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Pädophile Zwangsgedanken: Die Angst, pädophil zu sein

Pädohile Zwangsgedanken- bin ich pädophil- die Angst, pädophil zu sein
de.123rf.com/photo_ 25208775 Olivér Svéd

Pädophile Zwangsgedanken sind ein häufiges Thema in der Sexualtherapie. Sie kommen gleichmaßen bei Männern wie bei Frauen vor. Den meisten Betroffenen fällt es sehr schwer, darüber zu sprechen- gerade weil die Unterscheidung zur „echten Pädophilie“nicht immer ganz einfach zu ziehen ist und sich die Zwangsgedanken mit intensiven Gefühlen von Scham, Schuld und Ohnmacht verbinden.

Im deutschen Sprachraum gibt es dazu bislang nur sehr wenig Veröffentlichungen- und kaum Therapeuten, die sich mit dem Störungsbild „Pädophile Zwangsgedanken“ geschäftigen. Eine Ursache dafür liegt sicherlich daran, dass sexualtherapeutische Fragestellungen in den meisten psychotherapeutischen Ausbildungen entweder gar nicht oder nur sehr am Rande vorkommen. Im englischsprachigen Bereich ist Pedophilia OCD bzw POCD (pedophile-themed obsessive-compulsive disorder) schon länger ein feststehender Begriff.

Deshalb ist es wichtig, sich klar zu machen, was Pädophilie eigentlich ist und was den Unterschied zu pädophilen Zwangsgedanken ausmacht.

Was ist Pädophilie und warum ist sie schädlich?

Pädophilie, d.h. die sexuelle Präferenz für Kinder und Minderjährige, ist extrem problematisch. Der sexuelle Wunsch eines pädophil veranlagten Menschen richtet sich an potentielle Partner und Partnerinnen, die selbst keine eigenverantwortete Einwilligung zum Akt geben können.

Die Konfrontation  mit sexuellen Bedürfnissen von Erwachsenen -und sei es auch ohne tatsächlichen Akt im Rahmen einer „sexualisierten Beziehung“- kann bei Kindern und Jugendlichen schwere traumatische Schäden auslösen, die sich manchmal erst Jahre später bemerkbar machen und für die Betroffenen großes psychisches Leid verursachen- bis hin zur Unfähigkeit, in einer Partnerschaft das persönliche Lebensglück zu finden.

Es ist also vollkommen klar, dass es bei einer pädophilen Veranlagung nur eine einzige Möglichkeit gibt: sexuellen Verzicht leben. Und dazu gehört definitiv auch der Verzicht auf den Konsum von Kinderpornografie, da solches Material immer im Rahmen sexuellen Missbrauchs produziert wurde- mit den entsprechenden Schäden für die missbrauchten Kinder. Auch Konsumenten von Kinderpornografie machen sich sexuellen Missbrauchs schuldig- und werden daher zu Recht strafrechtlich verfolgt.

Pädophile Straftäter sind oft selbst die letzten, die es sich zugeben, pädophil zu sein. Häufig sehen sie sich selbst als Freunde und Partner der von ihnen missbrauchten Kinder. Die Verharmlosung ihres eigenen Tuns ist typisch. Eine beispielhafte Aussage, wie sie ein Täter vorbringen könnte, lautet: „Ich war doch der einzige, der sich als Jugendleiter um die Kinder gekümmert hat. Während die Eltern die zuhause nur rumhängen ließen, habe ich mit denen gespielt, gezeltet, Abenteuer erlebt. Und dass wir dann nachts im Zelt nebeneinander onaniert haben, das hat doch Spaß gemacht. Zu einem richtigen Zeltlager gehört das doch dazu…“

Menschen mit pädophiler Veranlagung sind nicht als solche moralisch verwerflich oder böse. Es ist wichtig, das betroffene Menschen um ihre Veranlagung wissen, um sich selbst und mögliche Opfer zu schützen. Weitere Informationen dazu finden sich auf der Homepage des Berliner Projekts „Kein Täter werden“ .

Was sind pädophile Zwangsgedanken?

Pädophile Zwangsgedanken haben nichts mit der tatsächlichen sexuellen Präferenz zu tun. Es geht um die Angst, pädophil zu sein oder pädophil zu werden- nicht um den als lustvoll erlebten Wunsch, mit Kindern oder Jugendlichen sexuelle Erlebnisse zu haben.

