungen grundsätzlich vermeiden. Dazu kommen spezielle Formen der Angst wie etwa Gymnophobie, also die Angst, selber nackt zu sein oder andere Menschen nackt zu erleben.

6. Sexuelle Probleme und psychische Störungen
bei einer Borderline-Störung

Hauptmerkmal der Borderline-Störung ist eine kaum auszuhaltende innere Anspannung, die sich häufig in selbstschädigendem Verhalten Erleichterung verschafft.

Das können Selbstverletzungen sein (z.B. durch Ritzen), aber auch Hochrisikoverhalten wie Gebrauch von Suchtmitteln, riskantes Autofahren oder eine wenig kontrollierte Sexualität mit wechselnden Partner/innen. (Wobei in letzterem Fall dieses Verhalten gerade bei jungen Frauen auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, sexuell ausgenutzt zu werden.)

Das ist insofern besonders problematisch, da Menschen mit einer Borderline-Störung oft bereits in der Kindheit sexuellen Übergriffen ausgesetzt waren, und sich somit traumatische Erfahrungen der Vergangenheit immer weiter fortsetzen. Vgl. dazu auch das Fallbeispiel Sexuelle Gewaltfantasien bei Frauen.

Menschen mit Borderline-Störung haben häufig eine große Sehnsucht nach einer engen und dauerhaften Beziehung. Da sie in ihrer Kindheit oft nicht erfahren konnten, was die Geborgenheit in einer Familie bedeutet (inkl. aller Aufs und Abs, die im Alltag dazugehören), haben Menschen mit Borderline-Störung oft unrealistische Erwartungen an eine Beziehung. Das zeigt sich in vielen Fällen durch
die Neigung, andere Menschen entweder stark zu idealisieren oder abzuwerten.

Das kann in einer Beziehung dazu führen, dass die Vorzüge des Partners bzw. der Partnerin zunächst völlig überhöht positiv gesehen werden mit der Folge einer um so tieferen Enttäuschung, wenn der Partner bzw. die Partnerin diese hohen Erwartungen später nicht auf Dauer erfüllen kann.

Von daher erklärt sich, dass Beziehungen, auch wenn sie mit großen Erwartungen begonnen wurden, oft nicht sehr lange anhalten- es sei denn, der Partner bzw. die Partnerin bringen sehr viel Verständnis für die Erkrankung auf und schaffen es, die Partnerschaft auf einem mittleren Level zischen Idealisierung und Entwertung zu stabilisieren.

Neben einer speziellen Therapie mit dem Ziel des Spannungsabbaus (und ggf. auch der Traumaverarbeitung) für den Borderline-Patienten bzw. die Borderline Patientin, kann also auch eine paartherapeutische Begleitung sinnvoll sein.

7. Sexuelle Probleme und psychische Störungen
bei Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen sind gemäß der ICD-10, dem Krankheitenkatalog der Weltgesundheitsorganisation, „tief verwurzelte, anhaltende Verhaltensmuster, die sich in starren Reaktionen auf unterschiedliche persönliche und soziale Lebenslagen zeigen.“

In der Regel verspüren Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung selbst nur geringen Leidensdruck- ihre Umwelt oder ihre Partnerinnen oder Partner dafür umso mehr. Rein statisch ist jede fünfte Partnerschaft betroffen.

Vgl. dazu den ausführlichen Beitrag über Perönlichkeitsstörungen in der Partnerschaft.

8. Weitere Störungsbilder

Hierzu gehören z.B. Störungen im Bereich des Autismusspektrums.
Auch wenn Autisten Schwierigkeiten haben, Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen, haben sie trotzdem sexuelle Bedürfnisse, die in der Regel durch Masturbation befriedigt werden.

Hier kommt es auf eine behutsame Sexualerziehung an, welche den Betroffenen nichts aufdrängt (und keinesfalls sexuell ausbeutet!), gleichzeitig aber auch vor Situationen schützt, die ihnen schaden (Masturbation in der Öffentlichkeit, Verletzungen durch Einsatz ungeeigneter Gegenstände bei der Masturbation).
Vgl. dazu den Aufsatz zu Sexualität und Autismus von Karin Dreisigacker.

Beim Asperger-Syndrom verspüren Betroffene oft den lebhaften Wunsch nach Partnerschaft und Sexualität. Eine große Schwierigkeit bereitet allerdings das Kennenlernen eines geeigneten Partners bzw. einer geeigneten Partnerin, die Verständnis für die Eigenheiten von Menschen mit Asperger-Syndrom hat (Spezialinteressen, Reizüberforderung bei sozialen Anlässen etc.). Um diese Schwierigkeit zu überwinden, kann eine einfühlsame Therapie sehr hilfreich sein, die darauf abzieht, soziale Skills einzuüben und zu trainieren.

ADHS im Erwachsenenalter kann sich im Bereich Sexualität auf sehr unterschiedliche Art und Weise auswirken. Während Frauen mit ADHS oft erst relativ spät mit Ende 20 ihre Freude an der Sexualität entdecken, haben junge Männer mit ADHS oft ein stark gesteigertes sexuelles Interesse („Hypersexualität„).

Beiden Geschlechtern gemeinsam ist bei ADHS oft eine überdurchschnittliche Experimentierfreude beim Sex und eine große Akzeptanz auch von Partnern, die nicht dem gängigen Idealbild entsprechen. Impulsivität und rasche Stimmungsumschwünge können in der Partnerschaft Beziehungsprobleme bereiten. In solchen Fällen kann eine Paartherapie dazu beitragen, das gegenseitige Verständnis für die jeweiligen Eigenheiten des anderen Partners zu fördern.

Sexuelle Probleme und psychische Störungen: eine Aufgabe für den Spezialisten

Ob eine psychische Erkrankung (Mit-)Ursache für sexuelle Probleme ist oder nicht, ist oft auch für den Spezialisten nicht auf den ersten Blick erkennbar. Deswegen sind spezielle Untersuchungen nötig, um genaue Klarheit zu gewinnen und auf dieser Grundlage das geeignete Therapieverfahren zu wählen (z.B. Verhaltenstherapie oder Gesprächstherapie).

*** *** ***

© M.Petery
Wenn Sie möchten, können Sie sich mit weiteren Fragen gern an mich wenden.

Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

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  • Erektionsprobleme: Erektionsstörung, vorzeitiger Samenerguss
  • Impotenz, Frigidität, Orgasmusprobleme
  • Partnersuche
  • Paartherapie, Eheberatung
  • und vieles mehr.

Erektionsstörung
und Versagensangst

Erektionsstörung

Erektionsstörung und Versagensangst als Teufelskreis

Erektionsstörung?

Erektionsstörung und Versagensangst-
Auch mit der Traumfrau geht nichts

Erektionsstörung
Als Jugendlicher hatte ich nie eine Freundin, mit der es zu richtigem Sex gekommen ist. Dazu dauerten diese Beziehungen nie lange genug.

Das erste Mal Sex hatte ich mit 20 Jahren. Das war ein ziemliches Fiasko, weil ich im Bett einfach keine richtige Erektion hinbekommen habe. Im Nachhinein kann ich mir das schon erklären: Im Grunde paßte diese Frau überhaupt nicht zu mir. Es ging mir eigentlich gar nicht um sie- ich wollte nur endlich meine erste sexuelle Erfahrung machen, und das ist dann gründlich daneben gegangen. Ziemlich peinlich!

Leider habe ich diese Erfahrung dann auch noch ein zweites Mal gemacht, mit einer Kommilitonin, mit der ich eine kurze Affäre hatte. Schon wieder eine blöde Erfahrung.

Jetzt habe ich eine neue Freundin, in die ich mich total verliebt habe. Was für mich richtig furchtbar ist: Auch bei ihr bekomme ich im Bett einfach keine Erektion. Dabei liebt sie mich, sie ist wunderhübsch und unglaublich zärtlich… Aber bei mir tut sich da unten einfach nichts. Das ist total heftig.

Erektionsstörung-
auch ohne körperliche Ursache

An körperlichen Ursachen kann es absolut nicht liegen. Ich onaniere regelmäßig, immer mit einer starken Erektion, ohne alle Probleme.

Wahrscheinlich ist das mittlerweile meine Angst, die mich dermaßen blockiert. Ich kann mich einfach nicht mehr fallenlassen. Sobald es Richtung Bett geht, denke ich nur noch, dass es bei mir nicht klappt und wir keinen Sex haben können.

Bis jetzt hat sie noch richtig viel Verständnis und ist total nett zu mir. Aber ich weiß nicht, ob nicht auch bei ihr der Geduldsfaden irgendwann reißt. Schließlich will sie ja gern Sex mit mir haben, und ich kann ihr das einfach nicht geben.

Ich habe schon nachgedacht, ob ich Viagra nehmen soll. Ob das ein Ausweg ist?

Selbst bin ich mir da nicht sicher. Schließlich hat mein Problem, wie gesagt, hundertprozentig KEINE körperliche Ursache.

