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BDSM- die dunkle Seite des Sex

BDSM als das Spiel mit Macht, Unterwerfung und der eigenen Scham kann dem Sex eine besondere Würze verleihen.

Oft ist es aber auch so, dass ein Mensch sexuelle Fantasien und Wünsche auf diesem Gebiet hat und bei seinem Partner nur auf Unverständnis stößt oder selber seine eigenen Fantasien nur als Belastung empfindet. In diesen Fällen lohnt es sich, sexualtherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, um im Bereich Sexualität eine größere Lebensqualität zu erlangen.

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Zuletzt aktualisiert am 14.09.2017.

Bedeutet ein Besuch bei einer Domina Fremdgehen?

Ist der Sex mit einer Domina Fremdgehen?
Ist Sex mit einer Domina Fremdgehen? ©pict rider – stock.adobe.com #124717145


Ist ein Besuch bei einer Domina Fremdgehen?

Was ich schon lange wissen wollte: Ist aus sexualtherapeutischer Sicht ein Besuch bei einer Domina Fremdgehen?

Ich, männlich 42, bin mit meiner Frau schon über 15 Jahre zusammen. Seit fast 12 Jahren sind wir verheiratet und haben 2 Kinder Meine Frau ist für mich meine absolute Traumfrau – menschlich gibt es keine bessere Frau die zu mir passen könnte! Wir haben eine TOP Beziehung und lieben uns sehr.

Leider gibt es einen kritischen Punkt, der mich ziemlich kaputt macht… Ich habe schon im Jugendalter Lust auf dominante Frauen bekommen – leider nie richtig ausgelebt – außer durch Videos im Internet anzuschauen.

Meine Frau weiß darüber alles – aber sie sagt auch eindeutig, dass sie diese Praktiken bei mir nicht machen möchte, da sie sich nicht wohl dabei fühlt. Aber sie will auch nicht, dass ich zu einer Domina gehe…

Ich verstehe meine Frau und versuche jetzt schon viele Jahre alles zu unterdrücken – doch irgendwie wird alles schlimmer „die Sehnsucht“… Aber meine Frau möchte ich ja nicht drängen! und ich habe es bestimmt schon sehr oft bei ihr versucht – doch setze hier ja unsere tolle Beziehung aufs Spiel…

Was raten Sie mir? Ich habe mich im Internet viel eingelesen und die Tipps, mit meiner Frau zu reden, habe ich schon mehr als dreimal versucht. Immer gab es leider Streit und Tränen, was mir sehr weh getan hat – denn ich kann meine Frau nicht mit Tränen sehen… Aber ich zügel mich eine gefühlte Ewigkeit und weiß nicht weiter…

Deshalb kommt immer und immer wieder der Gedanke einmal zu einer Domina zu gehen… (Es zereißt mich innerlich und nervlich, denn: Meine Frau ist mein Heiligtum!)

Marius C. (Name geändert)

Bedeutet ein Besuch bei einer Domina Fremdgehen? Eine gar nicht so seltene Frage…

Hallo Marius,

es gibt viele Männer, die sich diese Frage stellen. Die meisten Männer, die eine Domina aufsuchen, machen das wohl heimlich und berichten ihren Frauen nicht davon.

Auf den ersten Blick spricht einiges dafür, dass der Besuch bei einer Domina nicht das Gleiche ist wie Fremdgehen. Bei den meisten Paarbeziehungen, die am Fremdgehen eines Partners scheitern, ist die tiefste Verletzung weniger der Sex an sich, sondern die Tatsache, dass ein Dritter oder eine Dritte wichtigste Vertrauensperson des Partners wurde.

Der Vertrauensbruch beim Fremdgehen besteht darin, dass jemand, der fremdgeht, einen höheren Grad an Intimität und Gemeinsamkeit mit einer dritten Person lebt als mit dem eigenen Partner bzw. der eigenen Partnerin. Schliesslich weiss der/die Aussenstehende dann in der Regel mehr von den geheimen Sehnsüchten, Leidenschaften und Gefühlen des Menschen, der fremdgeht, als der betrogene Partner, der auf genau diese Offenheit den eigentlichen Anspruch hätte.