Pädophile Zwangsgedanken sind eine spezielle Form der Zwangsstörung. Es gelten die gleichen Diagnosekriterien wie für Zwangsstörungen allgemein (nach ICD-10):

  • Die Zwangsgedanken werden als eigene Gedanken erlebt (und nicht als Eingebung von außen, etwa durch Stimmen, die den/die Betroffene dazu auffordern, z.B. zu einem Spielplatz zu gehen)..
  • Der/die Betroffene leistet gegen die Gedanken inneren Widerstand. Er bemüht sich verzweifelt, aber insgesamt erfolglos, den Gedanken loszuwerden.
  • Der Zwangsgedanke wird als unangenehm empfunden und nicht als lustvoll.
  • Die Zwangssymptome wiederholen sich immer wieder und beschäftigen den/die Betroffene mindestens 2 Wochen lang an den meisten Tagen.

Das Besondere an pädophilen Zwangsgedanken ist, dass sich der Inhalt der Zwangsgedanken auf die Frage konzentriert: Bin ich pädophil oder nicht? Dazu kommen möglicherweise weitere zwanghafte Verhaltensweisen, z.B. das Vermeiden von als gefährlich empfundenen Situationen, z.B. das weite Umgehen von Spielplätzen und Schulen auf Fußwegen und Spaziergängen.

Die Gefahr pädophiler Zwangsgedanken

Das Gefahrenpotential pädophiler Zwangsgedanken liegt darin, dass sie extrem demütigend und unangenehm sind. Das kann(sehr selten) bei einzelnen betroffenen Personen dazu führen, dass sich der Wunsch entwickelt, sich mit einer „Testhandlung“ davon zu befreien, also z.B. sich kinderpornografisches Material zu besorgen in der Hoffnung, sich dabei so sehr zu ekeln, dass die Heilung eintritt.

Diese Selbstexposition ist allerdings bereits eine Straftat und kann die Betroffenen nicht heilen, sondern das Problem nur noch schlimmer machen. Wer sich einmal getestet hat und den Test sogar mit starken Ekelgefühlen „bestanden“ hat, weiß ja nicht, ob er nicht vielleicht schon am nächsten Tag doch sexuelle Lust an solchen Filmen und Bildern entwickeln würde. Es kann also geradezu ein suchtartiges Bedürfnis nach diesem Material entstehen- und das, obwohl gar kein sexuelles Interesse daran besteht.

Im Extremfall wäre sogar das Begehen einer pädophilen Straftat an Kindern oder Jugendlichen denkbar- auch wiederum „nur“ als Selbsttest- was natürlich für die Opfer die Sache in keiner Weise besser macht.

Wesentlich wahrscheinlicher ist allerdings, dass Menchen mit pädophilen Zwangsgedanken ihre negative Energie ausschließlich gegen sich selbst richten. Zum einen dadurch, dass sie sich durch diese Gedanken immer weiter in eine Negativspirale ziehen, die jedes positive Selbstwertgefühl vernichtet und über kurz oder lang in schwere Depressionen führt. Zum anderen dadurch, dass die Betroffenen meinen, sie müßten die Mitwelt vor einem so gefährlichen Menschen wie sich selbst schützen: und das aprobate Mittel dafür wäre der eigene Suizid.

Der Unterschied zwischen Pädophilie
und pädophilen Zwangsgedanken

Pädophile Zwangsgedanken sind etwas völlig anderes als Pädophilie. Pädophilie ist für die Betroffenen eine letzlich als lustvoll erlebte Form menschlicher Sexualität- die allerdings für die missbrauchten Opfer schwerste psychische Schäden verursachen kann. Pädophile Gedanken beziehen sich nicht auf den Betroffenen selbst, sondern kreisen um die möglichen und tatsächlichen Opfer.

Pädophile ZwangsgedankenZwangsgedanken sind die psychische Störung eines einzelnen betroffenen Menschen, der an diesen Gedanken leidet. Inhaltlich kreisen diese Gedanken um den Betroffenen selbst in der Endlosschliefe: Bin ich pädophil oder nicht?

Typisch für Pädophile Zwangsgedanken sind folgende Symptome (die nicht notwendigerweise alle gleichzeitig vorliegen müssen):

  • Oft kennen Betroffene auch andere Formen der Zwangsstörung, z.B. die Sorge, an einer schweren Krankheit zu leiden, eventuell homsoexuell zu sein oder Angst davor zu haben, sich selbst oder anderen Menschen ohne es zu wollen etwas anzutun.
  • Unwillentliches, aber sehr intensives Nachdenken über die eigenen sexuellenFantasien und Wünsche und die Frage: Was erregt mich eigentlich?
  • Ständiger Wunsch, sich selbst zu versichern, man sei sexuell „normal“
  • Angst davor, Kindern und Jugendlichen zu nahe zu kommen, aus dem Gefühl heraus, das könnte eigenePädophilie fördern
  • Angst davor, andere könnten einen aufgrund bestimmter Anzeichen für pädophil halten
  • Gedanken an pädophile Handlungen beängstigen die Betroffenen und bereiten keine Lust
  • Eine erotische Anziehung durch Kinder und Jugendliche fehlt
  • Selbstkorrektur von Verhaltensweisen, die aus eigener Sicht pädophil wirken könnten: Z.B. die Weigerung, die Kinder des eigenen Bruders oder der eigenen Schwester auf den Arm zu nehmen


