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Männer und Frauenkleider

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Männer und Frauenkleider-
ein Erfahrungsbericht

Der Schock nach dem Outing

Männer und Frauenkleider: Ich bin gerade ganz akut in der „Schock-Situation“, dass mein Lebensgefährte sich vorgestern geoutet hat, gerne Frauenkleider zu tragen und sich selbst zu befriedigen. Der Druck, es mir sagen zu müssen, wurde nun so hoch, da wir in 6 Wochen in eine gemeinsame Wohnung ziehen, und er Angst hatte, dass ich dann irgendwann mal über die Sachen „stolpere“ und dann annehmen könnte, er betrügt mich. Also hat er den für sich höllisch schweren Schritt getan und hat es mir gesagt.

Natürlich ist das nichts „Schlimmes“, auch wenn meine ersten Fragen tatsächlich waren, ob er vielleicht doch schwul, oder bi sein könnte, oder Transsexuell…..er verneinte alles vehement und bestätigte, dass er absolut hetero sei und auf Frauen, auf mich steht. Aber phasenweise würde es ihn eben erregen, wenn er Frauenkleider anzieht, meist Unterwäsche und Strumpfhosen, aber auch Röcke oder speziell weibliche Jeans, allerdings nur alleine zu Hause. Natürlich ändert das nichts an meinen Gefühlen für ihn, ich liebe ihn von ganzem Herzen und will und werde natürlich einen Weg finden, damit umzugehen.

Die Bilder im Kopf

Allerdings gehört, ihn schminken und zurecht machen, oder mit ihm Frauensachen für ihn shoppen gehen, oder ihn als „Frau“ ansprechen und behandeln definitiv NICHT dazu. Das möchte ich absolut nicht, denn leider – und ich bin sicher nicht intolerant oder verklemmt – gefallen mir Männer in Frauenkleidern überhaupt nicht und stellen für meine sexuelle Erregung einen absoluten Lustkiller dar. Ich möchte ihn so nicht sehen, ich muss mich auch seit vorgestern zwingen, die Bilder aus meinem Kopf zu bekommen, die ich mir automatisch gemacht habe, nachdem er mir erzählt hat, was er für Sachen hat und gerne mal anzieht.

Ich kann gar nicht beschreiben, in was für einem Gefühlschaos ich mich derzeit befinde – es ist schon erstmal eine Welt zusammen gebrochen, denn ich habe mich ja auch in ihn verliebt, gerade wegen seiner herben Männlichkeit – er ist ein sehr maskuliner Typ – darauf stehe ich total. Aber „weibische“ Männer turnen mich nun mal absolut ab.

Wie auch immer, wir haben wahnsinnig viel geredet in den letzten zwei Nächten, und für den Moment sagt er, will er sich auch gar nicht vor mir in Frauensachen präsentieren, und ich bin froh, denn ich möchte das auch nicht sehen! Aber natürlich lasse ich ihm seine Neigung, die er dann nur leider ausleben muss, wenn ich nicht da bin. Anders kann ich das, zumindest zur Zeit noch, nicht akzeptieren.

Männer und Frauenkleider – Wie damit umgehen?

Ich sehe das also wirklich nicht als „Krankheit“ an oder so, ich akzeptiere, dass es zu ihm gehört, aber ich fordere auch seinerseits die Toleranz ein, zu akzeptieren, dass ich das einfach nicht mit ansehen möchte, weil es mich leider abstößt, es mir absolut nicht gefällt. Dennoch gibt es meinerseits keine Vorwürfe oder Verurteilungen. Ich bin jetzt, 48 Stunden später, soweit über den ersten Schock hinweg, dass ich mich erstmal im Netz durch all die Artikel und Foren zu dem Thema lese und Informationen einhole, da ich bislang mit diesem Thema noch nie Berührungspunkte hatte und mich in keiner Weise auskenne.

Das findet er übrigens super, dass ich mich interessiere und informiere, und das nicht einfach nur verdrängen will. Gott sei Dank können wir gut darüber reden, ohne den anderen zu verletzen. Wir lieben und sehr, daher denke ich, dass wir einen, für beide Seiten annehmbaren Weg finden werden, damit umzugehen. Das gehört in unserer Partnerschaft jetzt eben dazu. Also möchte ich an dieser Stelle auch ein bisschen für Verständnis für die Partnerinnen werben, die das eben einfach nicht mögen an ihrem Mann.

Viele Grüße

Carina J. (Name geändert)

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Danke für den Beitrag!

Hallo Carina,

Ich finde es sehr gut, wie offen Sie Ihre Gefühle zum Thema Männer und Frauenkleider beschreiben- das wird sicher auch für andere LeserInnen sehr hilfreich sein. Ein solches Outing des Partners ist für viele Frauen nicht ganz einfach- und nicht alle reagieren mit so viel Einfühlungsvermögen (und Selbstfürsorge).

Da ist es für viele Leserinnen und Leser sicher gut zu wissen, mit diesem Problem nicht allein dazustehen.

Mit herzlichem Gruß

Michael Petery

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Männer und Frauenkleider– Update

Hallo Herr Dr.Petery,

heute ein kleines Update, was sich in den letzten 8 Wochen seit dem Outing meines Lebensgefährten so alles getan hat.

Die ersten Tage waren ja, wie ich bereits beschrieb, sehr geprägt von Gesprächen rund um das Thema „Crossdressing“ etc., sehr zu meiner Verwunderung hatte dies zur Folge, dass wir tiefgreifende Gespräche auch über unserer beider sexuellen Vorlieben und Phantasien hatten, auch ich rückte dann mal mit lange verborgenen Phantasien raus und wir stellten fest, dass es viele Gemeinsamkeiten gibt, viele Dinge, die wir einfach gerne mal gemeinsam ausprobieren wollten. Unser Sex-Leben, das sowieso sehr rege und wunderschön war, wurde also noch mal besser und aufregender.

Alles lief bestens, so lange ich das Thema Frauenkleider für mich selbst verdrängte. Wenn ich aber mal alleine Zuhause saß und die Gedanken unweigerlich kamen, gebe ich zu, war nichts mehr so einfach.

Das Gedankenkarussel dreht sich…

Das Gedankenkarussell begann sich zu drehen und die Bilder in meinem Kopf kehrten immer wieder zurück. Die Vorstellung, dass mein Mann, mein von mir so über alles geliebter und so männlicher Mann „heimlich“ mit BH, Minirock und Pumps daheim herumlief, sich dazu vielleicht, wenn sicher nicht immer, auch selbst befriedigte, trieb mir ein um das andere Mal die Tränen in die Augen und schnürte mir die Kehle zu.

Männer und Frauenkleider: Ein Gefühl wie Betrogen-Werden

Es fühlt sich an, wie betrogen zu werden, mit einer anderen Frau, die er aber selbst ist. Ja, leider kenne ich das Gefühl, betrogen zu werden aus vergangenen Beziehungen, daher kann ich diese Parallele ziehen, ich fühle mich unzulänglich, nicht gut genug, nicht sexy genug, eben all das, was „Frau“ fühlt, wenn sie betrogen wird – nur ohne die Wut auf meinen Mann, denn ich weiß, dass er nichts dafür kann, es ja nicht absichtlich macht, um mich zu verletzen, sondern eben einfach so ist. Ich bestellte mir ein Buch einer betroffenen Frau aus dem Internet, in der Hoffnung, Hilfe zu bekommen, mit diesen Gedankenkarussellen umzugehen.

War mein Mann bei mir, wir zusammen und das Thema wurde nicht angeschnitten, war ja alles in bester Ordnung. Ich dachte darüber nicht nach, es gab keine Berührungspunkte mit der ganzen Crossdresser-Geschichte und ich war sehr glücklich. Aber wehe die Gedanken kamen, wenn ich alleine war…

Und immer wieder hämmern diese Gedanken in meinem Kopf: „Nein! Ich will das nicht! Warum er? Warum ausgerechnet er?“

Das Buch half nicht wirklich weiter, ein zwar sehr humorvolles Buch, aber die Protagonistin arrangierte sich gut, unterstützte ihren Mann in seinem Frau-Sein-Wollen, ging shoppen mit ihm, zog ihn an, schminkte ihn, kaufte sogar Perrücke und künstliche Brüste für ihn. Nun bekam ich richtig Angst – war es wohlmöglich das, was auch mein Mann wollte? Zu fragen traute ich mich nicht, aus Angst vor der Antwort, die ich wahrscheinlich nicht hören wollen würde.