Denn das ist ja die Grundlage einer Partnerschaft: sich zu versprechen, dass der jeweils andere Partner für einen selbst die Nr. 1 im Leben ist und bleibt.

Bedeutet ein Besuch bei einer Domina Fremdgehen?

Wenn doch gar keine neue Beziehung entsteht…

Eine Domina ist in gewisser Hinsicht eine Schauspielerin. Auch wenn für die Dauer der bezahlten Sitzung eine intensive (sexuelle) Beziehung vorgespielt wird, kommt es zu keiner tatsächlichen emotionalen Intimität, die in irgendeiner Weise mit einer Lebenspartnerschaft vergleichbar wäre.

Domina-Sex ist eine Dienstleistung: Wenn kein Geld mehr fliesst, ist die Beziehung zu Ende.

Warum die Partnerin sich verletzt fühlen kann.

Das Problem beim Sex mit einer Domina (bzw. bei einem SM-Spiel mit einer Domina, weil sich nur die wenigsten Dominas auf tatsächlichen Sex mit Austausch von Körperflüssigkeiten einlassen) liegt also weniger darin, dass nun eine aussen stehende dritte Person den exklusiven Status der eigentlichen Partnerin gefährdet.

Das Problem kann aber darin liegen, dass die eigentliche Partnerin vorgeführt bekommt, dass sie den geheimen sexuellen Neigungen ihres Partners nicht genügt. Und das kann für sie ausgesprochen schmerzlich sein.

So kann sich daraus auch die Angst entwickeln, der Partner wäre nur noch auf Absprung bei ihr- so lange bis er vielleicht auch im wirklichen Leben eine dominaähnliche Frau findet, mit der er nicht nur stundenweise sondern dauerhaft zusammen bleibt.

Domina-Sex: Lassen sich die Vorbehalte der eigenen Lebenspartnerin ausräumen?

Eine schwierige Frage, die immer nur individuell beantwortet werden kann. Es gibt tatsächlich Frauen, die keine Lust auf SM-Spiele in der Partnerschaft haben und es deshalb ihren Männern erlauben, diesen Teil der Sexualität bei professionellen Dominas auszuleben.

Das fällt umso leichter, je deutlicher die Männer aufzeigen können, warum sie diese Form des Sex neben der Partnerschaft brauchen und warum dieses Interesse an SM kein insgeheimer Wunsch nach einer sexuell „besseren“ Partnerin darstellt, der langfristig in der Aufkündigung der Beziehung enden könnte.


Ist Geheimhaltung ein geeigneter Schutz?

Geheimhaltung beim Sex ist ein Spiel mit dem Feuer. Wenn die Partnerin von sich aus durch irgendeinen Zufall (oder auch duch gute Beobachtungsgabe-und Frauen kennen ihre Männer in der Regel sehr gut, so dass ihnen jede kleine Verhaltensveränderung auffällt) herausfindet, dass ihr Partner geheimen Kontakt mit einer Domina hatte: dann wird sie in der Regel das Schlimmste vermuten und den Mann kurz vor dem Absprung aus der Partnerschaft sehen. Von daher ist die Geheimhaltung aus psychologischer Sicht nicht zu empfehlen- jedenfalls dann nicht, wenn dem Mann etwas an seiner eigentlichen Partnerschaft liegt und er diese nicht gefährden möchte.

Was bleibt also übrig als Lösung? Von der Logik her gibt es nur zwei Möglichkeiten: auf den Besuch bei der Domina zu verzichten oder der eigenen Partnerin verständlich zu machen, warum ich als Mann den Domina-Besuch brauche und warum das keine Gefährdung der Partnerschaft darstellt. Für beide Lösungen kann es sinnvoll sein, sich sexualtherapeutische Hilfe zu holen.