Typisch für tatsächliche Pädophilie sind folgende Anzeichen:

  • Pädophile Fantasien machen den Menschen mit entsprechender Veranlagung Spaß und werden als lustvoll erlebt (auch dann, wenn die eigene Veranlagung anderen und sich selbst gegenüber versteckt, verharmlost oder geleugnet wird )
  • Pädophile Menschen suchen die Nähe von Kindern und Jugendlichen und fühlen sich dabei wohl; oft wählen sie entsprechende Berufe, die sie in die Nähe von Kindern und Jugendlichen führen und zu einem engen Vertrauensverhältnis führen, z.B. als Trainer, Jugendleiter, Lehrer oder auch als Priester.

Pädophile Zwangsgedanken-
Mögliche Ursachen

Pädophile Zwangsgedanken können die gleichen Ursachen haben wie andere Zwangsstörungen auch. Voraussetzung, an einer Zwangsstörung zu erkranken, ist eine gewisse Vulnerabilität (Anfälligkeit), die genetisch begründet sein kann oder auch durch eine andere psychische Erkrankung (z.B. Depression) ausgelöst wird.

Mehrfach habe ich in meiner Praxis Patienten und Patientinnen erlebt, die kurz vor Ausbruch der pädophilen Zwangsgedanken Drogen (insbesondere Cannabis) oder Alkohol (in gesundheitsgefährdender Weise) konsumiert haben. Das dürfte mit einer Schädigung des Neurotransmitterhaushaltes zu tun haben, ganz ähnlich wie im Fall einer depressiven Erkrankung.

Oft scheinen pädophile Zwangsgedanken ein Ausdruck für andere psychische Probleme zu sein, die dahinter liegen und häufig dem bzw. der Betroffenen bewusst gar nicht klar sind.

Das kann etwa eine depressive Erkrankung sein, weger der sich der bzw. die Betroffene schlecht fühlt, die aber als solche nicht recht benennbar ist. Da ist es in gewisser Hinsicht leichter zu denken: „Ich fühle mich schlecht, weil ich unsicher bin, ob ich nicht vielleicht pädophil veranlagt könnte.“ Die fortwährende Beschäftigung mit dieser Frage verschlimmert zwar in der Regel das eigene Unwohlsein- aber immerhin gibt es jetzt einen scheinbaren Grund dafür: Es ist die Ungewissheit, möglicherweise pädophil zu sein, die einen sich selber schlecht fühlen lässt.

Andere mögliche Gründe sind berufliche oder private Fehlschläge (z.B. das Verlassenwerden durch die eigene Freund/Freundin). Im letztgenannten Beispiel kann es für Betroffene zunächst eine (scheinbare) Erleichterung sein, sich in die Frage möglicher eigener Pädophilie hineinzuversenken, statt über die beendete Beziehung zu trauern und mögliche Ursachen zu ergründen.

Pädophile Zwangsgedanken- Traumatische Erfahrungen als weitere mögliche Ursache

Mehrfach sind mir in meiner Praxis Menschen mit pädophilen Zwangsgedanken begegnet, die in ihrer Kindheitsexuellen Übergriffen ausgesetzt waren. Mögliche Übergriffe können sein: Zwang zum gemeinsamen Ansehen von Pornografie, Zwang zur Entblößung, Zwang zu sexuellen Handlungen.

Im Sinne einer „Identifikation mit dem Aggressor“ kann sich dann die Vorstellung einprägen, auch ich selber könnte als Erwachsener an solchem Tun eigenes sexuelles Vergnügen empfinden. Diese Vorstellung kann extrem beängstigend sein- und mitten in die Zwangsgedanken hinein führen.

Pädophile Zwangsgedanken: Therapeutische Möglichkeiten

Für die Therapie von pädophilen Zwangsgedanken scheint mir eine gründliche Diagnostik die entscheidende Voraussetzung, insbesondere die Abklärung, ob es sich „nur“ um eine Form der Zwangsstörung handelt oder um eine Depression und/oder um eine Traumafolgestörung.