Tobias K. (Name geändert)

Erektionsstörung– Belastung für die Beziehung

Hallo Tobias,

obwohl Sie alleine beim Onanieren keine Erektionsprobleme haben, klappt es nicht, wenn Sie sexuellen Verkehr mit einer Frau haben wollen: so schon mit Ihren ersten zwei Bekanntschaften und jetzt wieder mit Ihrer neuen Freundin. Und das, obwohl Sie sehr verliebt sind.

Erektionsprobleme-
Medikamente lösen nur körperliche Probleme

Das Wichtigste vorweg: körperliche Impotenz ist nicht Ihr Problem. Von daher ist es unwahrscheinlich, dass ein Medikament wie Viagra überhaupt eine Wirkung bei Ihnen hat.

Viagra kann durch chemische Prozesse die sexuelle Erregung durch die Förderung der Blutzufuhr in den Schwellkörper des Penisverstärken- Voraussetzung für eine Wirkung ist allerdings, dass diese Blutzufuhr vorher gestört war. Wenn Sie also alleine keine Schwierigkeiten haben, in sexuelle Erregung zu kommen und die Erregung nur in Gegenwart Ihrer Freundin ausbleibt, kann ein Medikament wie Viagra kaum helfen.

Vgl. auch den ausführlichen Artikel: Ursachen für Erektionsprobleme

Erektionsprobleme-
Versagensangst als Ursache?

Da bei Ihnen körperlich offenbar alles in Ordnung ist, hat das Problem bei Ihnen wohl eine psychische Ursache, so wie Sie das schon selbst vermutet haben.

Erektungsstörung und Versagensangst, also die Angst, das es nicht klappen kann, reicht völlig aus, um zu erklären, dass es auch tatsächlich nicht klappt.

Dadurch entsteht ein sich selbst verstärkender Teufelskreis: jedes Mal, wenn es nicht geklappt hat, wird die Versagensangst noch größer. Und wenn die Versagensangst noch größer wird, kann es beim nächsten Mal noch weniger klappen.

Aus einem solchen Teufelskreis von Erektionsstörung und Versagensangst ist es sehr schwierig, ohne therapeutische Hilfestellung herauszukommen. Deshalb lohnt es sich für Sie ganz bestimmt, ein paar Therapiestunden zu nehmen- vielleicht auch gemeinsam mit Ihrer Freundin.

Erektionsstörung und Versagensangst-
Wie eine Sexualtherapie helfen könnte

Eine Sexualtherapie kann gezielt bei Erektionsproblemen helfen, die keine kler erkennbare körperliche Ursache haben.

1. Schritt: Psychischen Druck reduzieren

Ein erster Schritt könnte sein, Ihnen (und Ihrer Freundin) aufzuzeigen, dass Ihr Problem vielleicht gar nicht so riesige Dimensionen hat, wie Ihnen das auf den ersten Blick erscheint.

Wenn Sie selbst sicher sein können, dass es Ihrer Freundin mit Ihnen rundherum gut geht, ganz gleich ob Sie nun bei Ihr eine Erektion bekommen oder nicht, dann wäre das bereits ein erster Schritt, um dem Problem seine Bedrohlichkeit abzunehmen und den psychischen Druck zu reduzieren.

Es könnte also sinnvoll sein, wenn Sie Ihrer Freundin in nächster Zeit ab und an zu einem Orgasmus verhelfen, auch ohne selbst einen Orgasmus anzustreben.

Vielen Männern ist nicht klar, dass es durchaus möglich ist, mit einer Frau gemeinsam Sex zu haben, ohne dabei selbst eine Erektion und einen Orgasmus zu bekommen. Einzige Voraussetzung dafür ist, sich von den Vorstellungen des Normsex zu verabschieden, wonach beim Sex einzig der Koitus mit gemeinsamen Orgasmus zählt.

2. Schritt: an der Versagensangst arbeiten

Ein zweiter Schritt wäre die therapeutische Arbeit an Ihrer Versagensangst. Um hier ein geeignete Vorgehensweise zu finden, ist zuvor eine gründliche Klärung im therapeutischen Gespräch erforderlich. Wichtige Fragen könnten dabei sein:

  • Kennen Sie das Thema Angst auch aus anderen Bereichen Ihres Lebens?
  • Welche Normen gelten für Sie beim Sex?
  • Was würde passieren, wenn Sie Ihre Angst plötzlich nicht mehr hätten?

Parallel zu der inhaltlichen Arbeit am Thema Angst könnte Ihnen der Therapeut auch vorschlagen, Entspannungstechniken zu erlernen, die Ihnen generell helfen, innere Verspannungen aufzulösen.

Wenn Sie dazu weitere Fragen haben, freue ich mich über Ihre Nachricht.

Mit freundlichen Grüßen
© M.Petery.
Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

Uesachen
für Erektionsprobleme
Zum Artikel
Ejakulationsprobleme
Mein Freund kommt nicht
Zum Artikel
Was ist eigentlich
Impotenz?
Zum Artikel
Erektionsprobleme- wenn
die Frau zu kurz kommt
Zum ArtikelErektionsstörung?
Ich will
mehr Sex als sie
Zum Artikel
Vorzeitiger Samenerguss-
Ejaculatio praecox
Zum Artikel
Erektionsstörung
und Versagensangst
Zum ArtikelErektionsstörung?

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Was ist Sexualtherapie eigentlich? Geschichte, Methoden und Praxis

Was ist Sexualtherapie?

Sexualtherapie- Methoden und Praxis
123rf.com 31494994

Sexualtherapie- was ist das eigentlich?

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Die klassische Definition von Sexualtherapie

Die klassische Definition von Sexualtherapie (engl. sex therapy– daher auch im Deutschen manchmal die Bezeichnung Sextherapie) -in Anlehnung an Masters und Johnson, die beiden Pioniere der Sexualtherapie in den 60er Jahren- lautet: Sexualtherapie ist eine Strategie, um die sexuelle Funktionalität zu verbessern und sexuelle Störungen zu heilen.

Typische Aufgabenbereiche für die Sexualtherapie sind demnach die Behandlung von Störungen wie vorzeitiger Samenerguss (ejaculatio praecox), Potenzschwierigkeiten, Erektionsstörungen, Verlust des sexuellen Interesses und Schmerzen beim Sex (z.B. Vaginismus).

In weiterem Sinne kommen zu diesen körperlichen Symptomen dann noch die Therapie ungewöhnlichen oder abweichenden Sexualverhaltens dazu, wie etwa Paraphilien, Unsicherheit über die eigene Geschlechtszugehörigkeit, mangelndes sexuelles Selbstvertrauen oder zu starker Sexualtrieb (Hypersexualität).

Diese Definition von Sexualtherapie ist in mehrfacher Hinsicht problematisch:

  • Letztlich steht nur der Mann und sein körperliches Funktionieren im Vordergrund.
  • „Gesunder, normaler Sex“ wird streng normiert. Das klare Ideal ist der gemeinsame Orgasmus von Mann und Frau im Koitus- andere Formen von Sexualität werden als unreif oder abnorm abqualifiziert.
  • Homosexualität wird -zumindest in den Anfangsjahren der Sexualtherapie- als zu behandelnde Krankheit angesehen.

Diese Vorstellung von Sexualtherapie als Hilfe zur Beseitigung sexueller Funktionsstörungen wie z.B. Erektionsstörungen ist bis heute weithin verbreitet. Viele, auch aktuelle Lehrbücher der Sexualtherapie unterrichten körperliche Übungsmodelle für den Sex, mit denen Schritt für Schritt Mann und Frau zum gemeinsamen Orgasmus im Koitus hinerzogen werden sollen ( so etwa R. Maß, R. Bauer: Lehrbuch der Sexualtherapie, Stuttgart 2016, S.259ff).

Auf dem Weg
zu einer Neudefinition von Sexualtherapie

Die neueste Forschung zum Thema Missbrauch und sexuelle Traumatisierung (vgl. M. Büttner: Sexualität und Trauma, Heidelberg 2017) hat eine Vielzahl psychotherapeutisch relevanter sexueller Störungsbilder aufgezeigt, die weit über Orgasmusprobleme im Koitus von Mann und Frau hinausgehen.

So können zum Beispiel Schmerzstörungen, die nicht die Sexualorgane betreffen, ihren Ursprung in negativen sexuellen Erfahrungen haben. Andere Störungsbilder mit möglicher (Mit-)Ursache im sexuellen Bereich sind dissoziative Störungen, PTBS nach Missbrauchserlebnis, Depressionen, bipolare Störungen, Angststörungen, Zwangsstörungen, Substanzmissbrauch, Alkoholkrankheit, Essstörungen, Persönlichkeitsstörungen und Schizophrenie (Büttner, S.135ff).

Von daher schlage ich folgende Neudefinition von Sexualtherapie vor, wie ich sie selbst in meinem Ausbildungskurs in der Akademie für Sexualtherapie (AKST) unterrichte : Sexualtherapie ist ein psychotherapeutisches Hilfsangebot für Menschen mit Problemen im Bereich Sexualität.