Meine eigenen Grenzen als Frau

Nein, sowas kommt für mich nicht in Frage! Ich ziehe klar meine Grenzen, und bei aller Toleranz, die ich nun aufbringen muss, erwarte ich einfach von meinem Mann, dass auch er diese Toleranz aufbringt, und akzeptiert, dass ich das nicht will. Ich will definitiv nicht mit einer „Frau“ zusammen sein!

Ich will ihn nicht in Frauenkleidern sehen, ich habe viel zu viel Angst davor, dass ich die Achtung vor ihm verlieren könnte, wenn ich ihn so sehen müsste, weil ich es einfach nur abstoßend und lächerlich finde, wenn Männer sich als Frau verkleiden. Das tut mir leid, dass ich so denke, ich wünschte, ich könnte das anders sehen, aber so empfinde ich nunmal, und dafür kann ich ebenso wenig, wie mein Mann etwas dafür kann, dass er ist, wie er ist.

Eine Frage zur Klärung

Ich bat ihn, mir eine Frage zu beantworten, natürlich nicht zwangsläufig sofort, er sollte sich ruhig Zeit mit der Antwort lassen. „Wenn Du meine Gefühle mal vollkommen ausser Acht lassen würdest….wie wäre Dein optimaler Wunsch-Zustand, was würdest Du Dir wirklich im Innersten wünschen, wie ich, wie wir mit der Crossdresser-Sache umgehen sollten, wie möchtest Du das in Dein Leben und in unsere Beziehung integrieren?“

Er antwortete tatsächlich nicht, sondern bat um Bedenkzeit. Aber er sagte, er verstünde nicht, wieso ich das frage. Wir hätten doch die Grenzen klar abgesteckt. Ich weiß Bescheid, aber er zieht nie  Frauensachen in meinem Beisein an und in unserem Sexleben bleibt das aussen vor.

Und er ginge davon aus, dass es, wenn wir erstmal in der gemeinsamen Wohnung leben, auch wohl weniger werden würde, da er mich ja nicht verletzen will und durchaus mitbekommen würde, dass mich das Thema immer wieder traurig macht.

Sicher, entgegnete ich, das sind die Grenzen, die ich gezogen habe, aber ich habe auch gesagt, dass wir diese, sollte sich einer von uns mit diesen Grenzen nicht mehr arrangieren können, natürlich jederzeit neu verhandeln können. Meine Frage, was er sich aber, ungeachtet meiner Gefühle, eigentlich wünschen würde, zielte natürlich mehr darauf ab, herauszufinden, in wie weit es sich bei ihm wirklich „nur“ um einen sexuellen Fetisch handelt, oder ob doch unterschwellig eine verdrängte Transsexualität dahinter steckte. Darauf habe ich bis heute keine befriedigende Antwort bekommen, vielleicht auch, weil er es selbst nicht weiß?!

Die Angst, ihn zu verlieren

Das ist meine allergrößte Angst – meinen Mann eines Tages doch an die Frau in ihm zu verlieren.

Ich bin hetero-sexuell und zwar absolut. Ich habe nicht das allergeringste Bedürfnis, in irgendeiner Art bi -oder homosexuelle Erfahrungen zu machen. Ich stehe nunmal auf Männer! Der Gedanke, das mein Mann vielleicht insgeheim lieber eine Frau wäre, treibt mich immer wieder zur Verzweiflung. Es tut weh, es tut einfach so weh, weil ich solche Angst habe, ihn zu verlieren.

Eines Abends äußerte ich in einem Gespräch diese Sorgen, und er versprach, dass er sich doch nicht ändern würde, das einzige was sich geändert hätte, dass ich nun von seiner „Leidenschaft“, wie er es selbst bezeichnet, weiß, aber in unserem Umgehen miteinander ändere sich nichts. Jeden Abend schicke ich Stoßgebete in den Himmel, dass das der Wahrheit entspricht und er nicht doch irgendwann für sich die Erkenntnis gewinnt, dass er doch transsexuell ist und wohlmöglich sogar eine Geschlechtsumwandlung in Betracht ziehen könnte. Ich habe in der Zwischenzeit von so vielen Männern gelesen, die erst nach ihrem Outing bei ihren Frauen überhaupt darauf gekommen sind, dass das ihr Weg ist. Ich habe Angst, dass es bei meinem Mann auch irgendwann so sein könnte.

Mein ganzes Selbstbild unterzieht sich derzeit einer „Überarbeitung“. Mein Selbstverständnis als Frau ist aus den Fugen geraten. Damit muss ich erstmal zurecht kommen.

Vier Kisten voller Frauensachen

Als wir, kurz vor dem Umzug in unsere gemeinsame Wohnung, eines Abends nach gutem Sex noch beieinander lagen und kuschelten und redeten, kam das Thema auf den Umzug, wo stellen wir was hin, wie organisieren wir was…..und auf ein mal fragte er: „Wohin denn eigentlich mit meinen 4 Kisten mit den Frauensachen? Was mache ich damit? Wo kommen die erstmal hin?“

Mir stockte der Atem, mein Herz raste und mit Ensetzen im Gesicht antwortet ich „4 Kisten??? 4 Umzugskartons??? 4???“. Ich dachte, ich falle aus allen Wolken.

4 Umzugskisten benötige ich ja wahrscheinlich nicht mal für meine normale Kleidung, und er hat 4 Kisten nur mit Frauensachen? Es trieb mir sofort die Tränen in die Augen, ich kann gar nicht wirklich sagen, warum, aber ich war tatsächlich geschockt.

Er antwortete „Naja, in einer sind schon nur Schuhe ….aber reden wir ein anderes Mal darüber…“! ich war froh, dass er erkannt hatte, dass er den Zeitpunkt, das anzusprechen, vollkommen falsch gewählt hatte. Ich war glücklich nach dem Sex, den wir hatten und hatte Spaß daran, unsere Möbel und Sachen zu verplanen.

Und dann kommt er damit…die Stimmung war dahin. Es fällt mir immer noch sehr schwer, damit umzugehen, auch wenn ich die meiste Zeit einfach eine Verdrängungstaktik anwende. Auf Dauer ist das keine Lösung.

Nach dem Umzug

Vergangenes Wochenende sind wir umgezogen! Diese 4 Kisten stehen nun, wie ein Mahnmal, in seinem Arbeitszimmer.  Zugeklebt. Noch…

Durch eine Griffmulde konnte ich zufällig rosa Pumps sehen. Ich schnüffel nicht, denn ich will das Zeug nicht sehen. Aber diese Pumps fielen mir ins Auge…und danach liefen mir die Tränen…ich konnte gar nichts dagegen tun. Gott sei Dank hat er das nicht mitbekommen.

Und dann sind sie wieder da, die Vorstellungen, die Bilder, die mein Kopf automatisch macht. Er, MEIN Mann in rosa Pumps…ich will das nicht!

Ich muss, und ich werde, einen Weg finden, mit all dem besser umzugehen. Stück für Stück. Denn die Liebe, die ich für diesen Mann empfinde, verdient es, dass ich darum kämpfe. Und ich glaube, dass echte Liebe (fast) alles überwinden kann. Also werden wir einen Weg finden.

Nachsatz an alle Crossdresser-Männer

Liebe Crossdresser-Männer da draußen, die Ihr Euch von Euren Frauen/Partnerinnen Verständnis wünscht – vergesst dabei bitte nicht, dass auch wir Frauen Verständnis für unsere Situation brauchen. Wir Frauen haben uns alle in Männer verliebt, und lebten bislang in einer Zweierbeziehung mit einem Mann.

Nach Eurem Outing leben wir nun quasi unfreiwillig in einer Dreier-Beziehung mit unserem Mann und einer „Frau“, die eigentlich gar nicht existiert und doch immer dabei ist. Versucht Euch mal in diese Lage zu versetzen, das ist wirklich eine absolute Grenzerfahrung und eine derart einschneidende Veränderung, dass wir Zeit brauchen, damit umzugehen.

Ihr habt Euch mit dieser Thematik unter Umständen schon Jahrzehnte, oder euer Leben lang auseinandergesetzt, wir sind erstmal wie vor den Kopf gestossen und müssen unser ganzes bisheriges Weltbild und Beziehungsbild überdenken. Also geht nicht allzu hart mit Euren Partnerinnen ins Gericht, wenn Sie mal kein Verständnis aufbringen können.

Carina J. (Name geändert)

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Danke für das Update!

