Exhibitionismus- Erektion am Badesee

Exhibitionismus?
Erektion am Badesee

Bin ich beziehungsunfähig? Wenn jede Beziehung scheitert
Warum will meine
Freundin keinen Sex?

Exhibitionismus-
Erektion aus dem Schlaf heraus

Exhibitionismus
Ich finde es ausgesprochen erregend, wenn andere mich nackt beobachten.

Im letzten Sommer bin ich an einem Badeweiher, wo die meisten Leute nackt baden, auf meinem Handtuch eingeschlafen. Als ich aufgewacht bin, hatte ich eine total starke Erektion. Nicht weit weg von mir lag eine etwas ältere Frau, die das mitbekommen hat. Ich habe sie wohl ziemlich verlegen angeguckt und sie hat nur gemeint, das wäre doch völlig natürlich und ok.

Seitdem träume ich immer wieder von dieser Situation, so erregend fand ich dieses Erlebnis.

In diesem Sommer lege ich mich jetzt bei schönem Wetter fast täglich an den Badesee und tue so, als wäre ich eingeschlafen und bekäme im Schlaf meine Erektion, besonders dann, wenn in der Nähe eine Frau ihren Liegeplatz hat.

Bis jetzt bekam ich noch nie eine ungute Reaktion- die meisten haben einfach nur geguckt und das habe ich sehr genossen. Vielleicht gefällt das den Frauen sogar.

Ich weiß nicht: Ist das schon Exhibitionismus und pervers oder nicht?

Richard T. (Name geändert)

Exhibitionismus-
der Genuss, beobachtet zu werden

Hallo Richard,

Sie legen sich gerne nackt an einen Badesee, bekommen eine Erektion und genießen es, wenn Frauen Sie dabei beobachten.

Exhibitionismus- eine Form der Sexualität
mit strafrechtlichen Folgen

Sie schreiben, dass Sie sich nicht im Klaren sind, ob Ihr Tun bereits Exhibitionismus ist. Aus psychologischer Sicht ist das, was Sie da machen, eindeutig Exhibitionismus.
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Die ICD-10, der Krankheitenkatalog der Weltgesundheitsorganisation, definiert Exhibitionismus als „die wiederkehrende oder anhaltende Neigung, die eigenen Genitalien vor meist gegengeschlechtlichen Fremden in der Öffentlichkeit zu entblößen, ohne zu einem näheren Kontakt aufzufordern oder diesen zu wünschen“.

Ohne einer möglichen juristischen Bewertung vorzugreifen: Ein Gericht würde Ihr Tun wahrscheinlich nach § 183 I Strafgesetzbuch (Exhibitionistische Handlungen) als Straftat ansehen.

Offenbar haben Sie bisher Glück gehabt, dass noch keine Frau gegen Sie Anzeige erstattet hat. Die Folgen für Sie könnten dramatisch sein: Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr, dazu ein Eintrag ins erweiterte Führungszeugnis als Sexualstraftäter und dadurch erhebliche Nachteile am Arbeitsmarkt.

Exhibitionismus-
Was daran problematisch ist

Vielen Menschen mit exhibitionistischer Neigung fällt es schwer zu erkennen, was daran problematisch sein soll. Sie sehen allein ihr eigenes Vergnügen, das es Ihnen macht, von unbekannten Frauen in Ihrer sexuellen Erregung beobachtet zu werden. Auch Sie selber geben an, dass es ja durchaus sein könnte, dass Ihr Tun Frauen gefällt.

Bei einer Bewertung Ihres Tuns sollten Sie aber nicht vom bestmöglichen (und übrigens eher unwahrscheinlichen) Fall ausgehen, dass Ihre öffentliche sexuelle Erregung allen Beobachtern und Beobachterinnen jedes Mal gefällt, sondern davon, was die ganz realen Folgen Ihres Tuns sein können:

  • Sie schaden anderen Menschen: Es ist gut möglich, dass Frauen sich vor Ihnen ekeln oder so sehr vor Ihnen erschrecken, dass sie sich nicht mehr trauen, alleine zum Badesee zu kommen.
  • Es könnte sein, dass Sie -auch ohne es zu wollen- von Kindern beobachtet werden- mit möglichen negativen Folgen für die psychische Gesundheit der Kinder.
  • Sie schaden sich selbst: Es kann sein, dass Sie angezeigt werden- mit allen strafrechtlichen und persönlichen Konsequenzen.

Das Problematische an Ihrem Verhalten liegt also nicht an Ihrer sexuellen Neigung, sondern daran, dass Sie Ihre Form der Sexualität in der Öffentlichkeit ohne vorherige Einholung der Erlaubnis der anderen ausüben.