Wobei kann ein Sexualtherapeut helfen?

Die meisten Männer, die sich nach SM-Sex sehnen, kennen den Grund dafür nicht. Und deswegen können sie ihren Partnerinnen auch nicht klarmachen, warum sie diese Form sexueller Stimulation -jedenfalls von Zeit zu Zeit- benötigen. Eine Sexualtherapie könnte in zweifacher Hinsicht helfen:

1. als paartherapeutisches Setting: dabei können sich beide Partner unter fachkundiger Supervision über ihre sexuellen Wünsche austauschen- und der Mann mit dem Wunsch nach SM im Dominastudio kann klar formulieren, warum dieser Wunsch für die Partnerschaft keine Gefahr darstellt.

2. Als Einzelsitzung: der Wunsch nach SM hat häufig etwas mit sexuellen Traumatisierumgen, meist in der Kindheit, zu tun. Sexuelle Übergriffe von Erwachsenen (und das müssen nicht unbedinht explizite Handgreiflichkeiten sein- es reicht bereits eine Sexualisierung der Beziehung des Erwachsenen zum Kind, aus der der Erwachsene sexuellen Lustgewinn zieht) bedeuten eine extreme Ohnmachtserfahrubg des Kindes bei gleichzeitiger nie erwünschter sexueller Stimulation.

In einer gespielten SM-Situation hat nun der Erwachsene die Möglichkeit, sich sozusagen freiwillig selber wieder in eine solche scheinbare Situation sexueller Ohnmacht zu bringen. Diese Situation ist dann ähnlich erregend oder sogar erregender als das traumatische Ausgangserlebnis und kann als eine Art Sieg über die Angst oder das Beklemmungsgefühl erlebt werden, welche mit dem Ursprungserlebnis verbunden waren. Kurz gesagt: der Besuch im Domina-Studio kann eine mehr oder weniger glücklich gewählte Bewältigungsstrategie für sexuelle Traumata darstellen.

Die therapeutische Aufarbeitung solcher Zusammenhänge kann dazu führen, dass fer Wunsch nach der Domina nachlässt. Sie kann aber auch zum Ergebnis führen, dass der Domina-Sex ohne Schuldgefühle in das eigene Leben integriert werden kann und der Betroffene auch seiner Partnerin erklären kann, warum er aufgrund seiner sexuellen Biographie diese zweite Form des Sex hin und wieder braucht und warum das mit seiner Liebe zur Partnerin schlichtweg überhaupt nichts zu tun hat.

*** *** ***

© M.Petery

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Zuletzt aktualisiert am 28.01.2019.

Bondage als Kunstform?

Bondage als Kunstform

Bondage als Kunstform

Bondage als Kunstform?
Dr. Michael Petery im Interview
mit Morena Barra

Morena Barra ist Experimentalfilmerin und bereitet zur Zeit einen Film über Shibari, japanische Bondage, vor.

 

Bondage als Kunstform- In der japanischen Bondage geht es hauptsächlich um Unterwerfung und Dominanz. Mich interessiert, wie eine solche Präferenz überhaupt entsteht? Gibt es einen „Grund“, wieso eine Person gerne unterwürfig ist oder dominant? Ist es meist mit einer Erfahrung, auch nicht sexueller Art, verbunden?

Hier eine pauschale Antwort zu geben, ist sicherlich nicht möglich. Aus psychotherapeutischer Sicht wäre die Hauptfrage: Geht es dabei tatsächlich um reale sexuelle Unterwerfung und Dominanz oder um ein Spiel mit den Thema Unterwerfung und Dominanz?

Je nachdem, wie die Antwort ausfällt, macht das für die Beurteilung einen riesigen Unterschied. Reale sexuelle Gewalt, reale sexuelle Unterwerfung und reale sexuelle Dominanz sind als solche niemals zu rechtfertigen, der Wunsch danach (aktiv wie passiv) deutet auf schwerwiegende psychische Störungen hin, die Ausübung kann sogar strafrechtlich relevant sein.