Hallo Carina,

Ein großes Dankeschön, dass Sie mir so so ausführlich über Ihre Situation geschrieben haben und mit der Veröffentlichung einverstanden sind. Männer und Frauenkleider ist ein wichtiges Thema für die Sexualtherapie.

Ich denke, es wird viel Frauen geben, die sich in ihrer Geschichte wiederfinden und ganz ähnliche Fragen haben.

Crossdressing bedeutet nicht notwendig den Wechsel der sexuellen Identität

Aus sexualtherapeutischer Sicht wäre immerhin ein wichtiger Punkt zur Unterscheidung: Cross-Dressing bedeutet nicht automatisch, dass ein Mann auf dem Weg dazu ist, seine eigene sexuelle Identität als Frau zu entdecken.

Es gibt viele heterosexuelle Männer, die Frauenkleider als Fetisch bei der eigenen Selbstbefriedigung nutzen: und außerhalb der Onanie nicht das geringste Interesse daran haben, dauerhaft die Rlle einer Frau einzunehmen. In diesem Fall geht es nur um eine sexuelle Stimulation, die auf den Bereich der Sexualität begrenzt ist.

Davon zu unterscheiden ist der Fall von Männern, die das Gefühl haben, „im falschen Körper“ geboren zu sein und die sich danach sehen, ihre wahre und eigentliche Identität als Frau leben zu können. Dafür allerdings findet sichin Ihrer Geschichte  in Bezug auf Ihren Mann kein Anhaltspunkt. Auch 4 Kisten mit Frauenkleidern sind noch kein Beweis dafür, dass er sich nach einem solchen Wechsel des eigenen Geschlechts sehnt.

Männer und Frauenkleider: Das Unterscheidungskriterium zwischen Fetischismus und Transsexualität

Ein wichtiges Unterscheidungskriterium dafür wäre: Nutzt Ihr Mann die Frauenkleider ausschließlich im Rahmen der sexuellen Selbstbefriedigung oder wünscht er sich, von Ihnen als Frau wahrgenommen zu werden? Letzteres scheint wohl nicht der Fall zu sein.

Möglicherweise gibt es also gar keine „Frau in ihrem Mann“-vor der Sie Angst haben müßten, betrogen zu werden. Im Gegenteil- dadurch dass dieser Fetisch bei Ihrem Mann sehr stark ausgeprägt ist und  er diesen Fetisch im Rahmen der Selbstbefiredigung lebt, dürfte es äußerst unwahrscheinlich sein, dass es bei Ihrem Mann irgendwann zu einem tatsächlichen Fremdgehen mit einer anderen Frau kommen wird. Er hat da schlicht und ergreifend eine ganz andere sexuelle Leidenschaft, Und das könnte sogar etwas Beruhigendes für Sie sein…

Mit herzlichem Gruß

Michael Petery

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Männer und Frauenkleider– Update 2.0

Hallo Herr Dr.Petery,

Jetzt wohnen wir fast zwei Monate zusammen und die eine oder andere völlig normale Alltags-Konfontation hat es natürlich auch schon gegeben. Das Thema Frauenkleider scheint derzeit aber keines zu sein, zumindest nicht bei meinem Mann.
 
Die 4 Kisten stehen immer noch unberührt wie ein Mahnmal in seinem Arbeitszimmer und nur ein Mal hat es darüber ein Gespräch gegeben. Er sprach mich in einem ruhigen Moment zwischen uns an, wohin denn nun mit den Sachen? Wir stellten schon öfter fest, dass wir zu wenig Stauraum haben in unserer Wohnung. Ich bot an, dass er doch die Unterbettkommode auf seiner Bettseite dafür nutzen könne. Er lehnte das ab, und sagte, es sei wegen mir, ich sei doch auch sicher neugierig, fragte er mich.
 
Ja und nein, habe ich ihm geantwortet, einerseits ja klar, bin ich neugierig, aber andererseits will ich auch manches gar nicht wissen, insofern würde ich selbstverständlich nicht an die Sachen gehen oder sie mir ansehen, wenn er das nicht will. Das müsse er halt nur sagen, und das ist das für mich ok. 
 
In mir drin krampft sich der Magen zusammen, wenn ich nur an die Sachen denke.
 
Ich ergriff die Gelegenheit, dass er mir noch immer keine Antwort auf meine Frage von vor etlichen Wochen, wie er sich das denn wünschen würde, wie der Umgang mit der ganzen Thematik in unserer Beziehung nun sein sollte, ungeachtet meiner Befindlichkeiten, was er sich eben wirklich wünschen würde…. Nach kurzem schweigen sagte er: das weiß ich ja selbst nicht wirklich. 
 
Dann wechselte er umgehen das Thema und ich bin auch nicht weiter darauf eingegangen. Das war das einzige Mal seit unserem Umzug, dass wir über die Frauenkleider Mal wieder gesprochen haben. Für ihn scheint das kein Thema zu sein zur Zeit, oder er verdrängt es momentan völlig für mich. 
 
Und trotzdem, trotz, dass es keinerlei Anhaltspunkte für mich gibt, denke ich jeden Tag mindestens ein zwei Mal daran, achte, fast schon zwanghaft auf jedes Detail seines Verhaltens, und Frage mich ständig, wie er in dieser oder in jener Situation gerade denkt, ob er lieber eine Frau wäre, ob er sich gerade wünscht, Wäsche oder Strümpfe zu tragen, sich aber nicht traut, das zu sagen?! 
 
Manchmal Frage ich mich, ob ich nicht mittlerweile eigentlich unterbewusst will, dass ich ihn Mal in Frauenkleidern sehe, und deshalb so oft daran denke, ob ich ihn vielleicht erwische wenn ich Mal früher nach Hause komme, als geplant. Vielleicht braucht es für mich einfach Mal diese Konfrontation mit der tatsächlichen Situation, ihn Mal so zu sehen, damit ich das verarbeiten kann, in welcher Weise auch immer?! Vielleicht wünsche ich mir das insgeheim, weil ich eigentlich weiß, dass unsere Beziehung daran wachsen wird, in welcher Form auch immer, aber ich denke, das brauchen wir vielleicht beide eigentlich, denn es ist spürbar , dass sich eine Art negative Spannung aufbaut, wenn das Thema auch nur angekratzt wird, auch wenn keiner was sagt.
 
Manchmal habe ich mir sogar schon überlegt, ob ich ihn doch einfach mal bitten soll, Mal seine Lieblings-Frauenkleider anzuziehen und sich mir so zu zeigen. Vielleicht stößt es mich ja gar nicht so ab, wie es das in meinen Gedanken tut. Ich weiß ja eigentlich gar nicht, wie ich tatsächlich darauf reagieren würde. Ein Mal, das war kurz nach seinem Outing, hat er während wir wunderbaren Sex hatten, gefragt, ob er eine Strumpfhose anziehen dürfe. Da hab ich gesagt, ja klar, er soll es einfach machen, wenn ihn das jetzt gerade noch geiler macht (ich sag’s Mal so frei Schnauze). Das war völlig OK für mich in dem Moment, denn da war ich auch unglaublich geil und wir hatten richtig viel Spaß im Bett. Als ich am nächsten Tag mit „klarem Kopf“ darüber nachdachte, kam es mir komisch vor, in dem Moment war es aber voll ok. 
 
Ja, soweit der Stand der Dinge. Es bleibt eine aufregende und manchmal sehr anstrengende Phase der Veränderung, aber ich wachse daran…

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PS: Weitere Infos zum Thema Männer und Frauenkleider im Artikel „Mein Mann trägt Frauenkleider- wie krank ist das?“ und BDSM Beratung.

Was ist Fetischismus? Dinge als Lustobjekte
BDSM Beratung
und Sexualtherapie
Mein Mann
trägt gerne Frauenkleider
Fetischismus: Im Bett ist er nur ein Schnürpaket
10 Fakten
zum Thema Fetischismus
Transvestitismus-Krankheit oder nicht?
Fetischismus: Selbstbefriedigung im Abendkleid
Unterwäsche-Diebstahl- warum machen Männer das?
Masken, Rollenspiele und Sex
Rauchen als Fetisch

Kategorien
BDSM und Fetisch Sexuelle Wünsche

10 Fakten zum Thema Fetisch und Fetischismus

10 Fakten zum Thema Fetisch-
wenn Gegenstände geil machen…

1. Was ist eigentlich ein Fetisch?

Ein Fetisch ist ein Gegenstand, der dazu benutzt wird, sexuelle Erregung hervorzurufen oder zu steigern. Das kann z.B. ein Schuh sein oder ein anderes Kleidungsstück. Für manche Leute kann aber auch eine Windel ein Fetischobjekt sein.
Ausführlichere Infos im Beitrag „Was ist Fetischismus?“

2. Fetisch und Modeindustrie

Die größte Fetisch-Industrie ist die Modebranche: ob hohe Schuhe, aufreizende Kleider, geile Lederklamotten: all das sind mögliche Fetisch-Objekte.