Mit dieser Definition ist die Beschränkung der „klassischen“ Sexualtherapie auf die Behandlung von Schwierigkeiten von Paaren beim Vollzug des Koitus aufgegeben. Gleichermaßen ist Sexualtherapie nach dieser Definition kein körperliches Trainingsprogramm, welches den Klienten zu besseren oder intensiveren sexuellen Erfahrungen verhelfen könnte.

Sexualtherapie:
Das breite Spektrum der Angebote

Sexualtherapie ist in Deutschland (bis jetzt) kein geschützter Begriff, so dass sich mit „Sexualtherapie“ die unterschiedlichsten Konzepte und Methoden verbinden.

Das geht von universitärer Forschung bis hin zu Tantra-Gruppen-Seminaren mit körperlichen Erotik-Übungen, die mehr im esoterischen als im psychotherapeutischen Bereich verwurzelt sind., sowie Trainingsprogrammen, die durch Masturbationsübungen Abhilfe bei Erektionsstörungen versprechen. Dementsprechend sind auch die Ausbildungen der Therapeuten wie auch die Qualität der Veranstaltungen höchst unterschiedlich.

Wer sich also eine Sexualtherapie wünscht, tut gut daran, sich im Vorfeld zu informieren, was der jeweilige Anbieter eigentlich darunter versteht.

Sexualtherapie: historische Wurzeln

Die Beschäftigung mit Sexualität und den Möglichkeiten, den Umgang mit der eigenen Sexualität zu verbessern, ist so alt wie die Geschichte der Menschheit.

Eine ausgezeichnete Einführung dazu gibt der französische Philosoph Michel Foucoult in seiner „Histoire de la séxualité“ (4 Bände veröffentlicht), deutsch unter dem Titel als „Sexualität und Wahrheit“ erschienen.

Anfänge in der antiken Literatur

Sexualtherapie: Freizügigkeit des Sexuallebens in der Antike
Freizügiger Umgang mit Sexualität in der Antike: Fresko aus Pompeji in der Casa del Centenario

Bereits im antiken Griechenland gibt es zahlreiche Schriften, die sich mit dem Thema „Was ist eine gesunde und lustbringende Sexualität?“ auseinandersetzen, so etwa Platon in seinem-übrigens sehr unterhaltsam zu lesendem- Dialog „Symposion“ (dt. „Das Trinkgelage“) oder Xenophon in seinem Werk „oikonomikos„. Im Zentrum steht hier der richtige Umgang mit der sexuellen Lust, die als prinzipiell kostbares Gut gesehen wird, mit dem aber sorgfältig zu haushalten ist.

Die restriktive Haltung der Kirche

Eine fundamentale Wende im Blick auf die menschliche Sexualität ergibt sich im frühen Christentum. Sexualität, die nicht direkt als Mittel zur Zeugung von Kindern im Rahmen der Ehe erfolgt, wird als Sünde und Abwendung von Gott gesehen, so etwa beim Kirchenvater Augustinus, der als junger Mann ein ausschweifendes Sexualleben führte und in seinen confessiones darüber ausführlich berichtet. Das Ideal ist der Verzicht auf Sexualität, die Keuschheit, wie sie insbesondere von den Amtsträgern der Religion gefordert wird.

Sexualtherapie- die restriktive Haltung der Kirche: Keuschheit als Lebensziel
Hans Memling: Die Keuschheit (Allegorie) 15. Jahrhundert

Diese christliche Sichtweise hat sich im europäischen Raum weithin bis ins 19. und 20. Jahrhundert gehalten, und wird insbesondere von der katholischen Kirche bis heute vehement aufrechterhalten.

Sexualtherapie erscheint in diesem Zusammenhang nur als Erziehungsmodell hin zum Koitus, der ausschließlich in der ehelichen Beziehung zwischen Mann und Frau seine Berechtigung hat. Andere Formen der Sexualität und insbesondere Homosexualität werden abgelehnt.

In evangelikalen Kreisen gibt es bis heute sogenannte „Konversionstherapien“, die homosexuelle Menschen zu Heterosexuellen umerziehen wollen. Solche „Therapien“ richten bei den Betroffenen schwere psychische Schäden an und sollen in Deutschland demnächst gesetzlich verboten werden. Siehe Beitrag Deutschlandfunk vom 19.6.2019.

Die Kritik der Aufklärung

Die Kritik an der rigiden Sexuallehre der Kirche wurde erstmals von den Philosophen der französischen Aufklärung formuliert. Einer der schärfsten Kritiker der kirchlichen Sexualmoral ist Marquis de Sade, der in seinen Werken erstmals Missbrauch durch kirchliche Würdenträger ausführlich (und sehr zynisch) darstellt, beispielsweise in seinem Buch „100 Tage von Sodom„.

Sexualtherapie- die Kritik der Aufklärung an der kirchlichen Sexuallehre (de Sade)
Zeitgenössische Illustration zu De Sade: Kleriker vergewaltigt Beichtkind.

Offiziell verlangt die Kirche Keuschheit und Enthaltsamkeit, tatsächlich ist der Klerus zu den schlimmsten Formen sexuellen Übergriffes fähig. Nicht Restriktion und rigide Moralität führen zum (sexuellen) Glück des Menschen, sondern ein lebensfroher und selbstbewusster Umgang mit Sexualität (vgl. den Roman „Juliette oder die Vorteile des Lasters“ von 1797.

Die Medizin des 19. Jahrhunderts

Die „bürgerliche Wende“ des 19. Jahrhunderts, wie sie etwa Mozart im Finale des Don Giovanni bereits 1787 aufzeichnet, bedeutet eine klare Abkehr von den als zu freizügig empfundenen Ideen der Aufklärung. Sexuelle Prüderie wird zur offen daher getragene Norm (bei gleichzeitiger Verletzung dieser Norm durch massive sexuelle Übergriffe etwa in Schulen, Klöstern oder gegenüber Untergebenen wie z.B. Dienstmädchen).

Jedes öffentlich gezeigte abweichende Sexualverhalten (wie z.B. die von Oscar Wilde gelebte Homosexualität) wird entweder kriminalisiert oder als Folge von geistiger Erkrankung gesehen.

Der Entdecker der Perversion: Richard von Krafft-Ebing
Richard von Krafft-Ebing : Die sexuelle „Perversion“ als Krankheit

Im Bereich der Medizin hat sich in diesem Kontext das Konzept von der sexuellen „Perversion“ entwickelt. Wichtigster Vertreter dieser Schulmeinung ist der österreichische Psychiater Richard von Krafft-Ebing, der 1875  in seinem Buch zur Sexualpathologie männliche Homosexualität als eine Form „verkehrter“, d.h. „perverser“ Sexualität interpretierte, die er als degenerative Erbkrankheit bezeichnete.

Sigmund Freud
und die Behandlung sexueller Störungsbilder

Sigmund Freud als Urvater der Sexuaktherapie
Sigmund Freud- Urvater der Sexualtherapie

Sigmund Freud revolutionierte die medizinischen Theorien des 19. Jahrhunderts durch die Entdeckung, dass psychische Störungsbilder nicht notwendigerweise in einer körperlichen Krankheit begründet sein müssen, sondern die Ursache in eigenen Lebenserfahrungen, insbesondere aus der frühen Kindheit, haben können.

In der Arbeit mit seinen Patientinnen und Patienten (der „Gesprächskur“, aus der sich die spätere Psychoanalyse entwickelte), begegnete Freud eine Vielzahl von Geschichten sexueller Übergriffe.

Freud selbst, der zunächst an den realen Hintergrund dieser Schilderungen glaubte (und damit beinahe die moderne Traumatherapie begründet hätte), gab schließlich aber doch den gesellschaftlichen Erwartungen nach und bewertete solche Schilderungen als kindliche sexuelle Fantasien.

Sexualwissenschaft und Sexualtherapie
in Deutschland im 20. und 21. Jahrhundert

Im liberalen Umfeld der 20er Jahre entwickelte sich Deutschland zu einem Zentrum der Sexualwissenschaft. Magnus Hirschfeld gründete 1919 in Berlin das Institut für Sexualwissenschaft, das neben der Forschung gleichzeitig als Sexualberatungsstelle fungierte.

Magnus Hirschfeld
Magnus Hirschfeld- Pionier der Sexualtherapie

Hirschfeld leistete bahnbrechende Forschungsarbeit, um aufzuzeigen, dass Homosexualität eine gesunde und absolut gleichwertige Form menschlichen Sexualverhaltens neben der Heterosexualität ist. Schon 1931 musste Hirschfeld wegen offener Anfeindungen durch Nationalsozialisten Deutschland verlassen, sein Institut wurde 1933 geschlossen, Archiv und Bibliothek verbrannt.

Nach dem zweiten Weltkrieg gründete der Arzt und Sexualforscher Hans Giese die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS) und 1959 das Institut für Sexualforschung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. In diesem Rahmen wurde in den 70er Jahren das „Hamburger Modell“ der Sexualtherapie entwickelt.

Eine Nachfolgeeinrichtung für das von den Nationalsozialisten zerstörte Berliner Hirschfeld-Instituts entstand erst 1996 nach der Wende mit dem Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin an der Humboldt-Universität. Gemeinsam mit der Berliner Fachgesellschaft – der Deutschen Gesellschaft für Sexualmedizin, Sexualtherapie und Sexualwissenschaft (DGSMTV),- liegt der Schwerpunkt jetzt aber mehr auf Fragen der Sexualmedizin.