Ganz anders liegt der Fall jedoch, wenn Menschen sexuelle Dominanz und Unterwerfung im Spiel erfahren wollen. Da kann das sogar eine Art von Coping-Strategie sein, um tatsächliche Gewalterfahrungen, etwas in der Kindheit, zu verarbeiten. Das wäre so etwas wie die Erfahrung einer psychotherapeutischen Angst-Exposition: Ja, ich kann mich im hier und heute im Spiel gefahrlos fesseln und dominieren lassen- und dabei sogar sexuelle Lust empfinden.

In meiner Praxis habe ich immer wieder Menschen kennengelernt, die in Kindheit und Jugend sexuellen Übergriffen ausgesetzt waren und dann später sexuelle Vorlieben im Bereich BDSM entwickelt haben, sowohl als dominanter wie auch als submissiver Part.

Bondage als Kunstform – Lust und Schmerz

Wieso liegt das Schmerz- und Lustempfinden so nahe beieinander?

Die Ursache ist wohl, dass es in sexuellen Übergriffen auch zu sexueller Erregung des Opfers kommen kann- und dadurch beim Opfer zur Entwicklung masochistischer sexueller Präferenzen. (Schlimmerweise führen Täter das immer wieder zur eigenen Rechtfertigung an: Das Opfer „habe doch auch mitgemacht und seinen Spaß gehabt“. Diese Argumentation ist natürlich nur widerlich!)

Die Erfahrung der Grenzverletzung, der Angst und des Schmerzes wird bei manchen Opfern zusammen mit der sexuellen Erregung als Erinnerung im Hirn sehr eng verknüpft gespeichert- und fortan können diese Größen sich gegenseitig triggern. Am Beispiel Bondage bedeutet das: die Fesselung als solche löst beim früheren Opfer auch weiterhin sexuelle Erregung aus. Bondage kann also direkt zu sexueller Erregung führen.

Oft ist es so, dass der Mann die Frau fesselt. Sind das immer noch unbewusste Rollenmuster die in uns verankert sind?

Das mag in der japanischen Bondageszene der Regelfall sein- hier in Westeuropa gilt vielleicht sogar das Gegenteil. Nach meiner Einschätzung haben wir sogar einen Männerüberhang in Richtung Submission.

Der typische Klient für Bondage ist jedenfalls im deutschen Sprachraum ein Mann, der dafür viel Geld bezahlt, sich von einer Domina fixieren und spielerisch misshandeln zu lassen… Allerdings gibt es bei uns natürlich auch submissive Frauen… Eine exakte Statistik gibt es dazu meines Wissens nach nicht.

Bondage als Kunstform – krank oder gesund?

Ich habe mit verschiedenen Leuten aus der BDSM-Szene gesprochen und da erzählten sie mir von Praktiken mit Nadeln oder mit allgemeinen starken Schmerzen. Da dachte ich mir: oh Gott das ist doch krank.. Gibt es da eine Grenze zwischen „gesund“ und „krank“? Oder gilt auch hier, wenn kein Leidensdruck besteht, dann ist alles gut?

Laut Weltgesundheitsorganisation ist das wichtigste Kriterium dafür, dass etwas eine Krankheit ist, das Vorliegen eines Leidensdrucks. Ohne dieses Kriterium besteht die Gefahr, alles Mögliche als krank zu bezeichnen, bis hin zu Feststellungen: Dies oder das wäre „kranke“ Kunst oder „kranke“ Politik etc…

Eine Krankheitsdefinition ohne Kriterium Leidensdruck ist also sehr gefährlich. Sie würde schlicht und ergreifend das statistische Durchschnittsverhalten für „gesund“ erklären und alles Verhalten, was davon abweicht, als „krank“ bezeichnen. Wohin das führt, hat die Geschichte schon einmal zur Genüge gezeigt…

Also nochmal im Klartext: Bondage und BDSM, im gegenseitigem Einverständnis praktiziert, sind nicht krank, sondern eine Spielart menschlicher Sexualität, die manchen Menschen sehr viel Intimität und sehr intensiven sexuellen Genuss schenken kann. Und das ist aus psychotherapeutischer Sicht etwas Gutes!