3. Fetische in der Popkultur

Eigentlich braucht man nur ein x-beliebiges Musikvideo angucken, um Fetischobjekte oder Fetischkleidung zu sehen. Auch in der Punk- und Gothic-Szene gehört Fetisch-Kleidung mehr oder weniger zum Pflichtprogramm.

4. Fetischismus- zu zweit oder auch alleine

Ein Fetisch kann sowohl beim Sex zu zweit wie auch allein eine Rolle spielen: Frau und Mann kann es erregen, wenn der Partner Fetisch-Kleidung trägt. Es kann aber auch sein, dass der Sex mit sich allein besser funktioniert, wenn Frau oder Mann ein Fetisch-Objekt zur Luststeigerung nutzen.

5. Wie kommt Mann/Frau zum Fetischobjekt?

Es ist vollkommen OK, sich im Internet oder im Laden seine Lieblingsfetischobjekte zu kaufen. So ist es kein Problem, wenn sich ein Mann z.B. ein Kleid oder hochhackige Schuhe besorgt, wenn solche Dinge ihn erregen.

6. Wäschediebstahl ist keine Lösung

Nicht OK ist es, ohne Einwilligung von anderen deren Kleidungsstücke als Fetisch zu benutzen. Für eine Frau kann eine extreme Demütigung sein, wenn ihr z.B. die Unterwäsche gestohlen wird. Das ist ein schwerer sexueller Übergriff, eine Art von Vergewaltigung.
Mehr dazu unter diesem Link.

7. Körperteile als Fetisch

Es gibt auch den Fall, dass bestimmte Körperteile des anderen Geschlechts Fetischcharakter bekommen. So erregt der Anblick weiblicher Brüste nahezu jeden Mann, auch wenn die Brüste von der Funktion her eigentlich nichts mit Sex zu tun haben. Für einige Männer, die sogenannten Fußfetischisten, hat der Anblick eines weiblichen Fußes die stärkste sexuell erregende Wirkung.

8. Wann ist Fetischismus eine Krankheit?

Einen psychischen Krankheitswert hat Fetischismus nur dann, wenn Menschen darunter leiden: das wäre z.B. im Fall des Unterwäsche-Diebes der Fall, weil die bestohlene Frau dadurch materiell und möglicherweise auch psychisch geschädigt wird.
Fetischismus ist auch dann eine psychische Krankheit, wenn ein Betroffener es selber schlimm findet, nur noch durch bestimmte, ihm selbst peinliche Fetische zum Orgasmus kommen zu können.

9. Fetischismus und BDSM

Oft spielen Fetische und Fetischkleidung eine Rolle in der BDSM-Szene, also dem Spiel mit Sadismus und Masochismus. Klassischer Dresscode bei BDSM-Partys ist LLL: also Leder, Lack und Latex-Kleidung. Strenggenommen hat BDSM (abgeleitet von den englischen Worten „Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism“) aber nicht notwendigerweise etwas mit Fetischismus zu tun.
Mehr dazu unter diesem Link.

10. Wir alle sind Fetischisten

Wahrscheinlich sind die meisten Menschen Fetischisten, ohne es selber zu wissen. Denn welcher Mensch hat nicht irgendeinen Gegenstand oder ein Kleidungsstück, das ihn sexuell antörnt?

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Wenn Sie möchten, können Sie sich mit weiteren Fragen gern an mich wenden.

Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

Presse Fickt Euch Petery

PS:
Die Journalistin Kristina Weitkamp hat dazu bei Funk ein tolles Video produziert, bei dem ich die inhaltliche Beratung übernommen habe.

Was ist Fetischismus? Dinge als Lustobjekte
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zum Thema Fetischismus
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Unterwäsche-Diebstahl- warum machen Männer das?
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Unterwäsche-Diebstahl: Warum machen Männer das?

Unterwäsche-Diebstahl: Warum stehlen
manche Männer Schlüpfer und BHs?

Unterwäsche-Diebstahl: Am 11. April 2017 habe ich in der Bild-Zeitung gelesen:

Peter Z. aus Lünen (NRW) hat seinen Nachbarinnen Unterwäsche aus dem Waschkeller gestohlen und dabei reichlich Beute gemacht: insgesamt 35 Büstenhalter, 75 String-Tangas und 67 Slips!

Warum machen Männer so etwas?
Claudia D.

Unterwäsche-Diebstahl
aus sexualtherapeutischer Sicht

Hallo Claudia,

Unterwäsche-Diebstahl ist ein häufiges sexuelles Delikt mit einer hohen Dunkelziffer. Oft schämen sich die Opfer, den Diebstahl zur Anzeige zu bringen. Oft werden solche Diebstähle auch bagatellisiert, weil der Sachwert des Diebesgutes nur geringfügig ist.

Unterwäsche-Diebstahl ist kein Bagatelldelikt

Bei einem solchen Diebstahl handelt es sich keineswegs um ein harmloses Vergehen- und zwar deswegen, weil der Täter seinen Opfern erhebliches Leid zufügen kann.

Es ist nicht egal, ob der Täter die Unterwäsche als Ladendieb im Kaufhaus stiehlt oder von der Wäscheleine im gemeinsamen Waschkeller eines Mietshauses oder auf der Wäscheleine im Garten der Nachbarin. Der Ladendiebstahl würde keine konkrete Frau als Opfer schädigen und ist daher nur als Schädigung gegenüber dem Ladenbesitzer anzusehen- in Höhe des Sachwertes der gestohlenen Ware.

Im Falle des Unterwäsche-Diebstahls im Wäschekeller oder von der Wäscheleine geht es dem Dieb ganz augenscheinlich nicht nur um den Diebstahl selbst. Wenn der Täter nur am Fetisch-Objekt Wäsche selbst interessiert wäre, könnte er sich das ja jederzeit für wenig Geld völlig unproblematisch im Online-Handel zusenden lassen- und müsste dafür keinerlei rechtliche Konsequenzen fürchten.

Unterwäsche-Diebstahl
psychische Schädigung des Opfers

Beim Diebstahl von Unterwäsche, die einer konkreten Frau gehört, geht es dem Täter offensichtlich um einen zusätzlichen Kick, der damit verbunden ist, die sexuelle Intimsphäre der betroffenen Frau zu verletzen.

Der Täter muss durch sein Verhalten damit rechnen, durch seinen Diebstahl sein Opfer nicht nur materiell zu schädigen, sondern auch psychisch zu verletzen: er muss damit rechnen, Gefühle von Scham und Ekel bei seinem Opfer auszulösen, die zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität der betreffenden Frau führen können.

Schließlich ist ihr auf drastische Weise von einem Unbekannten aufgezeigt worden, dass dieser sie gegen ihren Willen zum Objekt seiner sexuellen Lust und Phantasien gemacht hat. Die Folgen des sexuellen Übergriffs können im Extremfall so schwerwiegend sein, dass aufkommende Ängste und Verunsicherungen die Frau über Jahre begleiten und psychotherapeutische Behandlung notwendig machen.

Insofern hat eine solche Form des Unterwäsche-Diebstahls durchaus Ähnlichkeit mit einer Vergewaltigung- und muss daher auch entsprechend härter bestraft werden als ein Ladendiebstahl.

Unterwäsche-Diebstahl
Unterschied zum Fetischismus

Unterwäsche-Diebstahl ist also nicht gleichzusetzen mit Fetischismus (vgl. den Artikel „Was ist Fetischismus?„).

Unproblematisch- auch aus sexualtherapeutischer Sicht- ist es, wenn sich ein Mann Frauenunterwäsche kauft, um sich sexuell zu stimulieren. Schließlich schadet er dadurch weder sich selbst noch einen anderen Menschen. Schwierigkeiten könnten höchstens entstehen, wenn die Lebenspartnerin oder Ehefrau gegen ihren Willen in das Spiel einbezogen wird und daran Anstoß nimmt. Vgl. den Artikel „Mein Mann zieht gerne Frauenkleider an.

Im Fall des Unterwäsche-Diebstahls bei einer anderen Frau kommt zu der reinen Erregung durch den Fetisch Frauenunterwäsche der Kick hinzu, das betreffende Kleidungsstück bei einer konkreten Frau gestohlen zu haben und sich damit -gegen deren Willen- Zutritt zu ihrer Intimsphäre verschafft zu haben.