Das renommierte Frankfurter Institut für Sexualwissenschaft (gegründet 1973) unter Leitung von Volkmar Sigusch wurde 2010 geschlossen (vgl. den Bericht zur Schließung des Frankfurter Instituts für Sexualwissenschaft in der SZ)- ein Zeichen dafür, dass das Interesse an Sexualwissenschaft und Sexualtherapie in Deutschland deutlich zurückgegangen ist.

Aktuell kommen sexualtherapeutische Themen in allen drei Regelverfahren zur Ausbildung psychologischer Psychotherapeuten (Psychoanalyse, Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch-fundierte Therapie) de facto kaum oder gar nicht vor.

Sexualtherapie gehört nicht zu den Regelleistungen der Krankenkassen. Betroffene müssen Therapiestunden bei freien Therapeuten nehmen und persönlich bezahlen.

Sexualtherapie:
Die bekanntesten heutigen Therapieverfahren

Masters und Johnson

Der amerikanische Arzt William Masters und seine Mitarbeiterin Virginia Johnson revolutionierten in den 60er Jahren die Sexualforschung. Bis heute ist das von Ihnen entdeckte Modell der vier Stufen der sexuellen Erregung eine bahnbrechende Entdeckung der Sexualwissenschaft.

Kritischer werden heute ihre therapeutischen Ansätze gesehen, die Sexualität nahezu ausschließlich auf den gelungenen Orgasmus von Mann und Frau im Koitus reduzierten (vgl. meinen Artikel über Normsex). Dabei handelt es sich um schrittweise praktizierte sexualtherapeutiche Übungen (Sensate Focusing), die vom gegenseitigen Betrachten und Zeigen des nackten Körpers bis hin zum Koitus führen.

Dieses Modell wird bis heute in Abwandlungen weitergelehrt, so etwa im Lehrbuch der Sexualtherapie von Reinhard Maß und Renate Bauer (Stuttgart 2016).

Systemische Sexualtherapie

Hauptvertreter der systemischen Sexualtherapie in Deutschland ist Ulrich Clement. Auch er arbeitet ausschließlich mit heterosexuellen Paaren: „Mein Konzept einer systemischen Sexualtherapie setzt beim Unterschied des Begehrens der beiden Partner an.“ (U. Clement: Systemische Sexualtherapie. Stuttgart 2004, S.8)

Ein wichtiges von ihm entwickeltes Werkzeug ist das „Ideale sexuelle Szenario“ (ISS), in dem jeder Partner seine idealen und egoistischen sexuellen Wünsche aufschreibt und sie -nach eigenem Willen- im Rahmen der Therapie dem Partner gegenüber schrittweise offenlegt.

Das Hamburger Modell

Vielleicht am bekanntesten in Deutschland ist das „Hamburger Modell“ der Sexualtherapie, entwickelt am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf seit den 70er Jahren durch G. Arantewicz und G. Schmidt. Ziel ist vor allem die Auflösung von Erwartungsdruck und Versagensangst, die z.B. zu Erektionsschwierigkeiten und anderen sexuellen Problemen führen können.

Therapeutisch steht die Arbeit mit Paaren im Vordergrund, wobei die praktischen Übungen des Sensate Focusing nach Masters und Johnson für das Hamburger Modell in leichter Abwandlung übernommen wurden.

Störungsbildorientierte Sexualtherapie

Nach meiner eigenen Erfahrung begeben sich heute deutlich mehr Einzelpatienten und Patientinnen in eine Sexualtherapie als Paare. Die Störungsbilder, mit denen KlientInnen in die sexualtherapeutische Praxis kommen, sind deutlich breiter aufgestellt und beschränken sich nicht auf sexuelle Funktionsstörungen wie Erektionsstörungen oder Orgasmusprobleme.

Deswegen berücksichtige ich in meinen eigenen Fortbildungen an der Akademie für Sexualtherapie (AKST) nicht nur die „klassischen“ körperlichen sexuellen Störungsbilder, sondern auch Hypersexualität, sexuelle Zwangsstörungen und viele andere Gründe für sexuelle Probleme und Probleme im Bereich der Partnerschaft.

Mein Vorschlag ist, sich wieder auf die Ursprünge der Sexualtherapie zurückzubesinnen, wie sie von Sigmund Freud und Magnus Hirschfeld entwickelt wurden und die sehr viel stärler auf das Individuum und den Einzelpatienten ausgerichtet waren als das Therapiemodell von Masters und Johnson, das vor allem das sexuelle Funktionieren des Paares in den Blickpunkt genommen hatte.

Wichtig erscheint mir auch, Sexualtherapie nicht ausschließlich als ein Therapieverfahren zu sehen (etwa im Sinne des Sensate Focusing), wo nach festen Vorgaben die Abfolge bestimmter Übungen oder das Durcharbeiten eines vorgefassten Manuals Grundlage der Behandlung werden könnte.

Ich plädiere daher für eine „Störungsbildbezogene Sexualtherapie“, die den Klienten und die Klientin in den Focus stellt und das, was diese als sexuelles Problem in die Praxis mitbringen. Eine genaue Diagnosestellung (nach den Kriterien der ICD-10 und den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation WHO) ist meines Erachtens unverzichtbar, um dann je nach Störungsbild die geeignete therapeutische Methode zu nutzen (z.B. kognitive Verhaltenstherapie, Suchttherapie, Traumatherapie etc.).

Was ist eine sexuelle Störung?

in der sehr von der Medizin geprägten Sicht in den 60erJahren lag der Focus der Sexualtherapie bei den körperlichen sexuellen Funktionsstörungen, also bei der erektilen Dysfunktion (Erektionsstörung), beim vorzeiten Samenerguss (ejaculatio praecox) und beim Vaginismus (Scheidenkrampf).

Therapieverfahren, die in dieser Zeit ihre Wurzeln haben (Sensuate Focusing, aber auch Hamburger Modell) sehen sexuelle Störungen vor allem als ein körperliches Problem, das durch bestimmte Übungen nicht unbedingt geheilt, aber doch gelindert werden kann.

In der Sexualtherapie ist der sehr viel breitere Ansatz bei der Behandlung sexueller Störungen, wie er in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts etwa bei Sigmund Freud oder Magnus Hirschfeld selbstverständlich war, weithin verloren gegangen.

Die verengte Definition „Sexuelle Störung = körperliche Funktionsstörung“ kann nach den neueren Erkenntnissen der Psychosomatik so nicht aufrechterhalten werden.

Körperliche sexuelle Probleme können psychische Ursachen haben: und diese Ursachen (wie z.B. eine depressive Episode) können durch körperliche Übungen nicht zielgerecht behandelt werden.

Daher plädiere ich für eine umfassendere Definition sexueller Störungen: Eine sexuelle Störung ist ein Problem, das einen Menschen oder ein Paar daran hindert, Sexualität genussvoll leben zu können. Eine solche Störung kann sich körperlich und/oder psychisch manifestieren.

Die Notwendigkeit der medizinischen Abklärung bei sexuellen Störungen

Eine wichtige Voraussetzung ist bei allen sexuellen Störungen im Vorfeld jeder Sexualtherapie zu prüfen: Viele Probleme im Bereich der Sexualität haben nicht nur psychische Gründe, sondern auch körperliche Ursachen (z.B. unentdeckte Diabetes). Deshalb ist immer auch die medizinische Seite zu checken, bevor mit einer Psychotherapie begonnen werden kann.

Eine sexualtherapeutische Beratung oder eine Sexualtherapie, die mögliche medizinische Hintergründe außer Acht lässt oder gar von ärztlichen Untersuchungen abrät, ist absolut unverantwortlich.

Die häufigsten sexuellen Störungen
und ihre Ursachen

Nachfolgendes Schema zeigt die häufigsten sexuellen Störungen und sexuellen Probleme, wie ich sie selber bei meinen Klientinnen und Klienten in der Praxis erlebe. Angeführt sind auch mögliche ursächliche Störungen.

So können zum Beispiel körperliche sexuelle Funktionsstörungen, für die es keine medizinische Ursache gibt, die psychische Ursache in Angststörungen, Depressionen, Suchterkrankungen oder Missbrauchserfahrungen haben.

Und je nach Ursache gilt es, ein völlig unterschiedliches therapeutisches Vorgehen zu wählen: So wäre etwa bei einer Depression zunächst ein verhaltenstherapeutisches Aktivierungsprogramm mit anschließender Bearbeitung negativer Kognitionen erforderlich. bei einer Traumafolgestörung infolge von Missbrauch dagegen eine behutsame Form der Traumatherapie, die zuallererst auf die emotionale Stabiliierung des Klienten/der Klientin zielt und dann Schritt für Schritt Umgangsformen mit dem traumatischen Erlebnis vorbereitet.