Kann man bei Bondage auch von Fetisch sprechen? Kann das Seil als „Fetischobjekt“ verstanden werden?

Ein sexueller Fetisch ist ein Objekt, das bei einem Menschen als solches sexuelle Erregung hervorruft oder intensiviert. Die meisten Menschen, Männer wie Frauen, haben Fetische, oft ohne es selbst so zu nennen. Das kann ja bereits die Freude an bestimmten Kleidungsstücken sein oder auch an bestimmten Duftstoffen und Parfüms.

Inwieweit das Seil als solches bei Bondage sexuelle Erregung auslöst, ist aus Sicht der Sexualtherapie eine ziemlich akademische Frage. Für die meisten Bondage-Freunde ist es wohl mehr die Geste der Fesselung, die sexuell interessant ist, als der Gegenstand Seil für sich genommen.

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PS:
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Masken,
Rollenspiele und Sex

Masken, Rollenspiele und Sex

Radiointerview Masken, Rollenspiele und Sex

Hier der Radiomitschnitt.

Masken, Rollenspiele und Sex

Interview mit Dr. Michael Petery
in der Sendung Let´s talk about Sex bei Radio 89.0 RTL

Masken, Rollenspiele und Sex
Wo liegt der Reiz an Fetischen, Rollenspielen oder SM?

Sex ist eine Ausnahmesituation in unserem Leben: allein schon körperlich, dadurch, dass unser Puls steigt, dadurch, dass spezielle Hormone und Botenstoffe aktiv werden, die schließlich im Gefühl des Orgasmus gipfeln, der emotionalen und körperlichen Ausnahmesituation in unserem Leben schlechthin. Sex ist also ein Moment, in dem wir einmal vollkommen anders sind als sonst in unserem Alltag.

Dieses aufregende Gefühl des Andersseins im Sex können wir dadurch noch verstärken, in dem wir zum Beispiel Fetischkleidung tragen und so die Andersartigkeit des sexuellen Moments noch weiter zum Ausdruck bringen.

Rollenspiele können aus der Sicht der Sexualtherapie dazu beitragen, den Sex noch aufregender und spannender zu gestalten.

Viele Menschen mögen es, wenn im Rahmen eines solchen Spiels zusätzlich die Dimension von Macht und Unterwerfung hinzukommt, wie sie im SM-Sex praktiziert wird. Der dominante Partner bzw. die dominante Partnerin genießt es, dass sich ein anderer Mensch freiwillig vollkommen den eigenen Wünschen und Fantasien zur Verfügung stellt. Und umgekehrt genießt der submissive Partner bzw. oder die submissive Partnerin, sich für den Moment des Sex vollkommen fallenlassen zu können und sich nur noch darauf zu konzentrieren, was der oder die Partnerin mit dem eigenen Körper macht.

Masken, Rollenspiele und Sex
Wieso sind Rollenspiele so spannend? Gibt es Rollenspiele, die besonders gern ausgeübt werden? Warum?

Wie schon gesagt: Rollenspiele dienen dazu, die Besonderheit des sexuellen Miteinanders noch einmal ein Stück besonderer und aufregender zu machen.

Um zu sehen, welche Rollenspiele besonders beliebt sind, reicht ein Blick in einen beliebigen Sex-Shop. Klassiker sind Spiele, die um das Thema Krankenhaus (z.B. Krankenschwester und Patient) kreisen oder um das Thema Schule (z.B. Lehrer und Schülerin) oder Polizei (Verhör, Verhaftung, Verführung von Polizist oder Polizistin).

Alle diese Szenarien haben gemeinsam, dass es jeweils um ein gewisses Autoritätsgefälle geht, das im wirklichen Leben mit dem mehr oder weniger großen Gefühl von Angst verbunden ist.