Unterwäsche-Diebstahl
eine Form der Vergewaltigung

Die Quelle der sexuellen Erregung ist also anders als beim Fetischismus nicht das unbelebte Objekt, sondern der Übergriff auf die sexuelle Selbstbestimmung der anderen Frau.

Wenn der Täter das gestohlene Wäschestück zu seiner eigenen sexuellen Stimulation nutzt, etwa indem er es selber trägt oder darüber onaniert, tut er es immer im Wissen, mit seinem Handeln gegen deren Willen in das Leben einer anderen Frau eingedrungen zu sein.

Das ähnelt dem Genuss des Vergewaltigers, der ja nicht einfach „nur“ Sex mit einer Frau haben will, sondern den entscheidenden Kick darin findet, den Sex gegen den Willen der Frau zu bekommen.

Unterwäsche-Diebstahl
die masochistische Komponente

Als weiterer Stimulus kann der Unterwäsche-Diebstahl auch zu masochistischem Vergnügen dienen: etwa dann, wenn der Täter es als eine Form der Selbst-Demütigung sexuell genießt, sich zum Unterwäsche-Dieb gemacht zu haben. Ein solcher Mann hat es gelernt, extreme Formen der Demütigung als sexuelles Vergnügen zu erleben. In diesem Sinne kann die Angst, als Unterwäsche-Dieb gefasst zu werden, als sexuelle Stimulation erlebt werden. Der Diebstahl der Unterwäsche erfolgt also zwanghaft und kann sich als Zwang immer weiter verstärken- bis hin zu einem solch extremen Fall, wie er in der Zeitung zu lesen war.

In einem solchen Fall wäre eine sexualtherapeutische Behandlung dringend erforderlich, da der Zwang zur Wiederholung der Tat wohl auch durch Bestrafung nicht aufzulösen ist. Schließlich wäre ja sogar die öffentliche Bestrafung für einen solchen Täter möglicherweise nur wieder ein neuer Kick- und kein Anlass, sich von einem verhalten zu trennen, das ihm selbst und anderen Menschen erheblichen Schaden zufügt.

Wenn Sie weitere Fragen dazu haben, freue ich mich über Ihre Nachricht.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Dr. hum biol. Michael Petery

PS: Vgl. auch meinen Beitrag:
10 Fakten zum Thema Fetisch und Fetischismus

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BDSM und Fetisch Sexuelle Probleme Sexuelle Wünsche

Mein Mann zieht gerne Frauenkleider an- Wie krank ist das?

Fetisch Frauenkleider Alexej von Jawlensky: Alexander Sacharoff

Frauenkleider-
mein Mann und sein neuer Fetisch

Frauenkleider
Mein Mann trägt gerne Frauenkleider, häufiger am Abend, am Wochenende auch mal tagsüber.

Vor einem Vierteljahr habe ich ihn das erste Mal mit Rock und Stöckelschuhen überrascht, als ich nach Hause kam. In meiner ersten Überraschung habe ich so getan, als wäre das die natürlichste Sache der Welt. Ich habe ihm dann auch erlaubt, sich seine Sachen anzuziehen, wenn die Kinder nicht zuhause sind.

Richtig glücklich bin ich über seinen Fetisch allerdings nicht. Ständig habe ich Angst, dass er sein Zeug irgendwo herumliegen läßt und es dann entweder die Kinder finden oder meine Mutter, wenn sie überraschend zu Besuch kommt.

Ausserdem gefällt mir mein Mann so nicht. Ich finde es weder sexy noch erotisch, ihn in irgendwelchen Dessous zu sehen, sondern einfach nur lächerlich.

Mein Mann gefällt mir nun einmal am besten so, wie ich ihn kennengelernt habe- in Männerbekleidung. Wenn er sich als Frau verkleidet, vergeht mir die Lust auf Sex.

Meistens versuche ich, gute Miene zu machen und lasse ihn einfach so rumlaufen. Denn ich sehe, dass ihm sein neues Outfit offenbar sehr gut gefällt. Er kauft sich ja immer noch weitere Sachen hinzu.

Aber, ehrlich gesagt, ich weiß nicht, wieviele solche Extravaganzen eine Frau in ihrer Ehe einfach akzeptieren muß.

Kerstin D. (Name geändert)

Frauenkleider bei meinem Mann-
nicht sexy, sondern lächerlich

Hallo Kerstin,

vor drei Monaten haben Sie Ihren Mann das erste Mal dabei überrascht, wie er zuhause Frauenkleider getragen hat. Jetzt macht er es häufiger am Abend und am Wochenende.

Sie selbst haben es ihm zwar erlaubt, Sie fühlen sich aber nicht wohl mit seinem Fetisch. Zum einen, weil sie Angst haben, Ihre Kinder oder Ihre Mutter könnten seine Frauensachen finden, zum anderen, weil Sie ihn in seinem Outfit nicht sexy, sondern lächerlich finden.

Unsicherheit im Umgang mit dem Fetisch

Offensichtlich sind Sie sich unsicher, wie Sie mit dem Fetisch Frauenkleidung bei Ihrem Mann umgehen sollen. Einerseits „erlauben“ Sie es ihm, in Ihrer Gegenwart so herumzulaufen, weil es ihm so gefällt. Andererseits ist es gleichzeitig Ihr Wunsch, dass er -zumindest in ihrer Gegenwart- auf Frauenkleider verzichtet.

Nach Ihrer Schilderung haben Sie beide Schwierigkeiten, klar und offen über das Thema Fetisch und über Ihre wechselseitigen Bedürfnisse zu kommunizieren.

Hilfsmöglichkeiten durch Sexualtherapie

Es könnte sich daher für Sie beide lohnen, hier miteinander wieder ins Gespräch zu kommen. Da es sich beim Thema Fetisch um ein eher heikles Gebiet der Sexualität mit einer großen Verletzungsgefahr handelt, könnte es sinnvoll sein, dass Sie beide sich einen Therapeuten als Moderator gönnen, der Ihnen dabei hilft.

Folgende Fragen könnten bei einem solchen Gespräch wichtig sein:

Fragen an Ihren Mann

  • Können Sie sich vorstellen, was Ihre Frau empfindet, wenn Sie in ihrer Gegenwart Frauenkleider tragen?
  • Was empfinden Sie selbst beim Tragen der Frauenkleider in ihrer Gegenwart? Sexuelle Erregung? Scham? Freude am Gefühl, wie eine Frau auszusehen?
  • Fühlen Sie sich selbst in Frauenkleidern eher schön oder eher gedemütigt?
  • Spielen Sie mit der Möglichkeit, in Ihren Frauenkleidern entdeckt zu werden?
  • Haben Sie sich möglicherweise ein Stück weit darauf ankommen lassen, dass Ihre Frau Sie in Ihrem Fetisch überrascht hat? Lassen Sie es immer noch darauf ankommen, dass auch Ihre Kinder und Ihre Schwiegermutter Ihren Fetisch herausfinden?
  • Wie würden Sie darauf reagieren, wenn Ihre Frau Ihnen das Tragen von Frauenkleidern in ihrer Gegenwart verbieten würde?

Fragen an Sie selbst

  • Können Sie sich vorstellen, was Ihr Mann empfindet, wenn er in Ihrer Gegenwart Frauenkleider trägt?
  • Wie wäre es, wenn Sie Ihre Gedanken über das Tragen von Frauenkleidern offen gegenüber Ihrem Mann aussprechen?
  • Sie haben Ihrem Mann erlaubt, in Ihrer Gegenwart Frauenkleider zu tragen. Was hält Sie davon ab, es ihm wieder zu verbieten?
  • Empfinden Sie bei Ihrer Vorstellung, Ihre Kinder oder Ihre Mutter würden den Fetisch Ihres Mannes herausfinden, möglicherweise ein Stück Genugtuung?
  • Hat sich an Ihren Gefühlen für Ihren Mann dadurch etwas geändert, dass Sie seinen Fetisch kennen?

Themenfelder

Wie die obigen Fragen zeigen, gibt es eine Reihe verschiedener Themen, die in Ihrer Fallgeschichte eine Rolle spielen. Die ersten drei Themenfelder (Fetischismus, Masochismus, Exhibitionismus) könnten eine Klärung bringen, inwieweit das Tun Ihres Mannes durch sexuelle Präferenzen geprägt ist. Im vierten Themenfeld Transvestitismus ginge es darum, inwieweit bei Ihrem Mann weniger ein sexuelles Interesse im Vordergrund steht als vielmehr der Wunsch, sich selbst zeitweise als Frau erleben zu können.