Störungsbildorientierte Sexualtherapie Dr. Michael Petery

Verbreitung sexueller Störungen

Sexuelle Störungen kommen sehr häufig vor: bei allen Geschlechtern und in allen Lebensaltern. Wahrscheinlich gibt es sehr wenig Menschen, die in ihrem Leben niemals zumindest zeitweise unter einer sexuellen Störung leiden.

Hauptursache für sexuelle Störungen sind neben medizinischen Gründen wie etwa hormonellen Störungen vor allem falsche Vorstellungen über ich selbst und die eigene Sexualität. Insbesondere das Idealbild vom Normsex kann zu einem nicht erfüllbaren Leistungsdruck im Gebiet der Sexualität führen und dadurch sexuelle Störungen auslösen.

Nachdem etwa 10% der Bevölkerung in Deutschland sexuelle Missbrauchserfahrungen in der Kindheit machen mussten, liegt hier eine weitere häufige Ursache für sexuelle Störungen vor, die sich als Sexualangst, aber auch als Hypersexualität äußern kann. Ebenfalls ist nach einem Trauma durch Missbrauch bei Betroffenen ein Leidensdruck durch sadistische oder masochistische sexuelle Wünsche möglich, die als nicht der eigenen Person zugehörig empfunden werden.

Was passiert eigentlich bei einer Sexualtherapie?

Unterschied
Sexualberatung und Sexualtherapie

Sexualberatung und Sexualtherapie (oder auch: Paarberatung und Paartherapie)- das sind Begriffe, die zwar sehr ähnlich klingen, aber etwas völlig anderes bedeuten. Eine Beratung darf jeder und jede frei auf dem Markt anbieten- ohne irgendwelche Ausbildung oder anderen Qualitätsstandards oder formale Voraussetzungen.

Eine solche psychologische Beratung darf aber nur psychisch gesunden Menschen angeboten werden. Beratung kann helfen, äußere schwierigen Lebensumstände besser in den Griff zu bekommen (z.B. organisatorische Schwierigkeiten nach dem Umzug in eine andere Stadt). Wenn es aber nicht um solche äußeren Umstände geht, sondern um psychische Störungen (z.B. Gefühl der Niedergeschlagenheit und Depression nach einem solchen Umzug), dann muss der Berater/die Beraterin die eigene Tätigkeit beenden und zur psychotherapeutischen Behandlung weiterschicken.

In der Praxis ist es so, dass nur sehr wenig psychisch rundum gesunde Menschen eine psychologische Beratung benötigen. Das gilt erst recht im Bereich Sexualität. Wer sexuelle Probleme mit sich oder in der Partnerschaft hat, benötigt also keine Sexualberatung, sondern definitiv eine Sexualtherapie.

Sexualtherapie-
Einzeltherapie oder Paartherapie?

Bei sexuellen Problemen, die ein Paar betreffen, ist es grundsätzlich am besten, beide Partner sind bei der Therapie gleichermaßen dabei.

Es ist vor allem wichtig, dass beide von Anfang an gleichermaßen beteiligt sind. Ein guter Therapeut wird sich die Vereinbarung der allerersten Therapiestunde von beiden Partnern persönlich am Telefon bestätigen lassen, um sicher zu sein, dass hier nicht einer von beiden nur zur Therapiestunde „mitgeschleift“ wird. Denn eine Paartherapie kann nur dann sinnvoll sein, wenn beide Partner sich die Therapie gleichermaßen wünschen.

Natürlich gibt es aber auch Fälle, wo es nicht möglich ist, den Partner für die Therapie zu gewinnen oder wo es um Themen geht, die tatsächlich nur einen Einzelklient bzw. eine Einzelklientin betreffen (z.B. sexuelle Zwangsgedanken). In solchen Fällen ist natürlich eine Einzeltherapie die richtige Lösung.

Ablauf und Setting einer Sexualtherapie:
in der Praxis, am Telefon und Online-Beratung

Grundsätzlich gilt bei einer guten Therapie, dass der Klient bzw. die Klientin mit ihren Wünschen den Vorrang vor starren Ideen von Seiten des Therapeuten haben.

Das beginnt schon beim Setting, also den äußeren Rahmenbedingungen. Der Klient bzw. die Klientin wählen, ob sie jede Stunde lieber persönlich in die Praxis kommen oder ob Gespräche per Telefon oder Video als Online-Beratung für sie passender sind. Verschiedene Studien zur Therapieforschung haben gezeigt, dass es hier keine qualitativen Unterschiede hinsichtlich des Therapieerfolgs gibt. Und viele Menschen sprechen leichter über sexuelle Themen am Telefon als beim direkten Gespräch in der Praxis.

Üblicherweise vereinbare ich mit meinen Klienten und Klientinnen erst einmal eine einzige gemeinsame Sitzung. Danach können wir dann gemeinsam überlegen, ob weitere Sitzungen folgen sollen. Schließlich ist ein gutes menschliches Miteinander die wichtigste Voraussetzung für eine gelingende Therapie (weit wichtiger als die angewendeten Therapieverfahren!), Und nur wenn dieses Miteinander stimmt, macht es Sinn, weitere Sitzungen zu vereinbaren.

Eine gute Diagnostik
als Grundlage der Sexualtherapie

Die erste oder möglicherweise auch die ersten Stunden einer Therapie dienen dazu, eine gute Diagnostik zu unternehmen (psychologische Anamnese) und genau festzustellen, ob bzw. psychische Störungen hinter den sexuellen Problemen eines Einzelklienten oder eines Paares stehen können.

Wichtigstes Werkzeug dazu ist das therapeutische Gespräch, in welchem z.B. nach der Biografie, nach möglichen Vorerkrankungen, nach Besonderheiten in der Herkunftsfamilie gefragt wird. Ergänzend können auch Fragebögen als Hilfsmittel genutzt werden, wie z.B. in der BDI-Fragebogen Becksches-Depressions-Inventar), um das Vorhandensein bzw. den Schweregrad einer Depression beurteilen zu können.

Eine genaue diagnostische Abklärung ist wichtig, um die methodischen Grundlagen für die Therapie zu legen. So ist z.B. bei einer Depression, welche Ursache für Potenzprobleme ist, eine enge Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt notwendig und therapeutisch wird es zunächst um die Bekämpfung der Depression und der oft dazugehörenden negativen Gedanken gehen.

Sollte dagegen eine frühere Missbrauchserfahrung Ursache für aktuelle sexuelle Störungen sein, ist eine behutsame Traumatherapie ein möglicher Weg. Hier ist aber dringend darauf zu achten, nicht zu forsch und nicht zu schnell in der Aufdeckung des Traumas zu arbeiten, so wie das in älteren Therapieansätzen vielfach gemacht wurde. Denn durch therapeutische Hauruck-Methoden kann es zu einer Retraumatisierung (Rückversetzung des Klienten mitten hinein in das frühere traumatische Erlebnis) kommen, welche die Symptome nicht heilt, sondern nur noch weiter verstärkt.

Sexualtherapie auf Krankenkasse?

Leider bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland keine Sexualtherapie und keine Paartherapie, da dies als Problem der persönlichen Lebensgestaltung angesehen wird. Ausnahmen gibt es nur, wenn der Focus auf einer separat diagnostizierten psychischen Erkrankung liegt, wie z.B. einer Depression. Da aber setzt bei Kassenpatienten voraus, dass sie einen freien Therapieplatz bei einem psychologischen Psychotherapeuten mit Kassensitz finden, was in der Praxis oft mit 3-9 Monaten Wartezeit verbunden ist.

Sexualtherapie auf Krankenkasse?

Einige private Krankenkassen, die eine Heilpraktiker-Zusatzversicherung anbieten, übernehmen auch die Kosten für Psychotherapiestunden nach Heilpraktikergesetz (allerdings nicht die gesetzlichen Krankenkassen wie AOK oder Barmer GEK). Hier lohnt es sich, im Vorfeld einer Therapie mit der Krankenkasse zu sprechen.

Viele Klienten und Klientinnen entschließen sich aber auch dazu, eine Sexualtherapie aus eigener Tasche zu bezahlen. Schließlich ist das der sicherste Weg um sicher zu stellen, dass die Behandlung außerhalb der therapeutischen Beziehung unbekannt bleibt und in keinerlei Akten verzeichnet wird.

Ziele einer Sexualtherapie

Eigene sexuelle Bedürfnisse erkennen

Viele Menschen haben Schwierigkeiten herauszufinden und zu formulieren, was ihre eigenen sexuellen Bedürfnisse eigentlich sind. Oft liegt das an rigiden sexuellen Normen, die möglicherweise schon in der Kindheit durch elterliche oder religiöse Erziehung verinnerlicht wurden.

Manche Menschen haben Angst vor eigenen sehr starken sexuellen Fantasien- und glauben fälschlicherweise, dass jeder Mensch seine sexuellen Fantasien früher oder später komplett ausleben werde. Aus Sicht der Sexualtherapie ist es völlig in Ordnung, sich heftigen sexuellen Fantasien hinzugeben, wenn diese Genuss bereiten und niemandem schaden.

Manchmal liegt das Problem mit eigenen sexuellen Bedürfnissen auch an der Vorstellung, Sex müsse immer und über die ganze Lebenszeit gleich verlaufen- und jede Abweichung könnte heißen, sexuell hinter das zurückzufallen, was schon einmal erlebbar und möglich war.