Tatsächlich sind Angst und sexuelle Erregung zwei Gefühle, die in unserem Hirn relativ nah zueinander stehen. Ein gewisses Maß an Angst kann sexuelle Erregung auslösen und steigern.

Das machen sich solche Rollenspiele zunutze. Wobei hier natürlich die Erzeugung eines leichten Angstgefühls kein Selbstzweck ist, sondern nur dazu dient, die sexuelle Erregung noch weiter zu steigern. Und dadurch, dass sich das Rollenspiel im Orgasmus auflöst, kommt dann zusätzlich zum sexuellen Wohlgefühl auch noch die Erfahrung hinzu, sich der eigenen Angst gestellt und diese Angst erfolgreich besiegt zu haben.

Masken, Rollenspiele und Sex
Wo sind die Grenzen bei solchen Ausübungen? Ist es noch okay, wenn Blut und blaue Flecke im Spiel sind?

Sex soll Spaß machen. Das gilt auch für Rollenspiele und auch für SM-Sex.
Von daher sind die Grenzen ganz klar:

1. Alles, was beim Sex passiert, muss im Einvernehmen der beiden Partner passieren. Deshalb ist es gut, wenn sich die Partner bei Rollenspielen schon vorher darüber austauschen, was OK ist und was nicht. Und das kann von Mensch zu Mensch höchst unterschiedlich sein. Für den einen ist zum Beispiel bereits das Anlegen von Handschellen zu viel, während ein anderer gar nicht fest genug gefesselt werden kann.
Eine gute Möglichkeit, dass hier im Eifer des Gefechts nicht tatsächlich Grenzen überschritten werden, ist es, gemeinsam ein Code-Wort festzulegen, bei dem das Spiel dann sofort abgebrochen werden muss. Bewährt hat sich zum Beispiel der Ampel-Code: Wenn einer der Partner „Gelb!“ sagt, dann heißt das, die Grenze ist fast erreicht und jetzt sollten beide lieber etwas anderes spielen, also zum Beispiel eine bestimmte Fesselung wieder auflösen und dafür etwas anderes ausprobieren. „Rot!“ hieße dagegen, das ganze Spiel sofort abzubrechen und erst einmal darüber zu reden, was da gerade schief gelaufen ist.

2. Darüber hinaus ist beim Sex alles nicht OK, was zu bleibenden gesundheitlichen Schädigungen führt. Sogar dann, wenn einer der Partner solche bleibenden Schädigungen selber wünscht (wie z.B. im Extremfall die Kastration).
Blaue Flecken oder Blut sind prinzipiell kein Tabu- allerdings nur dann, wenn der betroffene Partner das selber beim Sex genau so haben will und wenn die Grundregeln von Medizin und Hygiene beachtet werden.

Masken, Rollenspiele und Sex
Horror im Bett (Masken, Verkleidungen…) – warum gruseln wir uns so gern?

Es soll mal dahingestellt sein, ob sich wirklich alle Menschen gerne gruseln- und das auch noch im Bett! Da würde ich doch ein bisschen Vorsicht walten lassen, bevor ich mich mit einer Vampirmaske auf Partnerin oder Partner stürze…

Aber davon mal abgesehen: Der psychologische Hintergrund für die Freude an Gruselverkleidungen zu Halloween ist, das wir alle eine tief in unserer Biologie verankerte Angst vor dem Tod haben. Halloween nimmt uns ein Stück von dieser Angst, weil wir in diesen Tagen einer Menge gruseliger Todesbilder begegnen- und trotzdem wunderbar weiterleben.

Wer diesen Halloween-Effekt dann auch noch ins Bett holt durch entsprechende Masken und Verkleidung, für den verwandelt sich ein Stück der eigenen Todesangst dann sogar in intensiven Sex-Genuss. Und das kann für manche vielleicht sogar die ultimative Halloween-Erfahrung sein.

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