Fetischismus

Dass Männer gern Frauenkleider tragen, ist seit Shakespeare´s Zeiten nichts Ungewöhnliches. Viele Männer empfinden es als erregend, beim Sex weibliche Kleidungsstücke zu tragen.
Zum einen deswegen, weil für sie diese Kleidungsstücke als sexueller Stimulus dienen (klassischer Fetisch), zum anderen, weil sie das mit der Kleidung verbundene Rollenspiel erregend finden: Für heterosexuelle Männer ist das Lustobjekt schlechthin die Frau- in der Verkleidung können sie selbst spielen, ein solches Lustobjekt zu sein.

Masochismus

Das Tragen von Frauenkleidern kann -neben dieser Funktion als Fetisch in klassischem Sinn- auch ein Element der Selbstdemütigung enthalten, insbesondere dann, wenn damit gespielt wird, in diesem Fetisch von anderen entdeckt und der Lächerlichkeit preisgegeben zu werden. In diesem Fall käme zum Fetischismus auch ein gutes Stück Masochismus hinzu: Lust, die daraus gewonnen wird, das andere einem -in diesem Fall psychische- Schmerzen zufügen.

Exhibitionismus

Nach dem Krankheitenkatalog der Weltgesundheitsorganisation ICD-10 F 65.2 gehört zur Definition von Exhibitionismus immer die Entblößung der eigenen Genitalien.
Wenn man Exhibitionismus allerdings in etwas weiterem Sinn als die ungewollte Konfrontation anderer mit sexuellen Handlungen definiert, ist es durchaus ein Akt des Exhibitionismus, wenn Ihr Mann mit dem Risiko spielt, auch von Ihren Kindern und Ihrer Mutter entdeckt zu werden.
Dieser Aspekt ist in Ihrer Geschichte am problematischsten, da er unbeteiligte Dritte, in diesem Fall sogar Minderjährige, in ihrer sexuellen Selbstbestimmung psychisch schädigen kann.

Sexuelle Handlungen müssen immer im gegenseitigen Einverständnis aller Beteiligten stattfinden– ansonsten wird eine Grenze überschritten, die in der Medizin als Störung der Sexualpräferenz bezeichnet wird.

Transvestitismus

Auffällig ist, dass Ihr Mann Frauenkleidung offenbar nicht (nur?) in Verbindung mit sexueller Erregung trägt. Beim rein fetischistischen Transvestismus würde der Wunsch, Frauenkleidung zu tragen, mit nachlassender sexueller Erregung ebenfalls schwinden. Es ist die Frage, ob es sich bei Ihrem Mann möglicherweise um transsexuellen Transvestitismus handelt, d.h., ob sich ihr Mann durch das Tragen von Frauenkleidung zeitweise selbst als Frau erleben will und warum.

Therapeutische Konsequenzen

Die Bearbeitung dieser vier Themenbereiche in der Therapie könnte Ihnen beiden dabei helfen zu verstehen, was es genau bedeutet, wenn Ihr Mann Frauenkleider trägt. Es kann sein, dass es eine rein fetischistische Handlung ist, es kann aber auch sein, dass masochistische und exhibitionistische Tendenzen ebenfalls eine Rolle spielen.

Alternativ dazu kann es sich auch um eine Störung der Geschlechtsidentität Ihres Mannes handeln, geprägt von dem Wunsch, zumindest zeitweise sich selbst als Frau erleben zu können.

Wenn soweit die Motivation Ihres Mannes geklärt ist, wird für Sie die Frage im Raum stehen, wie Sie mit den sexuellen Präferenzen Ihres Mannes umgehen wollen. Hier sind sehr verschiedene Lösungen denkbar: Von einer strikten Absage, dass er in Ihrer Gegenwart Frauenkleidung trägt, bis hin zu spielerischer Integration seines Fetischismus (und ggf. auch seines Masochismus) in Ihr gemeinsames sexuelles Zusammenspiel.

Für Ihren Mann wird sich die Frage stellen, inwieweit er bereit ist, sich in seinem sexuellen Verhalten auch nach Ihren Wünschen zu richten: also in Ihrer Gegenwart keine Frauenkleider zu tragen oder nur dann, wenn Sie es ihm ausdrücklich gestatten.

Wenn Sie möchten, können Sie sich mit weiteren Fragen gern an mich wenden.
© M.Petery.
Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

PS: Weitere Infos im Artikel BDSM Beratung und im Artikel Männer und Frauenkleider mit einem Erfahrungsbericht aus Sicht einer selbst betroffenen Partnerin.

. Einen weiteren Artikel zum Thema „Männer in Frauenkleidern- Fetischismus in der Kunst“ finden Sie hier.

Was ist Fetischismus? Dinge als Lustobjekte
BDSM Beratung
und Sexualtherapie
Mein Mann
trägt gerne Frauenkleider
Fetischismus: Im Bett ist er nur ein Schnürpaket
10 Fakten
zum Thema Fetischismus
Transvestitismus-Krankheit oder nicht?
Fetischismus: Selbstbefriedigung im Abendkleid
Unterwäsche-Diebstahl- warum machen Männer das?
Masken, Rollenspiele und Sex
Rauchen als Fetisch

 

Kategorien
BDSM und Fetisch Sexualtherapie- Fragen, Ablauf, Behandlung, Theorie Sexuelle Probleme

Was ist Fetischismus? Dinge als Objekt der Begierde

Was ist Fetischismus?- Cancan im 19 Jahrhundert
(Louis CHARBONNIER Scala 1897)

Was ist Fetischismus?- Eine Begriffserklärung

Fetisch- vom Götzenbild zum Objekt sexueller Begierde

Der Begriff Fetisch stammt aus dem mittelalterlichen Latein: factīcius beduetet soviel wie unecht, nachgemacht.

Christliche Missionare haben das Wort Fetisch zur Bezeichnung für religiöse Bildwerke der Naturreligionen verwendet, die sie als „unechte“ Götzenbilder brandmarken wollten.

In diesem Sinne „verehrungswürdiger, geheimnisvoller Gegenstand“ ist das Wort Fetisch dann auch in die Sexualwissenschaft gelangt, so bereits im 19. Jahrhundert bei Richard von Krafft-Ebing -allerdings auch mit dem Nebensinn, dass der sexuelle Fetisch genauso wie das Götzenbild eigentlich etwas ist, dass es auszurotten gilt.

Ein sexueller Fetisch ist demnach ein Objekt, welches dazu dient, die sexuelle Erregung zu steigern. Das können bestimmte Kleidungsstücke sein, oft aus bestimmten Materialien (Leder, Latex, Lack…)- der „klassische“ Fetisch. Beispiele hier im Blog finden sich in den Artikeln.

In weiterem Sinne können aber auch bestimmte Körperteile zum Fetisch werden. Beispielsweise kann ein Mann es besonders erregend finden, die Füße einer Frau zu betrachten- und dabei für seine Erregung die Person in ihrer Ganzheit auszublenden. Sigmund Freud hat in seinem Aufsatz über Gradiva („die Schreitende“) dafür ein anschauliches Beispiel gegeben.

Fetischismus- eine psychische Erkrankung?

Der Krankheitenkatalog der Weltgesundheitsorganisation ICD-10 definiert Fetischismus wie folgt:

Gebrauch toter Objekte als Stimuli für die sexuelle Erregung und Befriedigung. Viele Fetische stellen eine Erweiterung des menschlichen Körpers dar, z.B. Kleidungsstücke oder Schuhwerk. Andere gebräuchliche Beispiele sind Gegenstände aus Gummi, Plastik oder Leder. Die Fetischobjekte haben individuell wechselnde Bedeutung. In einigen Fällen dienen sie lediglich der Verstärkung der auf üblichem Wege erreichten sexuellen Erregung (z.B. wenn der Partner ein bestimmtes Kleidungsstück tragen soll).

Damit solcher Fetischismus als Erkrankung beurteilt wird, sollte die Handlung mehr als 6 Monate anhalten und für den Betroffenen oder seine Umgebung mit Leid verbunden sein.

Ein Beispiel dafür wäre, dass der Betroffene nur noch durch den Gebrauch eines bestimmten Fetisch sexuelle Erregung verspürten kann und das selbst gern anders hätte. In diesem Fall könnte der Besuch bei einem Sexualtherapeuten helfen.