Ferner muss ausgeschlossen sein, dass nicht doch eine pädophile Veranlagung vorliegt, die sich der Betroffene nicht eingestehen möchte. (Dieser Fall ist allerdings eher unwahrscheinlich, da bei vielen Pädophilen vor Entdeckung ihrer Taten kein Leidensdruck besteht, der sie zu einem Therapeuten führt.)

Nach der Diagnosestellung bieten sich folgende Therapieverfahren an:

Verhaltenstherapeutische Sofortmaßnahmen

Unser Hirn schafft bevorzugte neuronale Verbindungen für Gedanken, die besonders häufig gedacht werden. D.h.: Wenn ich häufig über mögliche eigene Pädophilie nachdenke, schlägt mir mein Hirn laufend vor, über dieses Thema wieder und wieder nachzudenken- ähnlich wie der Computer mit seiner Liste zuletzt aufgerufener Dateien.

Solche gedanklichen Fixierungen werden erlernt- und können folglich auch wieder verlernt werden. Dabei hift es allerdings nicht, zu denken: Ich will jetzt keine pädophilen Zwangsgedanken denken! Denn mit genau diesem Gedanken bin ich schon wieder mitten drin in der gedanklichen Verstrickung. Unser Gehirn kennt keine negativen Vorstellungen (etwas NICHT zu denken). Wenn ich Sie auffordere: „Stellen Sie sich KEINEN rosa Elefanten vor!“, dann können Sie nicht anders, als an einen rosa Elefanten zu denken.

Deshalb geht es bei verhaltenstherapeutischen Verfahren bei pädophilen (und allen anderen) Zwangsgedanken darum, Techniken zu erlernen, das eigene Denken mit anderen Gedanken zu erfüllen, die weniger schädlich bzw. sogar förderlich für das Selbstbefinden sind.

Ursachenforschung

Pädophile Zwangsgedanken entstehen nicht einfach so, sondern haben eine psychische Ursache. Diese Ursache ist den meisten Betroffenen zu Therapiebeginn selber nicht recht klar. Oft dienen Zwangsgedanken dazu, Betroffene davon abzuhalten, andere, noch unangenehmere Themen anzugehen und aufzuarbeiten.

Eine genaue Analyse der Auslösefaktoren kann helfen, das Entstehen von pädophilen Zwangsgedankenzu verstehen. Und dieses Wissen kann für Betroffene ein erster Schritt sein, sich um die Bearbeitung der auslösenden Umstände zu kümmern. Im Rahmen einer solchen Aufarbeitung entfällt dann nach und nach die Notwendigkeit, diese Zwangsgedanken denken zu müssen.

Therapeutische Methoden zur Ursachenforschung können biografische Gespräche sein, aber auch tiefenpsychologische und psychoanalytische Verfahren wie z.B. die Analyse von Träumen.

Traumatherapie bei Missbrauchserlebnissen

Bei sexuellen Missbrauchserlebnissen (und das muss keineswegs eine physische Vergewaltigung sein- es reicht jede ungewollte Konfrontation mit Sexualität durch Übergriffigkeit eines anderen Menschen!) kann es, wie schon oben beschrieben, zu einer Traumatisierung kommen.

Hirnphysiologisch ist damit gemeint, dass ein solches Erlebnis als „Gefühlswolke“ (hot memory) in der Amygdala gespeichert ist und jederzeit durch bestimmte Auslöser getriggert werden kann, so dass die Gegenwart komplett von dieser Gefühlswolke geprägt ist.

Therapeutisches Ziel ist es, die andere Form menschlicher Erinnerungsfähigkeit (das sogenannte cold memory im Hippocampus) anzuregen und daran zu arbeiten, das traumatische Erlebnis in die Zeitlinie der eigenen Biografie einzubinden. Je mehr diese bewusste Form der Erinnerung gestärkt wird, desto geringer wird die Gefahr, dass aktuelle Trigger die Gefühlswolke des traumatischen Erlebnisses wieder hervorholen.

 

Prognose bei pädophilen Zwangsgedanken

Pädophile Zwangsgedanken müssen nicht sein. Aus therapeutischer Sicht ist es sinnvoll, sofort mit einer Therapie zu beginnen, sobald das Problem erkannt ist.

Zwangsgedanken lassen sich gut behandeln. Es ist daher für Betroffene sinnvoll, sich Hilfe zu holen und einen Therapeuten aufzusuchen, der auf dem Gebiet Erfahrung hat.

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Wenn Sie dazu weitere Fragen haben, freue ich mich über Ihre Nachricht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. hum. biol. Michael Petery

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