Exhibitionismus-
ein extrem selbstschädigendes Verhalten

Weil jeder Mensch ein Recht auf Selbstbestimmung hat und damit auch das Recht, nicht gegen seinen Willen in das sexuelle Spiel eines anderen einbezogen zu werden (nicht einmal in der Rolle des Beobachters), gibt es das gesetzliche Verbot des Exhibitionismus in der Öffentlichkeit.

Und wegen dieses Verbotes und der entsprechenden strafrechtlichen Folgen handelt es sich bei Ihrem Tun um ein potentiell extrem selbstschädigendes Verhalten. Sie sollten daher aus ureigenem Interesse etwas dafür tun, um Ihr Verhalten abzustellen.

Da Ihnen allein die notwendige Veränderung Ihres Verhaltens vermutlich schwerfällt, sollten Sie also unbedingt therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.

Exhibitionismus- zwei mögliche Gründe
für das Vergnügen daran

1. Die sexuelle Präferenz
Zunächst einmal ist Exhibitionismus nur eine bestimmte sexuelle Präferenz, die als solche weder verwerflich noch krank ist. Vermutlich finden es sogar sehr viele Menschen erregend, in ihrer eigenen Erregung von anderen beobachtet zu werden.
Ihre sexuelle Präferenz als solche ist nicht problematisch- nur das Hinzuziehen unbeteiligter Dritter ist es. Gemeinsam mit Ihrem Therapeuten könnten sie prüfen, ob es für Sie auch andere Wege gibt, Ihre sexuelle Neigungen auszuleben- ohne die Gefahr, mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen. Mit etwas Nachdenken und Ausprobieren lassen sich vermutlich auch für Sie passende Lösungen finden (vgl. dazu auch die Ideen weiter unten „Weiterentwicklung Ihres sexuellen Potentials“).

2. Die Lust an der eigenen Selbstzerstörung
Schwieriger liegt der Fall, wenn Sie -was Ihnen selbst vielleicht gar nicht bewusst ist- den „Kick“ gerade dadurch bekommen, dass Sie sich in juristische Gefahr begeben.
Wenn das der Fall sein sollte, haben Sie weniger ein Problem, das in Ihrer sexuellen Neigung begründet ist. Vielmehr ist es dann Ihr Problem, dass Sie Freude daran haben, sich selbst in erhebliche Gefahr zu bringen und möglicherweise ihr ganzes Leben zu zerstören.
Hier würden Sie sich nicht sehr von einem Kleptomanen unterscheiden, der völlig unnütze, wertlose Dinge stiehlt, nur weil er das Gefühl genießt, möglicherweise bei seinem Diebstahl überrascht und gefaßt zu werden.

Welche der beiden Ursachen Ihrem Verhalten zugrunde liegt -eine von beiden oder auch beide gemeinsam in einer Mischform-, sollten Sie im Gespräch mit Ihrem Therapeuten abklären, der Ihnen dann Möglichkeiten aufzeigen kann, aus Ihrem selbstschädigenden Verhalten wieder herauszufinden.

Exhibitionismus-
Therapeutische Hilfsmöglichkeiten

Eine Psychotherapie könnte auf mehreren Ebenen zu einer solchen Lösung beitragen.

Weiterentwicklung Ihres sexuellen Potentials

Wenn Ihr Problem vor allem darin liegt, dass Sie sich gern in Ihrer Erregung von unbekannten Frauen beobachten lassen, dann gibt es viele Möglichkeiten, diese Leidenschaft so auszuleben, ohne dass Sie mit dem Gesetz in Konflikt kommen.

Vielleicht wäre eine Domina etwas für Sie, die mit Rollenspielen Erfahrung hat. Dann könnten Sie gemeinsam sogar Szenarien entwickeln, die für Sie noch aufregender sind, als das Aufwachen mit Erektion am Badesee.

Vielleicht könnte es Ihnen ja gefallen, dass die Frau, die Sie mit erigiertem Penis überrascht, nicht einfach nur wegguckt, sondern ganz konkret etwas mit Ihnen macht: z.B. Sie beschimpft oder schlägt oder fesselt… Gemeinsam mit Ihrer Domina könnten Sie auch Fetischpartys besuchen, bei denen Sie einen ganzen Abend lang nackt an einem Andreaskreuz festgebunden werden.

Der Fantasie sind da wenig Grenzen gesetzt. Es gibt also durchaus Spielraum, wie Sie Ihren Exhibitionismus ausleben und sogar zu noch größerer Lust steigern können- und das, ohne jeden Ärger mit dem Gesetz.