Fetischismus-
als Bereicherung des sexuellen Erlebens

Fetischismus, der einvernehmlich in das sexuelle Spiel von Erwachsenen eingebaut wird, hat also keinen Krankheitswert.

Im Gegenteil- viele Menschen empfinden es als Bereicherung ihres Sexuallebens, Fetischobjekte in ihr gemeinsames sexuelles Spiel zu integrieren. In diesem Sinne kann bereits ein hübsches Nachthemd ein Fetischobjekt sein, das mit dazu beiträgt, sexuelle Erregung aufzubauen.

Pornoläden und -versandhäuser bieten eine nahezu unerschöpfliche Vielfalt an Fetischobjekten an: Schuhe, Unterwäsche, Kleidung, Spielzeuge… oft aus besonderen Materialien wie Leder, Lack oder Latex, die speziell für eine Verwendung in sexuellem Zusammenhang produziert sind.

In den letzten Jahren hat sich so wie in den USA und in anderen westlichen Ländern auch in Deutschland eine lebhafte Partyszene von Fetisch-Freunden entwickelt, bei denen das gemeinsame Feiern und Tragen von Fetischkleidung im Mittelpunkt steht.

Was ist Fetischismus?-
Mögliche psychische Ursachen

Eine eindeutige wissenschaftliche Erklärung für das Phänomen Fetischismus fehlt bis heute.

Sicherlich spielt eine entsprechende genetische Veranlagung eine große Rolle. Möglich ist auch, dass sich im Gehirn aufgrund von Lernerfahrungen die Wahrnehmung bestimmter Materialien oder Gegenstände dauerhaft mit dem Gefühl sexueller Erregung verknüpft: durch eine solche Konditionierung kann der betreffende Fetisch dann auch von sich aus sexuelle Erregung hervorrufen.

Die Begeisterung für einen Fetisch kann sich biografisch verändern, d.h. sich neu entwickeln, aber auch abflauen.

Solange Sie an Ihrem sexuellen Erleben Freude haben und niemanden schädigen (weder sich selbst noch andere), gilt der Satz: „Erlaubt ist, was gefällt!“ Ihrer Fantasie sind da aus sexualtherapeutischer Sicht keine Grenzen gesetzt.

Wenn Sie möchten, freue ich mich über Fragen und Kommentare.
© 
Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

PS: Vgl. auch meinen Beitrag „10 Fakten zum Thema Fetisch und Fetischismus

Was ist Fetischismus? Dinge als Lustobjekte
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Mein Mann
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Fetischismus: Im Bett ist er nur ein Schnürpaket
10 Fakten
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BDSM und Fetisch

Bondage als Fetisch: Im Bett ist er nur ein Schnürpaket

Set of ropes and toys used in BDSM sexual games

Unangenehmer Fetisch Bondage
Zerbricht daran die Beziehung?


Mein Freund steht auf alles, was mit Fetisch zu tun hat. Schon gleich zu Anfang unserer Beziehung hat er mich in seine Lust eingeweiht und mir seine Sammlung fürs Bondage gezeigt: Ledermasken, Ketten, Harnische, Fesseln, Knebel etc.

Er steht darauf, beim Sex jede Kontrolle abzugeben und mehr oder weniger regungslos verschnürt zu werden.

So sehr wir uns beide mögen und sonst eigentlich in jeder Hinsicht prima zueinander passen- nur mit seinen Fesselbedürfnissen komme ich nicht ganz klar. Ich selbst habe einfach nicht das Bedürfnis, beim Sex einen Mann zu dominieren und brauche selber definitiv etwas anderes im Bett als ein verschnürtes, regungsloses Fleischpaket. Ein Stück weit widert es mich sogar an, wenn er da mit seinem Knebel im Mund vor sich her sabbert.

Allmählich habe ich Angst, dass ich über diese Form des Sex die Achtung vor ihm verliere.

Ich habe ihm das auch schon mal vorsichtig zu erklären versucht, und er war sehr verständnisvoll, sagte auch, dass er bereit wäre, auf den ganzen Bondage Fetisch zu verzichten, weil er mich so sehr liebt.

Aber ich denke dann, dass das auch nicht geht, weil für ihn der Fetisch beim Sex wohl das höchste der Gefühle ist. Ich hatte mir auch schon überlegt, wie es wäre, diese Spielchen nur hin und wieder zu machen. Aber das ist nicht Fisch und nicht Fleisch, und loskommen wird er davon so erst recht nicht.

Ich will ihn für seinen Fetischismus auch nicht verurteilen- aber mitmachen geht eben auch nicht.

Und die Vorstellung, dass er sich in meiner Abwesenheit in seinem Fetisch-Zeug selbstbefriedigt oder zu einer Domina geht, gefällt mir auch nicht. Schließlich will ich die Frau in seinem Leben sein- und das ganz ausschließlich.

Gibt es irgendeine Chance, dass unsere Beziehung nicht an seinem Fetisch zerbricht?

Jacqueline U. (Name geändert)

Unangenehmer Fetisch Bondage
Grund für eine Trennung?

Hallo Jacqueline,

Mit Ihrem Freund verstehen Sie sich prinzipiell gut. Nur kommen Sie nicht zurecht mit seinen Fetisch-Vorlieben für Bondage, in der entsprechenden Ausstattung gefesselt und dominiert zu werden. Sie wissen nicht, wie Sie beide damit umgehen können und ob Ihre Beziehung daran zerbrechen wird.

Ihre Sorge ist sicherlich nicht unberechtigt. Für die Haltbarkeit einer Beziehung ist es wichtig, dass beide Partner (auch) über ihre sexuellen Bedürfnisse offen reden und dass die gemeinsame Beziehung bei beiden Partnern diese Bedürfnisse auch befriedigt.

In Ihrer eigenen Schilderung geht es recht ausführlich um die Bedürfnisse Ihres Freundes, die dieser Ihnen gegenüber auch sehr klar zum Ausdruck gebracht hat. Von Ihren eigenen Bedürfnissen beim Sex haben Sie nur berichtet, was Ihnen nicht gefällt.

Was sind eigentlich Ihre Wünsche beim Sex?

Und genau da könnte sowohl das Problem selbst wie auch die Lösung zu finden sein. Haben Sie Ihrem Freund gegenüber schon einmal ganz klar gesagt, was Ihnen selber bei Sex gefällt? Oder kann es sein, dass Sie selbst sich noch gar nicht so richtig sicher sind, was Sie von einem Mann beim Sex genau erwarten?

Ihr Freund ist bei der Vorstellung seiner eigenen Wünsche Richtung Fetisch und Bondage offenbar sehr forsch vorgegangen- vielleicht ist Ihnen gar nicht die Zeit geblieben, in Ruhe Ihre eigenen Bedürfnisse in Bezug auf Sex wahrzunehmen.

Eine Sexualtherapie kann helfen

Damit Sie beide hier wieder zueinander finden, könnte es sich lohnen, einen Sexualtherapeuten aufzusuchen.

Ein möglicher therapeutischer Ansatz wäre es, dass Sie beide Ihren Sex noch einmal ganz langsam und von vorne „neu aufsetzen“, etwa nach dem Konzept der Übungen nach Masters und Johnson.

Nachdem Ihr Freund Sie liebt und sich sogar bereit erklärt hat, Ihnen zuliebe auf seinen Fetisch zu verzichten (wobei natürlich unklar ist, ob er das langfristig überhaupt kann), wird es sicher kein Problem sein, ihn für eine solche gemeinsame Therapie zu gewinnen.

So werden Sie schrittweise gemeinsam herausfinden, was Ihnen selbst und was Ihrem Partner beim Sex gut tut. Die Fetisch-Wünsche Ihres Freundes werden dabei zunächst vollkommen außen vor bleiben.

Das Hauptziel der Therapie ist, dass Sie beide im Laufe der Übungen ein Gefühl dafür bekommen haben, welche körperlichen Berührungen Sie selbst mögen und auf welche Weise Sie beide den jeweils anderen Partner verwöhnen möchten.

Umgang mit Fetisch-Wünschen
und überschüssiger sexueller Energie

Erst wenn Sie diese Übungen nach ca. 10-15 Wochen abgeschlossen haben, können Sie in Ihrer Therapie besprechen, ob jetzt auch Elemente aus dem Bereich der Fetisch-Vorlieben Ihres Freundes in das gemeinsame Spiel integriert werden können oder nicht. Formen des Fetisch, die Sie anwidern, haben in Zukunft beim gemeinsamen Sex definitiv keinen Platz.