Das ist insofern erstaunlich, als dass etwa beim Essen, einem durchaus vergleichbaren Grundbedürfnis des Menschen, niemand auf die Idee kommen würde, dass ein und der gleiche Mensch immer dasselbe essen müsste. Man kann durchaus hin und wieder mal Appetit auf einen Hamburger haben, obwohl man eigentlich ganz andere kulinarische Spezialitäten als Lieblingsessen hat.

Auf den Sex übertragen heißt das: Es kann Tage geben, an denen ich auf das „große Programm“ mit meinem Partner oder meiner Partnerin Lust habe- und es kann andere Tage geben, wo ich einfach nur kurz zur Entspannung masturbieren will. Und wieder an anderen Tagen möchte ich zwar gerne gestreichelt werden und kuscheln, brauche aber selbst auch in Gegenwart meiner Partners oder meiner Partnerin überhaupt keinen Orgasmus.

Die eigene Sexualität
kennenlernen und wertschätzen

Wenn ich mit meinem Sexualleben glücklich sein will, ist es wichtig, zu wissen, was hier und heute meine eigenen Bedürfnisse sind- so wie es auch im Restaurant schön ist, sich genau das auf der Karte auszusuchen, worauf man gerade besonders Lust hat.

Es ist wichtig, die eigene Sexualität als positiv und passend anzunehmen. Wer als Mann unbedingt so sein will wie ein Pornostar, entwertet seine eigene Sexualität und kann nichts anderes erleben außer Enttäuschungen. (Zumal er sich von einem Traumbild der Pornoindustrie hat täuschen lassen: Pornofilme sind Zusammenschnitte aus vielen Einzelszenen, die oft an mehreren Tagen gedreht wurden- und definitiv kein Abbild der Realität!)

Aus Sicht der Sexualtherapie ist es ein großer Vorteil, selbst masturbieren zu können. Dadurch habe ich Erfahrung mit meinem eigenen Körper und kann immer wieder austesten, was mich auf körperlicher Ebene besonders erregt. Zudem bin ich auf diese Weise ein Stück weit von meinem Partner/meiner Partnerin unabhängig- und nicht komplett darauf angewiesen, sexuelle Befriedigung nur gemeinsam finden zu können. Der gemeinsame Sex ist schöner, wenn er nicht unter dem kompletten Druck der Bedürfnisbefriedigung stattfindet!

Über sexuelle Themen sprechen lernen

Eines der wichtigsten Ziele einer Sexualtherapie ist es, über sexuelle Themen und insbesondere über die eigenen sexuellen Bedürfnisse sprechen zu lernen.

Viele Menschen schämen sich, vor dem eigene Partner, eigene sexuelle Bedürfnisse und Fantasien auszusprechen- oft aus Angst, lächerlich zu wirken oder zurückgestoßen zu werden, manchmal auch, weil die eigenen Bedürfnisse und Fantasien den eigenen Vorstellungen von den eigenen sexuellen Normen widersprechen.

Die Unfähigkeit, eigene sexuelle Bedürfnisse kommunizieren zu können, ist Hauptursache für die meisten sexuellen Probleme. Sogar körperliche Probleme, wie etwa vorzeitiger Samenerguss oder ausbleibender Orgasmus, haben meist die Wurzel in Versagensängsten, die damit zu tun haben, mit dem Partner nicht offen über die eigenen Bedürfnisse sprechen zu können. Hier ist definitiv eine Sexualtherapie gemeinsam mit dem Partner/der Partnerin der richtige Weg, um solche inneren Blockaden aufzulösen.

Sexualität in der Partnerschaft
leben und genießen

Das wichtigste Ziel einer Sexualtherapie ist es, den sexuellen Akt mit dem Partner bzw. der Partnerin genießen zu können.

Diese Ziel bedeutet mehr als nur die Beseitigung körperlicher Fehlfunktionen. Es ist natürlich völlig in Ordnung, wenn eine ausbleibende Erektion durch einen Besuch beim Urologen und die Verschreibung von Viagra gelöst werden kann.

Viagnra und Cialis in der Sexualtherapie
Arzeimittel wie Viagra oder Cialis helfen nicht weiter, wenn psychische Probleme die eigentliche Ursache für Potenzstörungen sind. Bild: 6383665 olegdudko de.123rf.com-

Aber in vielen Fällen liegt das Problem nicht an der Biochemie und kann daher auch nicht mit Tabletten geheilt werden. Hier ist eine Sexualtherapie der einzige Weg, um weiter zu kommen.

Deswegen müssen in einem ersten Schritt mögliche psychische Erkrankungen ausgeschlossen werden, welche direkte Folgen auf die Sexualität haben, wie z.B. Depressionen, Suchterkrankungen, Traumafolgestörungen. In solchen Fällen wird sich die Therapie erst einmal in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt erst einmal diesen Krankheitsbildern widmen- und meist werden die sexuellen Störungen dann im Zusammenhang mit der Heilung der Grunderkrankung von selber wieder verschwinden.

Wenn keine solche psychische Erkrankung im Hintergrund steht, haben die sexuellen Probleme entweder mit eigenen inneren Fehleinstellungen zu tun (siehe die beiden vorherigen Abschnitte) oder sie wurzeln in Konflikten, die in der Partnerschaft selbst liegen.

Mögliche Gründe für sexuelle Probleme können z.B. daran liegen, dass beide Partner feste Erwartungen an ihre „Performance“ haben und jede Abweichung davon als Enttäuschung oder Rückschritt in der Partnerschaft ansehen. Viele Paare haben Schwierigkeiten zu verstehen, dass Sex in der Anfangsphase einer Beziehung, die von der Verliebtheit geprägt ist (und damit auch von sehr viel Blindheit für das tatsächliche Wesen des Partners bzw. der Partnerin) etwas völlig anderes ist als der Sex, der sich im Laufe einer längeren Beziehung entwickeln kann.

Und auch wenn viele dem Sex in der Verliebtheitsphase möglicherweise jahrelang hinterhertrauern- viele Gespräche, diue ich selbst in meiner Praxis geführt habe, zeigen: „richtig guter Sex“ entsteht häufig erst nach mehreren Jahren in der Partnerschaft, wenn beide sich und den anderen rundum kennen und keinerlei Ängste mehr bestehen, miteinander offen und vertrauensvoll über den Sex zu kommunizieren.

Dazu kommt auch der biologische Gesichtspunkt, dass viele Frauen erst mit über 40 in die intensivste Phase sexueller Erregungsfähigkeit in ihrem Leben treten- deswegen ist es sinnvoll, gerade in dieser Zeit miteinander offen im Gespräch zu sein und genau dann vielleicht ganz neue Dinge im Sex auszuprobieren, für die die Zeit vorher noch nicht reif war.

Themen einer Sexualtherapie

Abhilfe bei sexuellen Funktionsstörungen

Der klassische Anlass, eine Sexualtherapie zu beginnen, sind sexuelle Funktionsstörungen wie z.B. erektile Dysfunktion (fehlende oder zu schwache Erektion des Mannes), Orgasmusprobleme bei Mann und Frau, Vaginismus (schmerzhafter Scheidenkrampf bei der Frau).

Wenn hier keine medizinischen Ursachen vorliegen (wie z.B. Hormonstörungen oder Störungen bei Neurotransmittern) sondern nur oder überwiegend psychische Gründe, dann kann eine Sexualtherapie dabei helfen, wieder Vertrauen in das Funktionieren des eigenen Körpers aufzubauen (durch Behandlung möglicher psychischer Störungen, die sich auf die Sexualität auswirken) und durch Gespräche und Übungen gemeinsam mit dem Partner/der Partnerin.

Die sexuelle Orientierung

Ein weiteres Thema in einer Sexualtherapie kann die Frage der eigenen sexuellen Orientierung sein. Es gibt viele Menschen, die sich in der von Ihrer Familie und ihrem sozialen Umfeld erwarteten Rolle als herterosexueller Mann oder heterosexuelle Frau nicht wohl fühlen.

Hier kann eine Sexualtherapie dabei helfen, die eigene Sexualität (z.B. Homosexualität, Transsexualität) besser zu begreifen und Wege zu finden, selbstbestimmt und frei auch im Bereich der Sexualität zu leben, so wie es für den betreffenden Menschen am besten passt.

Häufig geht es hier auch um den Umgang mit Scham und sozialen Ängsten, wie z.B.: Was sagen meiner Eltern/meine Freunde/meine Kollegen dazu, wenn ich mich offen zu meiner Form der Sexualität bekenne und wie gehe ich mit Äußerungen um, die nur wenig Verständnis für mich zeigen?

Umgang mit sexuellen Zwangsgedanken

Von der Frage nach der sexuellen Identität völlig unterschieden ist das Thema „sexuelle Zwangsgedanken“- auch wenn Betroffene häufig das Gefühl haben, es ginge hier um die gleiche Frage.