Natürlich kostet der Besuch bei einer Domina (genauso wie beim Therapeuten) Geld- allerdings ist es noch viel teurer für Sie, wenn Sie nichts unternehmen und irgendwann wegen Ihrer Neigung den Arbeitsplatz verlieren…

Regeln für den Selbstschutz

Gemeinsam mit Ihrem Therapeuten können Sie für sich passende Regeln erarbeiten, die dazu dienen, Sie vor selbstschädigendem Verhalten zu bewahren. Hier ein paar Vorschläge, wie solche Regeln aussehen könnten:

  • Sie erteilen sich selbst ein Besuchsverbot für den Badesee und alle anderen Orte mit öffentlicher Nacktheit (Schwimmbäder, Saunen etc.).
  • Ausnahmegenehmigungen gibt es nur, wenn Sie einen Freund/eine Freundin als Begleitung dabei haben.
  • Sie unternehmen ohne Begleitung keine Spaziergänge in die freie Natur, Ihr Bedürfnis nach körperlicher Bewegung befriedigen Sie in einem Fitnessstudio mit geschlechtsgetrennten Umkleiden ohne Sauna.
  • Sie sorgen dafür, von Ihrer sexuellen Erregung nicht plötzlich übermannt zu werden: d.h. Sie befriedigen sich selbst regelmäßig zuhause (so oft Ihre Erregung das zuläßt) und/oder gönnen sich häufige Besuche bei einer Domina oder Prostituierten.
Erhöhung sexueller Zufriedenheit auf anderen Gebieten

Eine wichtige Aufgabe in der Therapie könnte sein zu prüfen, wie es ganz allgemein um Ihre sexuelle Zufriedenheit steht:

  • Sind Sie Single? Haben Sie Schwierigkeiten, eine Partnerin kennenzulernen?
  • Welche Möglichkeiten gibt es für Sie, eine Beziehung aufzubauen, in der Sie sexuelle Zufriedenheit finden können?
  • Oder leben Sie in bereits einer Partnerschaft, in der Sie sexuell nicht erfüllt sind?
  • Was könnten Sie dafür tun, was Ihre Partner/in, damit Ihre Beziehung in sexueller Hinsicht befriedigender ist?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, dass Sie gemeinsam mit Ihrer Partnerin eine Paartherapie beginnen?
Exhibitionismus als Zwangshandlung

Möglicherweise entziehen sich Ihre exhibitionistischen Handlungen so sehr Ihrer Kontrolle, so dass Ihnen die obigen Vorschläge nichts bringen. In diesem Fall würden Sie auch dann noch sich selbst in der Öffentlichkeit entblößen, wenn es Ihnen vollkommen unangenehm ist und Sie eigentlich nur von Ihrem Tun loskommen wollen.

Wenn das der Fall sein sollte, kann Ihnen Ihr Therapeut verschiedene Behandlungsmethoden der Verhaltenstherapie vorschlagen, z.B. die Einübung neuer Verhaltensmuster, welche eine Alternative zur öffentlichen Entblößung darstellen können.

Kognitive Umstrukturierung

Bei manchen Männern, die unter selbstschädigenden exhibitionistischen Neigungen leiden, ist es deswegen besonders schwierig, davon loszukommen, weil sich im eigenen Denken eine resignierende Grundhaltung aufgebaut hat.

Typische negative Gedankenverbindungen wären:

  • Davon komme ich sowieso nicht los.
  • Ich schaffe es niemals, mich zu verändern.
  • Eine Partnerschaft, die mich sexuell erfüllt, werde ich niemals finden.
  • So schlimm ist das nicht-bisher ist mir auch nichts passiert.
  • Viel Freude im Leben habe ich sowieso nicht: Wieso dann auf das wenige verzichten, was mir Spaß macht?

Um diese negativen Festschreibungen zu durchbrechen, bietet sich die Technik der kognitiven Umstrukturierung an, bei der die negativen Gedanken in Ihren schädlichen Auswirkungen erkannt werden und gezielt durch hilfreichere Gedanken ersetzt werden, also beispielsweise:

  • Ich will in meinem Leben neue und andere Formen der Sexualität kennenlernen.
  • Ich bin auf mich stolz, dass ich so mutig bin, mit meiner Therapie erste Schritte in eine neue Richtung zu gehen.
  • Ich bin neugierig, neue Impulse für meine bestehende Partnerschaft oder für neue Partnerschaften zu erhalten.
  • Mein Leben ist mir so wertvoll, dass ich keine Bestrafung als Exhibitionist riskieren möchte.

Für einen solchen Weg zu mehr Lebensqualität, ganz allgemein, aber auch in Ihrer Sexualität, wünsche ich Ihnen alles Gute!

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Dr. rer. biol. hum. Michael Petery
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