Ebenfalls können Sie gegen Ende der Therapie gemeinsam noch einmal besprechen, ob Sie Ihrem Freund eigene sexuelle Aktivität (Selbstbefriedigung bzw. Domina-Besuche) gestatten wollen oder nicht.

Wenn nicht, wäre es wichtig herauszufinden, welche Lösung es geben kann, falls Ihr Freund (oder auch Sie selbst) häufiger sexuellen Appetit haben sollte als der jeweils andere. Denn dass einer von Ihnen beiden sexuell unbefriedigt durch die Gegend läuft, ist für Ihre Partnerschaft mit Sicherheit nicht gut.

Ihnen viel Erfolg auf Ihrem gemeinsamen Weg.
Für Rückfragen stehe ich gern zur Verfügung.
© M.Petery.
Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

PS: Weitere Infos im Artikel BDSM Beratung.

Was ist Fetischismus? Dinge als Lustobjekte
BDSM Beratung
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Mein Mann
trägt gerne Frauenkleider
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10 Fakten
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Fetischismus- Selbstbefriedigung im Abendkleid

Fetischismus:
Heterosexuell im Frauengewand

Ist Fetischismus eine Krankheit? Ich bin Anfang vierzig, seit 8 Jahren verheiratet und 100% heterosexuell. Trotzdem habe ich seit Jahren einen etwas peinlichen Fetisch, von dem ich einfach nicht loskomme.

Begonnen hat das bei meiner Freundin davor, mit der ich sogar ein Jahr lang zusammengewohnt habe. Im Prinzip hatten wir ganz gut zusammengepasst- nur dass sie viel seltener Lust auf Sex hatte als ich und dass sie sich grundsätzlich weigerte, irgendwelche Röcke oder Kleider zu tragen. Auch wenn wir zu irgendwelchen offiziellen Anlässen gegangen sind, hatte sie immer nur Hosenanzug getragen.

Ich bin da jedes Mal unglaublich eifersüchtig gewesen auf die anderen Männer, die ihre Frauen in großer Robe ausführen durften. Ich kann mir einfach nichts Schöneres und Erregenderes vorstellen, als mit einer wirklich toll hergerichteten Frau nach einem solchen Abend Sex zu haben.

In meiner Verzweiflung habe ich mir dann übers Internet ein richtig schönes Abendkleid besorgt, sozusagen als Kompensation dafür, dass ich meine Freundin niemals in einem solchen Outfit sehen würde. Ich weiß noch genau, wie ich das Paket ausgepackt und mir das Kleid angezogen habe- das war ein unglaubliches Gefühl, und es dauerte keine fünf Minuten, bis ich mich selbst befriedigt hatte.

Mittlerweile sind da noch drei weitere Kleider hinzugekommen, die ich bei mir im Büro in einem verschließbaren Aktenschrank versteckt habe.

Obwohl ich jetzt ja schon lange von meiner ersten Freundin getrennt bin und meine Traumfrau gefunden habe, die übrigens keine Schwierigkeiten hat, sich für mich schön zu machen, ist mein Fetisch an mir hängengeblieben. Von Zeit zu Zeit muss ich einfach eines der Kleider überziehen und dann onanieren- weil sich das einfach unglaublich toll anfühlt.

Was mir danach allerdings bleibt, ist ein sehr schales Gefühl: ich fühle mich irgendwie krank und pervers, und außerdem habe ich das Gefühl, als hätte ich meine Frau betrogen. Ich brauche dann mehrere Tage, um dieses Gefühl wieder loszuwerden.

Was kann ich da machen?

Rainer L. (Name geändert)

Fetischismus-
Das Problem sind die eigenen Bewertungen

Hallo Rainer,

dass Männer gern Frauenkleider tragen und sich dabei selbst befriedigen, ist ganz bestimmt kein ungewöhnlicher Fetisch. Aus therapeutischer Sicht ist nur dann etwas daran interessant, wenn Sie selbst oder andere Personen darunter leiden.

Nachdem Sie Ihren Fetisch nur für sich und ohne Anwesenheit Dritter ausleben, ist also Ihre eigene Sicht entscheidend, ob Ihr Fetisch eine psychische Störung darstellt, die Sie loswerden möchten oder nicht. Offenbar sind Sie sich da selbst nicht ganz sicher, da Sie ja einerseits einen hohen Lustgewinn aus Ihrem Fetisch ziehen, sich andererseits danach tagelang schlecht fühlen.

Dieser letztere Umstand spricht eher dafür, dass Ihr aktueller Umgang mit dem Fetisch nicht ganz optimal ist- denn tagelang solche negativen Gefühle mit sich herumzutragen, ist für Sie wahrscheinlich nicht angenehm.

Es handelt sich offenbar um negative Bewertungen Ihres Fetischismus, die Sie sich selbst zum Vorwurf machen: Sie seien krank und pervers und Sie würden Ihre Frau betrügen.

Fetischismus-
Umgangsmöglichkeiten

Rein von der Logik her gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Sie verzichten auf Ihren Fetisch und entsorgen die Kleider.
  • Sie tun das nicht und arbeiten statt dessen daran, Ihre negativen Bewertungen über Ihren Fetischismus abzulegen.

Wobei anzumerken bleibt, dass die erste Möglichkeit, also die Vernichtung der Kleider, so radikal sie zunächst erscheint, Ihr Problem möglicherweise trotzdem nicht löst. Es könnte ja sein, dass Sie auch nach dem Wegwerfen immer noch davon träumen, so schöne Kleider zu haben oder sich neue zu kaufen- und sich dann wegen dieses Traumes genauso krank und pervers fühlen.

Fetischismus-
Integration ins Leben

Möglichwerweise könnte das Gespräch mit einem Therapeuten Ihnen dabei helfen, wie Sie mit Ihrem Fetischismus so umgehen, dass Sie sich selbst damit wohl fühlen. Da das eine sehr individuelle Frage ist, kann ich hier nur ein paar mögliche Fragestellungen skizzieren, um die es in einem solchen Gespräch gehen könnte.

Dabei ist klar, dass Sie in einem solchen Gespräch natürlich immer selbst entscheiden, welche Fragen für Sie interessant sind und welche nicht.

Perversität

  • Was bedeutet Perversität eigentlich für Sie?
  • Kann es sein, dass Sie auch aus dem Gefühl, „pervers zu sein“, irgendwelche Lust schöpfen?
  • Gibt es bei Ihnen eine Diskrepanz zwischen dem Fetisch, Frauenkleider zu tragen, und Ihrer Selbstsicht als heterosexuellem Mann?

Beschämung

  • Ist das Gefühl, sich schämen zu müssen, für Sie nur unangenehm oder auch irgendwie angenehm?
  • Haben Sie diese Nachricht möglicherweise auch deswegen gepostet, weil Sie einen Lustgewinn darin finden, dass Ihr Fetisch in der Öffentlichkeit diskutiert wird?
  • Trägt die Heimlichkeit Ihres Fetisch zu Ihrem Vergnügen bei oder ist die Heimlichkeit Ihnen vor allem Ballast?

Ihre Frau

  • Was würde passieren, wenn Sie Ihrer Frau von Ihrem Fetisch erzählen würden?
  • Haben Sie Angst, dass Ihre Frau Sie demütigen würde?
  • Wie wäre es, wenn Sie Ihren Fetisch in das sexuelle Spiel mit Ihrer Frau integrieren können?

Wenn Sie gemeinsam mit Ihrem Therapeuten an diesen Fragen arbeiten, kann es sein, dass Sie ein gutes Stück Selbstsicherheit in Bezug auf Ihre eigene Person gewinnen und Ihren Fetisch so in Ihr Leben integrieren können, dass Sie ihn als das genießen, das er im besten Falle sein kann: ein Spiel, an dem Sie selbst (und vielleicht auch Ihre Partnerin) Freude haben und das Ihrer Lebensqualität nicht schadet, sondern sie sogar noch vergrößert.

Mit freundlichen Grüßen
© M.Petery.
Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

PS: Weitere Infos im Artikel BDSM Beratung.

Was ist Fetischismus? Dinge als Lustobjekte
BDSM Beratung
und Sexualtherapie
Mein Mann
trägt gerne Frauenkleider
Fetischismus: Im Bett ist er nur ein Schnürpaket
10 Fakten
zum Thema Fetischismus
Transvestitismus-Krankheit oder nicht?
Fetischismus: Selbstbefriedigung im Abendkleid
Unterwäsche-Diebstahl- warum machen Männer das?
Masken, Rollenspiele und Sex
Rauchen als Fetisch