Sexuelle Zwangsgedanken sind definitionsgemäß Gedanken, die ich als unpassend für mich und als unangenehm empfinde. Typischerweise treten z.B. homosexuelle Zwangsgedanken bei Menschen auf, die in einer prinzipiell zufriedenstellenden heterosexuellen Beziehung leben bzw. zufriedenstellende heterosexuelle Erfahrungen gemacht haben und keine homosexuelle Partnerschaft wünschen.

Häufig entwickeln sich homosexuelle Zwangsgedanken im Rahmen einer depressiven Episode, die biochemisch gesehen ein organisches Problem, nämlich eine Hirnstoffwechselstörung, ist. Weil der Körper die schlechte eigene psychische Befindlichkeit aber nicht als biochemischen Mangelzustand an Serotonin deuten kann, sucht das Hirn nach möglichen Erklärungsmustern und bleibt dann häufig an einem für das Individuum besonders negativen Gedanken hängen. Das kann z.B. die ständige Angst sein, sich öffentlich zu blamieren- oder auch der Gedanke, die eigene Freundin/den eigene Freund verlassen zu müssen, weil man -ohne es zu wollen und ohne das sexuell aufregend zu finden- eigentlich homosexuell sei.

Bei einer solchen Störung sollte die Therapie zunächst einmal auf die Auflösung der Depression zielen (z.B. durch aktivierende Maßnahmen der kognitiven Verhaltenstherapie), und erst danach mögliche Ursachen und Auslöser bearbeiten.

Umgang mit sexuellen Ängsten und Schamgefühlen

Sexuelle Ängste können viele Ursachen haben. Sie können sich als Folge einer rigiden Sexualerziehung entwickeln, können im Zusammenhang einer Selbstwertproblematik stehen oder auch die Wurzel in sexuellen Missbrauchserlebnissen haben.

Sexuelle Ängste können als Angst vor der Nacktheit auftreten (Gymnophobie), aber auch als allgemeine Angst vor körperlicher und psychischer Nähe oder als Angst vor dem sexuellen Akt selbst.

In extremen Fällen können sexuelle Ängste sich steigern bis hin zu einem Ekelgefühl vor der Sexualität insgesamt. Da Ekel biologisch gesehen eine natürliche und gesunde Schutzreaktion ist, kann in solchen Fällen mit großer Sicherheit davon ausgegangen werden, dass eine Traumatisierung durch sexuellen Missbrauch die Ursache für die Ekelgefühle darstellt.

In weniger ausgeprägten Fällen können sexuelle Ängste als übersteigertes Schamgefühl auftreten. Schamgefühle entstehen, wenn die eigene Intimitätsgrenze verletzt wird- wenn wir uns bloßgestellt oder gedemütigt fühlen. Im sexuellen Bereich lassen auch solche Gefühle darauf schließen, dass unsere sexuellen Grenzen in der Vergangenheit nicht geachtet worden sind und uns das Schamgefühl davor schützen will, noch einmal in eine solche Situation zu kommen.

Ein solcher Schutz ist sicher sinnvoll und gut, wenn er uns vor sexuellen Übergriffen warnt, die wir nicht haben wollen. Schwierig ist es aber, wenn die Schamgefühle auch in der sexuellen Begegnung mit einem geliebten Partner oder geliebten Partnerin übermächtig sind und uns daran hindern, sexuellen Genuss zu empfinden.

Eine psychotherapeutische (traumatherapeutische) Behandlung ist in Fällen von Sexualangst, starken Schamgefühlen und sexuellem Ekel unbedingt sinnvoll- denn eine lustvoll erlebte Sexualität ist ein Stück Lebensqualität, auf das wir ansonsten verzichten würden.

Umgang mit negativen sexuellen Erlebnissen und Missbrauchserfahrungen

Wie schon in den voranstehenden Abschnitten aufgezeigt, spielen negative sexuelle Erlebnisse und Missbrauchserfahrung häufig eine Rolle, wenn es um sexuelle Probleme oder sexuelle Funktionsstörungen geht.

Hier ist eine behutsame Diagnostik gefragt, die nicht nur ein Nachforschen um des Nachforschens willen ist, sondern immer den Belastungsgrad des Klienten bzw. der Klientin im Blick hat und die Abwägung, ob und inwieweit das Bearbeiten traumatischer Erfahrungen die gegenwärtige Lebenssituation und sexuelle Zufriedenheit verbessern kann.

Psychotherapeutische Methoden
in der Sexualtherapie

Therapeutische Gesprächsführung

Wichtigste Therapiemethode ist das Gespräch, in dem der Therapeut dem Klienten/der Klientin in wertschätzender Haltung zuhört und einfühlsam und offen auf dem Weg durch die Therapie begleitet.

Dabei ist es der Klient/die Klientin selbst, welche die Inhalte und auch das Tempo bestimmt, wie die Therapie vorangehen soll. Wissenschaftlich ist die Wirksamkeit dieser Grundprinzipien der Gesprächstherapie durch zahlreiche Studien erwiesen.

Behutsamkeit im Umgang mit sexuellen Themen ist unbedingt zu beachten. Brachiale Therapiemethoden, wie sie besonders in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts modern waren und die intensiv auf körperliche Berührungen setzten, haben sich nicht nur als wenig wirksam, sondern häufig sogar als gefährlich erwiesen. Denn gerade im Bereich Sexualität kann es zurückliegende traumatische Erfahrungen geben, die nicht durch brutale Therapiemethoden unvermutet wachgeschüttelt werden dürfen.

Sexualtherapie mit praktischen Übungen

So das im Rahmen einer Therapie sinnvoll ist, können Übungen in der Sexualtherapie eine schöne Ergänzung zu den Therapiestunden ergeben. Körperliche Übungen wie z.B. Sensate Focusing finden allerdings nie in Gegenwart des Therapeuten bzw. in den Praxisräumen statt, sondern werden dem Klienten/der Klientin bzw. dem Paar als Übung mitgegeben.

Eine erste praktiche Übung in der Sexualtherapie kann zum Beispiel die Aufgabe sein, eine Woche lang auf den Koitus zu verzichten und statt dessen intensive Streichelübungen zu machen, um gegenseitig ein neues Körpergefühl zu bekommen und zu lernen, dass körperliche Nähe auch ohne Koitus ein itensives sexuelles Erlebnis sein kann.

In der folgenden Therapiestunde können beide dann die Erfahrungen aus der „Hausaufgabe“ berichten und gemeinsam mit dem Therapeuten überlegen, welche Punkte besonders intensiv und positiv gewesen sind bzw. bei welchen Punkten vielleicht noch Verbesserungsbedarf besteht.

So lernen die Partner von Übung zu Übung sexuelle Bedürfnisse besser ausdrücken zu können- und bis zur nächsten Stunde vielleicht auch besser umzusetzen.

Mixed methods in der Sexualtherapie

Dazu ist es notwendig, dass dem Therapeuten ein breites Spektrum unterschiedlicher psychotherapeutischer Methoden zur Verfügung steht. Ich selber habe sehr gute Erfahrungen mit einer solchen mixed-methods-Herangehensweise gemacht.

Ein sehr wichtiger Punkt ist aus meiner Erfahrung, dass der Therapeut kein vorgefertigtes Programm in der Therapie abspielt, sondern, wie es der Psychiater Irvin Yalom (in seinem Buch „Der Panama-Hut“ einmal formuliert hat, „für jeden Klienten die passende Therapie neu erfindet“.

Je nach Klient und Klientin, aber auch je nach der aktuellen Situation in der Therapiestunde hier und jetzt arbeite ich selber mit Elementen der Gesprächstherapie (Carl Rogers), der Psychoanalyse (Sigmund Freud), der Gestalttherapie (Fitz Perls), der kognitiven Verhaltenstherapie, der Emotionsregulation (in Anlehnung an Ideen aus dem Bereich der dialektisch-behavioralen Therapie nach Marsha M. Linehan ) sowie des Achtsamkeitstrainigs und weiterer Therapiemethoden, die für bestimmte Störungsbilder speziell geeignet sind.

Ganzheitliche Sexualtherapie

Sexualtherapie ist in ihrer Gesamtheit hochkomplex. Auf körperlicher Ebene geht es um die Behandlung körperlicher sexueller Funktionsstörungen wie z.B. Erektionsstörungen oder Scheidentrockenheit.

Aber es wäre aus meiner Sicht ein therapeutischer Fehler, sich nur auf diese körperlichen Störungsbilder zu begrenzen. Genauso wichtig ist es, mögliche psychische Erkrankungen, die im Hintergrund als eigentliche Ursache stehen können, zu erkennen und therapeutisch (und ggf. auch medizinisch) zu behandeln, wie z.B. eine noch unerkannte Depression.

Für mich ist das eigentliche Ziel einer Sexualtherapie die ganzheitliche Sorge für eine glückliches Sexualleben– und dazu gehört nicht nur das gute Funktionieren des Körpers und psychische Gesundheit, sondern auch und vor allem ein gutes Verständnis für sich selbst und für den Partner. In diesem Sinne hat eine Sexualtherapie dann ihr Ziel erreicht, wenn sie zu einer gesteigerten Zufriedenheit im Sexualleben führt und damit zu einer Verbesserung der Lebensqualität des Klienten/der Klientin.

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Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

Gerne berate ich Sie bei allen Themen der Sexualtherapie:

  • sexuelle Probleme aller Art
  • Angst (Versagensangst, sexuelle Ängste…), Depression
  • Beziehungsprobleme, Partnerschaftsprobleme
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  • Erektionsprobleme: Erektionsstörung, vorzeitiger Samenerguss
  • Impotenz, Frigidität, Orgasmusprobleme
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Erektionsprobleme- wenn die Frau ständig zu kurz kommt

Erektionsproblemerektionsprobleme

Erektionsprobleme?

Erektionsprobleme-
Dauererregung und doch kein Sex

Seit einem guten Jahr habe ich einen neuen Freund. Alles eigentlich prima- wir verstehen uns gut, haben viele gemeinsame Interessen, unternehmen viel miteinander… Mir gefällt auch seine Wärme und wie er es schafft, mir jeden Tag zu zeigen, dass er mich liebt.

Der einzige Haken: der Sex.

Seitdem wir uns kennen, hat er Schwierigkeiten, eine richtige Erektion zu bekommen. Egal, ob Handjob oder Blowjob, ich schaffe es nicht, ihn steif zu bekommen. Auch beim Koitus hält er nicht bis zum Orgasmus durch, muss seinen Penis irgendwann herausziehen und es sich selbst besorgen (wobei ihm auch das ein ziemliches Mass an Anstrengung abverlangt). Auf diese Weise komme ich selber beim Koitus nie zum Orgasmus, was mich ziemlich frustriert.

Ich brauche mittlerweile schon etwas Überwindung, um dieses Spiel jedes Mal wieder mitzumachen.

Mit einem solchen Mann das Leben teilen?

Was dazu eigentlich gar nicht passt, ist: Er wünscht sich jeden Tag Sex. Er steht irgendwie unter einer Dauererregung: Ich habe das Gefühl, dass es für ihn schon ausreicht, dass er mich nur sieht- und schon will er Sex. Mir selber würde, selbst wenn es ihm leichter fiele, zweimal die Woche durchaus ausreichen.

Auch wenn ich ihn sonst total gern mag: Richtig vorstellen kann ich es mir nicht, mit so einem Mann mein ganzes Leben zu verbringen. Ich hätte auch Angst, dass mir irgendwann ein Mann über den Weg läuft, der es einfach besser kann als er und dass ich dann nicht Nein sagen kann…

Mein Freund hat bei dem ganzen Rumgetue übrigens anscheinend gar kein Problem. Wenn ich ihm das mit seiner mangelnden Erektion sagen würde, empfände er das bestimmt nur als Kränkung und würde nicht zum Arzt gehen.

Kann das gut gehen, eine Beziehung, in der die Frau permanent sexuell unterversorgt ist? Wie soll man da jahrelang glücklich beieinander bleiben?

Yvonne S. (Name geändert)

Erektionsprobleme-
Grund für Auflösung der Partnerschaft?

Hallo Yvonne,

die Partnerschaft mit Ihrem neuen Freund hat viele gute Seiten: gemeinsame Interessen, viele Unternehmungen, Liebe und Wärme.

Nur beim Sex haben sie das Gefühl, ständig zu kurz zu kommen, da Ihr Freund weder durch Handjob, noch Blowjob, noch Koitus zum Orgasmus kommt, sondern nur durch Selbstbedienung. Sie selbst kommen durch den Koitus bei ihm auch nicht zum Orgasmus.

Das frustriert sie so sehr, dass Sie sich überlegen, ob sie beide überhaupt für eine langfristige Partnerschaft zueinander passen.

Erektionsprobleme-
eine medizinische Ursache?

Auch wenn es sicher kein Fehler ist, wenn Ihr Freund darüber einmal mit einem Arzt sprechen würde: Ich halte es für unwahrscheinlich, dass Ihr Freund ein medizinisches Problem hat (Impotenz).

Schließlich ist er ja in der Lage, eine Erektion zu bekommen und, bei Selbstbedienung, auch einen Orgasmus. Auch Sie als Person üben so viel sexuellen Reiz auf ihn aus, dass er sehr leicht in sexuelle Erregung kommt.

Von daher glaube ich nicht, dass irgendeine medikamentöse Behandlung besondere Fortschritte bringen würde.

Erektionsprobleme-
ein Problem von ihm oder mit ihm?

So wie Sie das schildern, hat er -streng genommen- gar kein Erektionsproblem und auch kein Orgasmusproblem. Denn auf körperlicher Ebene funktioniert das ja, jedenfalls bei der Selbstbefriedigung. Er selbst sieht das offenbar auch so und will deswegen auch nicht zum Arzt gehen.

Dennoch haben Sie ein Problem mit ihm, da er im Sex nicht die Erwartungen erfüllt, die Sie an einen Mann stellen: Orgasmusfähigkeit bei Handjob, Blowjob und im Koitus.

Außerdem ist bei Ihnen beiden der Sex am Ende, sobald er durch Selbstbedienung seinen Orgasmus bekommen hat- und Sie bleiben danach unbefriedigt.

Erektionsprobleme-
Bleibt die Frau ewig unbefriedigt?

Offenbar haben Sie ziemlich genaue Vorstellungen davon, wie für Sie funktionierender Sex aussieht (vgl. Artikel: Normen für den Sex). Sie erwarten von einem Mann die Orgasmusfähigkeit bei Handjob, Blowjob und im Koitus- und das kann Ihnen Ihr Freund nicht bieten.

Lösungwege

Grundsätzlich gibt es drei Veränderungsmöglichkeiten:

  1. Irgendwie schafft es Ihr Freund, die von Ihnen gewünschten Fähigkeiten doch noch zu bekommen.
  2. Sie finden einen Weg, wie Sie mit Ihrem Freund auch ohne Veränderung seiner Orgasmusfähigkeit befriedigenden Sex erleben können.
  3. Sie trennen sich von Ihrem Freund und suchen sich einen Mann, der diese Fähigkeiten hat.

Möglichkeit 1: Die Veränderung Ihres Freundes

Sexuelle Fähigkeiten können sich ändern. Es ist durchaus möglich, dass Ihr Freund irgendwann auch ohne Selbstbefriedigung zum Orgasmus kommt. Allerdings gibt es kaum einen Weg, das irgendwie herbeizuzwingen. Hier gibt es definitiv keine Patentlösung.

Es kann sein, dass Ihr Freund durch innere Versagensängste daran gehindert ist, durch die genannten Methoden zum Orgasmus zu kommen. In diesem Fall könnte möglicherweise eine psychotherapeutische Beratung weiterhelfen. Das geht aber nur, wenn Ihr Freund selbst sich das selber wünscht.

Es kann aber genauso gut sein, dass Ihr Freund für seinen Orgasmus rein körperlich genau die Form der Stimulation benötigt, die er sich nur selber in Form der Masturbation geben kann. Das erhebliche Mass an Anstrengung, das er auch selbst aufwenden muss, kann ein Hinweis darauf sein, dass sein Orgasmus tatsächlich ein so starkes Mass an Stimulation benötigt- und dass dafür die anderen Techniken einfach nicht ausreichen.

Möglichkeit 2: Neue Wege beim Sex

Bisher haben Sie den Sex mit Ihrem Freund als unbefriedigend erlebt. Ein Ansatz zu einer Verbesserung sind vielleicht folgende Überlegungen:

  • Was benötigen Sie selbst, um einen befriedigenden Orgasmus zu erleben?
  • Benötigen Sie unbedingt den Koitus und dazu den Samenerguss des Mannes, um einen befriedigenden Orgasmus zu erleben?
  • Kann es für Sie auch andere Möglichkeiten geben, zum Orgasmus zu kommen? Wie ließe sich eine solche Form des Orgasmus in Ihren gemeinsamen Sex einbeziehen: so dass Sie Ihren Orgasmus noch vor ihm erleben (eventuell auch im Koitus) oder danach (und dann nicht im Koitus)?

Gemeinsamer Sex kann durchaus anders aussehen als der „Normsex“ mit Orgasmus beider Partner beim Koitus.

Vielleicht haben Sie beide Lust, hier ein Stück weit zu experimentieren? Ich kann mir gut vorstellen, das es hier noch Möglichkeiten gibt, an die Sie vielleicht selbst noch gar nicht gedacht haben.

Bei einer solchen Entdeckungsreise zu neuen Möglichkeiten des sexuellen Miteinander kann es ggf. auch hilfreich sein, in ein paar Sitzungen bei einem Sexualtherapeuten zu investieren.

Möglichkeit 3: Die Trennung von Ihrem Freund

Das ist die Möglichkeit, die Ihnen in jedem Fall offensteht. Aber vielleicht wäre es schade, diesen Weg zu wählen, ohne nicht vorher alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben. Denn Sie und Ihr Freund passen offenbar in allen anderen Lebensbereichen sehr gut zueinander…

Wenn Sie dazu weitere Fragen haben, freue ich mich über Ihre Nachricht.

Mit freundlichen Grüßen
© M.Petery.
Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

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